(„Judge Dredd“ directed by Danny Cannon, 1995)

Während Sylvester Stallone vergangenes Jahr mit seinen Expendables noch einmal den Einzug ins Kino feierte wurde im deutschen Sprachraum kurz danach der mittlerweile fünfzehn Jahre alte Judge Dredd als Blu Ray Disc neu aufgelegt. In Punkto Bild und Ton besticht die Scheibe dabei ab der ersten Minute, die Schwächen der Handlung vermag dieser Qualitätssprung aber nach wie vor nicht zu retuschieren.

Sly schlüpft hier in die Rolle der Comicfigur Joseph Dredd, einem sogenannten Judge, eine Art Supercop der gleichzeitig Gericht und Henker ist. Die Judges sind im dritten Jahrtausend die wohl mächtigste Institution in Megacity doch die ausufernde Metropole versinkt trotz massiver Präsenz von Exekutivgewalten in einem Sumpf aus Kleinkriminalität und Bandenkriegen.

Judge Dredd gilt als der beste und effektivste Wächter den die politische Elite aufzubieten hat, keiner kennt das geschriebene Gesetz besser als er, niemand münzt es rigoroser um als er. Über seine Vergangenheit und eigentliche Herkunft weiß man nur sehr wenig, doch als er schließlich selbst für ein Verbrechen das er nicht begangen hat verurteilt wird, ändert sich dies schlagartig. Er beginnt nicht nur am herrschenden System zu zweifeln sondern gleichzeitig erfährt er durch seinen Bruder Rico (Armand Assante) und weitreichenden Recherchen ein ihm bis dahin unbekanntes und tragisches Familiengeheimnis…

Der Film von Danny Cannon bietet in seinen 90 Minuten kurzweilige Unterhaltung, die dank aufpolierter Bilder immer noch recht frisch und knackig wirkt. Die interessante Prämisse einer Gesellschaft am Rande der Apokalypse die durch faschistoide Gesetzeshüter im Schach gehalten werden soll wird leider zu schnell durch zu lange Actioneinlagen bei Seite geschoben. Kenner des Comics, zu denen ich mich übrigens nicht zähle, bemängeln eine Verfremdung der Figur und den fehlenden satirischen Ton im Film. Vor allem letzteres ist irgendwo nachvollziehbar, denn die im Grunde sehr kritischen Elemente werden zugunsten eines massentauglichen Produktes aufgegeben das in einem grausigen Happyend mündet in dem Stallone in bester Heldenattitüde mit dem schönen Mädchen (Diane Lane) auf seiner Seite von dannen zieht.

Im zeitlichen Kontext betrachtet passt Judge Dredd allerdings perfekt zu den Actionknallern seiner Dekade. Die quietschbunten Sets und einige wirklich ausgefallenen Designs wirken heutzutage lächerlich und wie man so schön sagt: trashig. Alleine die herrlichen Uniformen (die von Modemogul Versace designend wurden!) strahlen ein herrliches Flair aus, das mir vor allem aus Comcibooks  aus den späten Achtzigern hängen geblieben ist.

Stallone bietet, wie so oft, ein sehr schlechtes Schauspiel, doch wohl genau deshalb passt die Rolle des gefühlslosen und roboterhaften Joseph Dredd so gut zu ihm. Um diese düstere Gestalt etwas aufzuheitern gab man ihm Rob Schneider (zuletzt Kindsköpfe) mit auf dem Weg, der als, zumindest in der deutschen Synchronisation, nervtötender Kleinkrimineller seine Witzchen machen darf. Weiters ist auch noch Max von Sydow (zuletzt Robin Hood und Shutter Island) in der Rolle des Chief Justice – so etwas wie dem obersten Ratsmitglied der Judges – zu sehen.

Wer mit dem Hauptfilm nicht genug hat, darf sich übrigens auf fast eine Stunde Bonusmaterial freuen. Hauptgrund ist und bleibt aber natürlich die wirklich gelungene Bild- und Tonqualität (sogar DTS-HD remastered) die ein Wiedersehen mit den Judges optisch und akustisch einwandfrei und am Ende doch auch sehr unterhaltsam macht.

Judge Dredd
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