(„Confession of a Child of the Century“ directed by Sylvie Verheyde, 2012)

ConfessionEpochen sind schon eine tolle Sachen: Sie lassen uns die Zeit in verdauliche Happen einteilen, dem Ganzen ein Schildchen umhängen und die Welt als ein homogenes Ganzes wahrnehmen. Das Problem dabei ist nur, dass das mit der Realität nicht viel zu tun hat. Unter dem Deckmantel des Zeitgeistes tummeln sich Tausende, wenn nicht gar Millionen, die mit der aktuellen Strömung hadern; und sie manchmal nicht einmal wahrnehmen und so orientierungslos durchs Leben treiben.

Octave (Pete Doherty) ist so ein Treibender. Während sein Freund Desgenais (August Diehl) genau diese Orientierungslosigkeit, mangelnde Werte und Anarchie in ausschweifenden Orgien feiert, weiß Octave so gar nicht, was er eigentlich mit seinem Leben anfangen soll. Wahre Orientierungspunkte sind im frühen 19. Jahrhundert Mangelware. Bis er sie trifft: Brigitte (Charlotte Gainsbourg), verwitwet, einige Jahre älter, aber wunderschön und unnahbar. Von da an ist alles klar – sie ist die einzig Wahre für ihn, die Frau, mit der er sein Leben teilen will.

Diese wiederum weiß die Avancen ihres Verehrers durchaus zu schätzen, findet Octave interessant und anziehend, entscheidet sich aber, ihm zu widerstehen. Und sei es nur aus Angst vor dem Gerede des Dorfes. Doch auf Dauer ist ihre Widerwehr zum Scheitern verurteilt: Brigitte erliegt dem Charme des Jünglings, die beiden werden ein Paar. Was zunächst nach einem Happy End aussieht, wird recht bald von der Realität eingeholt. Eifersucht, Zweifel und Langeweile wechseln sich ab, die Beziehung steht immer wieder kurz vor dem Abgrund. Und irgendwann müssen sich die beiden die Frage stellen, ob es überhaupt eine Zukunft für sie gibt.

Confession Szene 1

Pete Doherty dürfte den meisten für zwei Sachen bekannt sein: 1. als Sänger der Gruppen „The Libertines“ und „Babyshambles“ 2. für seine medienwirksamen Alkohol- und Drogenexzesse. Wer aufgrund dieser Vorgeschichte eine besonders wilde Performance in Dohertys Schauspieldebüt erwartet, wird schnell ziemlich enttäuscht sein. Am überzeugendsten ist der Engländer noch dann, wenn Octaves innere Leere gezeigt werden soll. Aber selbst in seinen vermeintlich leidenschaftlichen Phasen wirkt er schlicht gelangweilt und empfiehlt sich damit nicht gerade für eine Schauspielkarriere.

Sehr viel besser macht es wie erwartet Charlotte Gainsbourg. Ihre einfühlsame Interpretation der zunächst zurückhaltenden und später hoffnungslos abhängigen Brigitte ist sicher der Lichtblick von Confession, hebt das französische Drama immerhin noch auf Durchschnittsniveau. Der dritte bekannte Name im Bunde, August Diehl, bleibt wiederum blass, was aber auch damit zu tun hat, dass Desgenais schlichtweg nichts zu sagen hat. So wie vieles in dem Film vor sich hinplätschert, ohne eine Richtung oder Aussage anzusteuern. Wer Kostümdramen mit einem großen Romanzeanteil mag, wird der Geschichte vielleicht etwas abgewinnen können. Den Rest dürfte das eher kaltlassen.

Confession Szene 2

Diese Probleme mögen zum Teil auf die Vorlage zurückzuführen sein – Confession beruht auf dem autobiografisch gefärbten Roman „Bekenntnis eines jungen Zeitgenossen“ von Alfred de Musset, der 1836 erschien. Andere wiederum sind hausgemacht. Vor allem die Kameraführung ist nur wenig gelungen. Den ganzen Film über auf eine Handkamera zu vertrauen, ist immer eine riskante Entscheidung. In einigen Szenen, vor allem den Orgien, funktioniert das ziemlich gut. Dass aber auch die ruhigen Szenen, in denen es vor allem um die Leere der Figuren geht, das Starre, das Schweigen zwischen den Partnern, auch unentwegt rumwackelt, ist dann doch eher unpassend.

Confession läuft seit dem 20. Juni im Kino

Confession
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Confession
Die Romanverfilmung Confession krankt unter anderem an einem lustlos spielenden Pete Doherty und einer zu häufigen Verwendung der Handkamera. Auch inhaltlich ist vieles eher ziellos. Glanzpunkt des französischen Films ist die einfühlsame Darstellung von Charlotte Gainsbourg.
5von 10

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