(„Grudge Match“ directed by Peter Segal, 2013)

Zwei vom alten SchlagDer eine erhielt 1980 den Oscar als bester Schauspieler in Wie ein wilder Stier, der andere hätte das 1976 für Rocky fast geschafft – eindeutig, wenn es um die Darstellung von Boxern geht, macht niemand Robert De Niro und Sylvester Stallone etwas vor. Wenn ausgerechnet diese beiden ehemalige Boxprofis spielen, die ein letztes Mal in den Ring steigen, dann darf man auf das Ergebnis also mehr als gespannt sein. Wird das Ergebnis ein verkapptes Rocky VII werden, obwohl Stallone 2006 beteuerte, dass nach Rocky Balboa endgültig Schluss ist? Brauchen wir tatsächlich noch einen weiteren Abgesang?

Das vielleicht nicht, immerhin wurde hier aber kein erneutes schweres Drama inszeniert. Vielmehr nahm der genreerfahrene Regisseur Peter Segal (Die nackte Kanone 33 1/3, 50 erste Dates) das Vermächtnis der beiden Schauspiellegenden nicht allzu ernst und inszenierte das Aufeinandertreffen der Boxikonen stattdessen als leichtfüßige Feel-Good-Komödie. Und auch die beiden Altstars genießen es sichtlich, ihre Paraderollen von einst fast schon zu parodieren. Die fette Portion Eigenironie und die Anspielungen an frühere Filme sind dann auch die Hauptgründe, sich Zwei vom alten Schlag einmal anzuschauen. Die Handlung ist es hingegen leider nicht.Zwei vom alten Schlag Szene 1

30 Jahre sind seit ihren Karrierhöhepunkten vergangen, inzwischen erinnern sich nur noch Sportjunkies an die ehemaligen Boxchampions Billy „The Kid“ McDonnen (Robert De Niro) und Henry „Razor“ Sharp (Sylvester Stallone). Für die beiden Veteranen sind die alten Tage aber immer noch präsent, insbesondere da sie seinerzeit nie abschließend klären konnten, wer denn nun der bessere Boxer von beiden ist. Zweimal waren sie gegeneinander angetreten, das erste Mal gewann The Kid, beim Rematch Razor. Der dritte und alles entscheidende Kampf wurde jedoch nie ausgetragen, denn Razor verkündete vorher überraschend seinen Rückzug aus dem Sport.

Bis heute trägt ihm The Kid das nach, wirft seinem Erzfeind vor, damals einfach gekniffen zu haben. Doch hinter dem Karriereende steckte weniger Muffensausen, sondern vielmehr eine private Fehde: Razors damalige Freundin Sally (Kim Basinger) betrog den Erfolgssportler ausgerechnet mit dessen größtem Konkurrenten. Als der wenig erfolgreiche Box-Promoter Dante Slate Jr. (Kevin Hart) dreißig Jahre später doch noch den finalen Kampf organisiert, stimmen die beiden Kontrahenten zu: für ihr Ego, aus Geldgründen, vor allem aber, um die Vergangenheit aufzuarbeiten. Besonders The Kids Verhältnis zu BJ (Jon Bernthal), das Ergebnis der Affäre, ist komplett zerstört, was der ungewollte Vater nicht länger hinnehmen mag.GM_07255.dng

Zwei alte Sportler, völlig außer Form, die es noch mal wissen wollen, da schreiben sich die Witze quasi von selbst. Einige davon sind richtig gelungen, doch die meisten gehen nicht über das Erwartete hinaus, so wie sich die Komödie insgesamt zu sehr ans Lehrbuch klammert. Dass die Streitigkeiten in einem simplen Wohlfühlende beigelegt werden, sämtliche Wunden der 30 Jahren versorgt sind und alle danach etwas dazugelernt haben, das kündigt sich schon in den ersten zwanzig Minuten an. Und auch die Stolpersteine, die mutmaßlichen Wendungen auf dem Weg zum Unvermeidlichen sind in der Formel Komödie plus dramatische Familienmomente schon angelegt. Etwas mehr Biss und Eigenständigkeit hätte Zwei vom alten Schlag daher schon gut getan, gerade auch angesichts des versammelten Schauspieltalents. Nett ist das Wiedersehen mit den alten Gesichtern aber auch so.

Zwei vom alten Schlag läuft seit 9. Januar im Kino



(Anzeige)

Zwei vom alten Schlag
3.75 (75%) 4 Artikel bewerten

Zwei vom alten Schlag
Ein bisschen mehr Biss und Eigenständigkeit hätte man sich da schon gewünscht. Aber auch wenn Zwei vom alten Schlag sehr formelhaft ist, eine nette Feel-Good-Komödie ist aus dem Wiedersehen zweier verfeindeter Boxprofis dann doch geworden. Die obligatorischen dramatischen Momente wären nicht notwendig gewesen, dafür gefallen die Selbstironie der Altstars und die Anspielungen auf frühere Filme.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.