(„The Fifth Estate“ directed by Bill Condon, 2013)

Inside Wikileaks – Die fünfte GewaltSchon früh hatte Julian Assange (Benedict Cumberbatch) Erfahrungen beim Hacken von Rechnern gesammelt und geriet dabei auch mit der Polizei aneinander. Doch das ist nichts im Vergleich zu den Reaktionen, die er jetzt provoziert. Eine Internetplattform, auf der jeder Dokumente hochladen kann, um Missstände publik zu machen, damit kann es ja nur Ärger geben. Die Idee hinter Wikileaks: In einem direkten Kampf hat keiner eine Chance gegen global agierende Unternehmen oder mächtige Regierungen. Was aber, wenn sich jemand fände, der für diese arbeitet und geheime Informationen ans Licht bringt? Unter dem Druck der Öffentlichkeit und nur dann ließ sich etwas bewegen.

Der Informatiker Daniel Domscheit-Berg (Daniel Brühl) soll ihm dabei helfen. Und zunächst sieht auch alles gut aus, der Deutsche ist der einzige, dem Assange vertraut. Zusammen ermöglichen sie ihren Informanten, den sogenannten Whistleblowern, die skandalösen Machenschaften ihrer Auftraggeber zu enthüllen und damit zum Beispiel die Schweizer Privatbank Julius Bär in arge Bedrängnis zu bringen. Als sie sich jedoch das amerikanische Militär als nächste Zielscheibe aussuchen, geraten sie selbst ins Fadenkreuz. Zeitgleich entbrennt ein erbitterter Streit zwischen den beiden Aktivisten um die weitere Strategie von Wikileaks. So moralisch verwerflich und brisant der Inhalt der Geheimdokumente auch ist, rechtfertigt das die Veröffentlichung auch auf die Gefahr hin, andere Menschen da mit hinein zu ziehen?Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt Szene 1

Groß war die Aufregung bei Betroffenen wie auch in der Öffentlichkeit, als Wikileaks vor einigen Jahren geheime Dokumente von Banken, Regierungen und Militär der ganzen Welt zugänglich machte. Tagtäglich, zeitweise fast stündlich gingen seinerzeit neue Meldungen über Enthüllungen online, eine spektakulärer als die anderen. Im Vergleich dazu reagierte das Publikum beim Film Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt letztes Jahr mit einem Schulterzucken, nicht einmal das Budget wurde an den Kinokassen wieder eingespielt.

Nur einer echauffierte sich noch über das Gezeigte: der Gründer der Enthüllungsplattform selbst. Kein Wunder aber, ist der Film doch ein recht einseitiges Porträt von Julian Assange. Basierend auf einem Buch vom ehemaligen Mitstreiter Domscheit-Berg, mit dem er sich zu dem Zeitpunkt längst zerstritten hatte, wird Aussänge hier als intelligenter und gleichzeitig rücksichtsloser Egomane beschrieben, der keine zweite Meinung neben sich duldet. Das ist zwar von Benedict Cumberbatch gewohnt gut gespielt, aber letztendlich zu schwarzweiß, um als Drama sonderlich interessant zu sein. Wenn sich der wohl bekannteste Netzaktivist im wahren Leben von dem Projekt distanziert und als Lügenkonstrukt bezeichnet, mag das aus verletzter Eitelkeit geschehen sein. Und doch wäre es interessant gewesen, auch seine Sicht der Dinge mal erfahren zu haben.Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt Szene 2

Nicht nur beim dramatischen Teil, auch bei den Thrillerelementen hält sich die Begeisterung in Grenzen. Rasant ist das Geschehen zweifelsfrei, ständig wird von einem Ort zum nächsten gewechselt und alle paar Minuten das Ende der Welt verkündet. Doch diese Hektik ist eher ermüdend, weniger spannend. Durch diese Sprunghaftigkeit entwickelt man nie das Gefühl, Teil des Geschehens zu sein, sondern eher eine Zusammenfassung auf YouTube zu sehen. Einige optisch nette Einfälle gibt es bei dabei schon zu bewundern, neben den schauspielerischen Leistungen sind sie das Hauptargument, sich Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt einmal anzusehen. Für ein Thema, das die Welt dermaßen in Atem hielt, ist der biografische Streifen insgesamt dann aber doch reichlich unspektakulär ausgefallen.

Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt erscheint am 3. April auf DVD und Blu-ray

Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt
3.89 (77.78%) 9 Artikel bewerten

Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt
Wer schon immer einmal wissen wollte, was für ein Mensch Wikileaks-Gründer Julian Assange so ist findet hier eine recht einseitige Antwort. Die Spannung hält sich in Grenzen, dank der guten schauspielerischen Leistungen und einiger netter optischer Ideen ist Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt aber zumindest in Ordnung.
5von 10

Eine Antwort

  1. franziska-t

    Meines Erachtens ist das größte Problem dieses Films die Narration – und die ist eine Vollkatastrophe. Ich habe im Vorfeld das Buch von Daniel Domscheit-Berg gelesen und wusste also grob, worum es ging. Aber der Film ist durch die vielen Ortswechsel und Einblendungen unglaublich verwirrend. Im Studium war ich mal mit dem Begriff des „kinematografischen Gedächtnisses“ konfrontiert, d.h. dass man sich am Ende des Films noch an den Anfang erinnern kann und Verknüpfungen innerhalb des Films herstellen kann. Bei diesem Film ist das auch nach Vorlektüre nicht möglich. Du hast nach dem Film das Gefühl absolut gar nichts mitgenommen zu haben und das ist das Todesurteil für jeden Film. Daniel Brühl und Benedict Cumberbatch sind zwar phänomenal, aber die chaotische Narration können selbst sie nicht wieder ausbügeln. Condon wollte einfach alles in den Film packen, anstatt sich auf einen Aspekt zu stürzen und den ausführlich zu beleuchten. So wird alles ein bißchen angeschnitten, aber so richtig ins Detail geht es nicht.

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