(„What’s Up Tiger Lily?“ directed by Woody Allen, 1966)

1966 wagte der mittlerweile zum Markenzeichen gewordene Woody Allen das Experiment, einen japanischen Agentenfilm zu kaufen, ihn aber neu synchronisieren und schneiden zu lassen, sodass aus diesem ohnehin sehr billig und lachhaft wirkendem Spionagefall eine absurde Komödie wird. Das Prinzip ist hier das Gleiche, welches etwa Rainer Brandt in Deutschland in den 70er Jahren anwandte, in dem er z.B. die im Original recht trockenen – und daher in ihrem Heimatland gefloppten – Folgen der Fernsehserie Die Zwei mit Tony Curtis und Roger Moore mit komödiantischen Dialogen versah. Eine sehr originelle Idee von Allen, die – soweit mir bekannt ist – in der Kinolandschaft bis heute keine direkten Nachahmer gefunden hat. Allens Konzept ist bis heute eine Ausnahme, weder vor 1966 noch danach hat sich ein Künstler getraut, einen fremden Film neu synchronisieren zu lassen und ihm damit eine völlig neue Bedeutung zuteil werden zu lassen.

Der Plot ist bei What’s Up Tiger Lily? relativ simpel: Ein Herrscher möchte einen Staat namens Ratsematuki gründen. Sein Problem: man kann keinen Staat ohne Eiersalat gründen und das Rezept für den Eiersalat wurde ihm entwendet. Also beauftragt er einen Sexisten, der ihm das Rezept wiederbeschaffen soll. Woody Allens Konzept funktioniert hier leider nur teilweise. Das Großartige ist, dass die absurden und irrsinnigen Dialoge derart gut an die Gestiken und Mimiken der Schauspieler angepasst sind, dass man ihnen stets abnimmt, sie hätten auch in der Originalfassung genau das gesagt, was man nun in der Allen’schen Synchronisation von ihnen hört.

Dem zu Gute kommt auch die Tatsache, dass der japanische Film beinahe als Parodie seiner selbst wirkt und unglaublich schlampig gedreht wurde – man führe sich hierbei nur die Szenen am Ende auf dem Schiff vor Augen, wo deutlich zu erkennen ist, dass sich das Schiff nicht auf dem Wasser befindet, sondern lediglich Poster um das Schiff aufgestellt wurden mit aufgemalten Wellen, die sich natürlich nicht bewegen, da sie nur aufgemalt sind. Es ist ein Film, der immer im Augenblick funktioniert. Man genießt die Dialoge, wenn man nicht über den Gesamtkontext des Films nachdenkt, wenn man sich nur auf das einlässt, was gerade gesagt wird, sich von der Story aber nicht leiten lässt.

Woody Allen hat das Problem selber erkannt (das macht es aber nicht besser), dass der gesamte Film durch die Ansammlung von abstrusen Dialogen derart wirr und konfus wird, dass man der Handlung nicht mehr folgen kann. Als Resultat dessen verliert man nach etwa der Hälfte der ohnehin recht kurzen Laufzeit die Lust an dem ganzen Plot. Sobald der Zuschauer den Film nicht mehr versteht und innerlich aufgibt, ist das Spiel für den Regisseur verloren und Allen kann es auch mit teilweise doch recht flachen Witzen nicht mehr retten.

Es ist ein Frühwerk von Woody Allen, das einige Lacher zu bieten hat und einige originelle Ideen aufweist, so etwa das kurze Interlude mit dem Filmvorführer. Die Dialoge sind passend angelegt, die Witze flach, aber dennoch im Kontext mit den Bildern sehr amüsant, sodass man sich gut unterhalten fühlt. Das ändert sich, sobald man die Handlung nicht mehr zu verstehen beginnt, wofür sich niemand zu schämen braucht. Zu Gute halten muss man Allen hier, dass er wohl kaum durch andere Dialoge das japanische Original hätte verständlicher und logischer werden lassen können, sodass man ihm einfacher hätte folgen können. Trotzdem ermüdet What’s Up Tiger Lily? als abendfüllender Spielfilm, auch wenn es neben der originellen Grundidee einige nette Einfälle gibt, die den Streifen als solchen aber leider nicht retten können.



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