(„Five Minutes Of Heaven“ directed by Oliver Hirschbiegel, 2009)

Oliver Hirschbiegel, der sich mit Das Experiment und Der Untergang bereits einen Namen gemacht hat, bearbeitet in Five Minutes Of Heaven eine Thematik die letzthin nur noch wenig mediale Beachtung fand. Die Rede ist vom Nordirlandkonflikt, ein ethnisch wie religiöser bedingter Streit der heute noch anhält, auch wenn von offizieller Seite der bewaffnete Kampf im Jahr 2005 sozusagen beigelegt wurde.

Im ersten Drittel der insgesamt 90 Minuten entführt uns der Regisseur in das Jahr 1975, wo er uns mit den zwei Protagonisten bekannt macht und uns ein wichtiges Ereignis zeigt das uns später die Verbindung zwischen den beiden verständlicher macht. Das junge UVF-Mitglied Alistair Little (in diesem Filmabschnitt gespielt von Mark David) führt seinen ersten und letzten Rachemord für die protestantische Miliz aus und bringt Joe Griffins (Kevin O’Neill) älteren Bruder mit drei Pistolenschüssen kaltblütig um. Der junge Joe, der den Mord mit eigenen Augen mitansehen muss, wird lange nicht in der Lage sein dieses Trauma zu überwinden.

Der folgende Schnitt und gleichzeitige Sprung um mehr als 30 Jahre zeigt nun einen gealterten und gebrochenen Joe (James Nesbitt) der in einer TV-Show seinen persönlichen Dämon Alistair Little (Liam Neeson) begegnen möchte. Little hat seither sein Leben gänzlich umgekrempelt und hilft nun in Selbsthilfeseminaren anderen Leidenden über ihre Probleme hinweg. Für Joe ist dies allerdings kein Trost, er lechzt nach Rache und will seine Five Minutes Of Heaven bekommen, dass Alistair dafür ins Gras beißen muss ist für ihn eine logische Schlussfolgerung …

Das Drehbuch von Guy Hibbert basiert auf zwei real existierenden Personen und laut Aussagen die man den auf der Disc beiliegenden Interviews entnehmen kann, wurde zunächst eine sehr intensive Recherche betrieben um vor allem die Ereignisse in den Siebzigern realitätsgetrau nachzubilden. In der Neuzeit hingegen baute man auch vermehrt Fiktion ein, was aber wohl daran liegt, dass man hier nicht mehr so sehr den geschichtlichen Kontext beachtete sondern auf einer Sezierung der Figuren aus war.

Dies gelingt zuweilen auch wunderbar, vor allem weil Neeson und Nesbitt – übrigens, beide Schauspieler stammen selbst aus Nordirland – eine hervorragende Arbeit leisten. Allein dank grandioser Körpersprache transportieren die beiden dermaßen viel Gefühl über den Bildschirm, dass die ansonsten sehr ruhig gehaltenen Szenen meistens trotzdem spannungs- oder emotionsgeladen wirken. Der Soundtrack wurde hier sehr minimalistisch gehalten und erst im Schlussdrittel begleitet das erste Mal Musik das Geschehen. Stellenweise wirkt der Film dann aber doch recht langatmig und sperrig was mich letztendlich auch daran hindert Hirschbiegels Werk uneingeschränkt weiterzuempfehlen.

Technisch gesehen bietet der Film keine Spielereien, es wurden zum Beispiel auch nicht irgendwelche Lichteffekte eingesetzt um die 70er-Abschnitte „alt“ wirken zu lassen. Dies ist übrigens nicht als Kritik zu verstehen, sondern ganz im Gegenteil, Five Minutes Of Heaven konzentriert sich aufs Wesentliche, zeichnet sich durch seine nüchternen Aufnahmen und der dafür umso intensiveren Darstellung aus.

Die Bildqualität der Blu Ray leidet unter einer durchgehenden Körnigkeit was bei einigen Stellen sehr unangenehm wirkt und man sich die Frage stellen muss ob so etwas überhaupt mit HD bezeichnet werden darf. Im Gegensatz zu diesem Rauschen brilliert dafür aber der kristallklare Ton, die Extras bieten nichts nennenswertes, schön wiederum fand ich dass an ein Wendecover gedacht wurde.

Ein Filmtipp ist Five Minutes Of Heaven nun nicht gerade geworden, wer aber gefühlsbetontes Kino mit grandiosen Schauspielern ohne viel technischen Schnickschnack mag darf hier gerne einen Blick riskieren.

Five Minutes Of Heaven ist seit 14.01 auf Blu Ray und DVD erhältlich

Five Minutes Of Heaven
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