(„The Returned“ directed by Manuel Carballo, 2013)

The Returned – Weder Zombies noch MenschenDie Regeln des Genres sind einfach: Zombie frisst Mensch, Mensch schießt Zombie in den Kopf. Was aber, wenn es Leute gibt, die sich nicht daran halten? Die den Zombievirus in sich tragen, aber noch immer Menschen sind?

Alex (Kris Holden-Ried) ist einer von ihnen. Vor Jahren wurde er von einem Zombie angefallen und wäre auch selbst zu einem geworden, hätte er nicht rechtzeitig das rettende Serum erhalten. Seither kann er normal weiterleben, muss aber jeden Tag das Medikament zu sich nehmen. Doch die Herstellung ist teuer, die Vorräte knapp. Und in der Bevölkerung wachsen die Vorbehalte gegen die „Returned“, die Beinahezombies. Seine Freundin Kate (Emily Hampshire) hält zu ihm, besorgt ihm als Krankenschwester sogar illegal das begehrte Mittel, um immer einen Vorrat zu haben. Aber die Unruhen werden stärker und die Infizierten werden von gewalttätigen Gruppierungen regelrecht verfolgt und gejagt.

Auch wenn man sich das heute kaum mehr vorstellen kann, als George A. Romero Ende der 60er mit Die Nacht der lebenden Toten den modernen Zombiefilm begründete, ging es dabei nicht nur darum, den Blutdurst von Horrorfans zu stillen, sondern auch eine gesellschaftlich relevante Geschichte zu erzählen. Davon kam man später natürlich ab, wenn Genrebeiträge heute vom reinen Gemetzelpfad abweichen, dann über den Umweg der Komödie. The Returned kehrt nun zu den Ursprüngen zurück und geht noch einen ganzen Schritt weiter: Ähnlich wie bei Ben & Mickeys Vs. The Undead kürzlich legte Drehbuchautor Hatem Khraiche (Das verborgene Gesicht) den Fokus hier nicht auf die müffelnden Untoten, sondern die Menschen.The Returned – Weder Zombies noch Menschen Szene 1

Das geht hier so weit, dass die Zombies hier fast nirgends zu sehen sind. Nur am Anfang, als die Vorgeschichte erzählt wird, dürfen wir den Menschenfressern bei der Arbeit zuschauen. Anschließend sind deren Auftritte äußerst rar. Horrorfans könnten sich hier deshalb um ihre Beute betrogen fühlen. Bei The Returned gibt es kein Splatter, keine Gewalt, keine Action. Langweilig ist die spanisch-kanadische Koproduktion dennoch nicht, Regisseur Manuel Carballo schafft es sehr schön, in seinem Film die wachsende Paranoia der Bevölkerung festzuhalten, die sich in Beschimpfungen, Misstrauen, aber eben auch Übergriffen ausdrückt. Nur zum Schluss war Carballo wohl doch der Meinung, dem Zuschauer ein bisschen mehr bieten zu müssen und ließ sich zu einem etwas überdramatischen Finale hinreißen.The Returned – Weder Zombies noch Menschen Szene 2

Nötig hätte der Film das nicht gehabt, denn an Tragik mangelte es ihm vorher nicht. Nur lag die eben im Zwischenmenschlichen und Alltäglichen. Wenn The Returned eine Reihe trauriger Einzelschicksale aufzeigt, dann mutiert Carballos Genrebeitrag zu einem reinen Drama, das sich die Horrormaske nur übergestülpt hat. Interessant ist aber vor allem die gesellschaftliche Komponente, wie mit den Infizierten umzugehen ist. Der Vergleich mit der Situation von HIV-Infizierten liegt auf der Hand, aber man könnte die feindliche Ausgrenzung im Grunde auf alle Menschen übertragen, die aus irgendeinem Grund nicht ins Bild passen, Ausgestoßene, Fremdkörper. Und dann wäre da natürlich noch die gemeine Frage, wie sie kürzlich auch in The Philosophers gestellt wurde: Wenn nur einige überleben können, wer soll das sein? Ist ein Leben wertvoller als das eines anderen? Und wer darf das überhaupt bestimmen?

The Returned – Weder Zombies noch Menschen
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The Returned – Weder Zombies noch Menschen
Reine Horrorfans werden entsetzt sein: ein Zombiefilm ohne Gemetzel, Action und sogar fast ohne Zombies. Trotzdem ist The Returned ein sehr sehenswerter Beitrag, der die Genrezutaten verwendet, um daraus ein echtes Drama mit unbequemen Fragen zu machen.
7von 10

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