(„Scoop“, directed by Woody Allen, 2006)

Scarlett Johansson stellt männliche Cineasten vor ein Dilemma ungeheuren Ausmaßes, welches schließlich darin münden mag, dass sich Filmliebhaber dazu entscheiden, einen interessanten Film mit der Blondine nicht anzusehen, da die Gefahr besteht, man könne sich beim Anblick von Woody Allens Muse nicht auf die Handlung konzentrieren. Allen war sich der Reize seiner Hauptdarstellerin durchaus bewusst, stattete sie mit einer goldenen Brille aus, um sie naiv wie eine verführerische Lolita erscheinen zu lassen – man kann es Hugh Jackmans Charakter Peter Lyman nicht verdenken, dass er beim Anblick der Journalistikstudentin im roten Badeanzug schwach geworden ist.

Doch genug der Nymphenbeschreibung. Scoop ist von den drei Allen-Filmen mit Johansson (Match Point, Scoop, Vicky Cristina Barcelona) derjenige, welcher bei den Kritikern am schlechtesten ankam. Scoop ist allerdings auch von vollkommen anderer Natur als die übrigen erwähnten Werke, so präsentiert sich Woody Allens Krimikomödie als sehr leichte, sehr humorvolle und auch sehr spannende Screwball-Unterhaltung. Allen selbst (der bislang – bis Midnight in Paris, 2011 – letzte Film, indem der Regisseur selber mitspielte) mimt den Zauberer Sid Waterman, der bei einer seiner Vorführungen die Studentin Sondra (Johansson) kennen lernt. Diese schließt er in seinen Entmaterialisierungskasten, in dem Sondra der kürzlich verstorbene Journalist Joe Strombel (Ian McShane) erscheint und ihr erzählt, der Millionär Peter Lyman (Jackman) sei der gesuchte Tarot-Killer, der in den letzten Wochen mehrere brünette Frauen umgebracht hat. Zusammen mit Sid macht sich die engagierte Sondra auf die Suche nach der Wahrheit, verliebt sich dabei aber in den potentiellen Mörder.

Übernatürliche Elemente wie hier das Erscheinen eines Toten gab es bereits häufiger in Werken des New Yorker Intellektuellen, wie etwa in Alice oder Eine Mitsommernachts-Sexkomödie sowie in diversen Kurzgeschichten. Auch der Einbruch in ein bestimmtes Zimmer mitten auf einer Party ist aus Schmalspurganoven entlehnt. Doch Allen hat aus diesen Ideen einen sehr putzigen Stoff gebastelt und eine sehr clevere Krimikomödie konstruiert, denn wie in allen guten Krimis spielt Allen hier mit dem Zuschauer Ping-Pong. Kaum ist man als Zuschauer davon überzeugt, dass Jackman unschuldig ist, tauchen neue erhärtende Indizien auf, durch die man, ebenso wie Johansson, wieder in Zweifel gerät.

Diese Methode macht es dem Cineasten einfach, mit der blonden Studentin mitzufühlen und sich in ihre Lage zu versetzen. Dem zugute kommt die Chemie zwischen Johansson und Jackman, die von Anfang an stimmt und ein erotisches Knistern in jeder Szene offenbart. Allens One-Liner sind hier – zugegeben – nicht derart stark wie in früheren Filmen. Man denke nur an die Belagerung des Regisseurs zu Beginn und erinnere sich, welchen spritzigen Monolog Woody für Scarlett Johansson hätte schreiben können. Nichtsdestotrotz werden hier zahlreiche erinnerungswürdige Dialoge präsentiert, die den alten Allen-Charme nicht vermissen lassen.

Scoop ist keine anspruchsvolle Komödie, im Gegenteil. Es ist leichte, sehr amüsante Sonntagnachmittag-Unterhaltung, die in ihrer Kurzweiligkeit viel Spaß macht und als Kriminalfall deshalb so gelungen ist, weil Hugh Jackman derart undurchschaubar wie nur möglich ist und vom Drehbuch ständig entlastet wird, nachdem er mit schockierenden Entdeckungen belastet wurde. Charmante Unterhaltung.

Scoop – Der Knüller
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Scoop - Der Knüller
8von 10

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