(„Keep Surfing“ directed by Björn Richie Lob, 2009)

Hinter dem wenig ansprechenden Cover verbergen sich interessante 90 Minuten über das sogenannte Flusssurfen. Wer jetzt sofort an tolle Moves die mit fetziger Musik unterlegt sind denkt, liegt zwar nicht ganz falsch, wird aber überrascht sein, dass es sich hier weniger um einen in dieser Hinsicht klassischen Surffilm sondern im Grunde genommen um eine Dokumentation handelt.

Vor mehr als 30 Jahren wurde in München diese Sportart erfunden und sorgt auch heute noch für schaulustige Passanten wenn diese am Eisbach auf die Surfer treffen, egal ob Sonne oder Schnee. Im Gegensatz zum „herkömmlichen“ Wellenreiten befindet man sich beim Flusssurfen auf einer stehenden Welle, man bewegt sich also nicht mit rasender Geschwindigkeit über den Ozean, sondern man fährt quasi gegen die Welle.
Was als „Brettlfahren“ begann erfreut sich dieser Tage größter Beliebtheit, die Betreiber dieses Sports kann man dabei aber kaum einer bestimmten Gesellschaftsschicht oder Altersgruppe zuordnen, vielmehr brachten die Spots am Eisbach und Co. eine eigene Subkultur hervor.

Der Regisseur und Autor Björn Richie Lob ist selbst Surfer und hat viele Jahre in München damit verbracht seine Skills zu verbessern. Durch diese profunde Kenntnis der Szene gelingt es ihm ohne größere Probleme auch auf persönlicher Ebene bei seinen Kollegen vorzudringen und uns einen kleinen aber durchaus sehenswerten Einblick in deren Leben zu werfen. Der Versuch dem Zuschauer neben den tollen Wasseraufnahmen auch noch einen Teil Surfkultur zu vermitteln gelingt ihm ausgezeichnet. Nie schweift Keep Surfing dabei vom eigentlichen Thema ab, was bei den nahezu besessenen Wellenreitern aber auch gar nicht mögliche wäre 😉 Dass wie schon erwähnt nicht nur wahnsinnige Stunts bei lauter Musik gezeigt werden, macht den Film deshalb auch für Laien wie mich sehr interessant.

Neben Eisbachlegenden wie Dieter Deventer oder Walter Strasser wird z.B. auch noch auf Quirin Rohleder näher eingegangen. Genau wie seine Kollegen hat er mit dem Surfen im Fluss begonnen als einer der wenigen dann aber den Sprung zum Pro geschafft und ist heute für Billabong rund um den Globus unterwegs. Es ist aber vor allem die Lebenseinstellung von Strasser mit der ich meine zugegeben romantisierte Vorstellung des Surfers verbinde. Seine Interviews und sein Verständnis von Freiheit waren für mich die interessantesten Stellen im Film. Wenn er mal gerade nicht surft, baut er heute Didgeridoos auf Sardinien und genießt die Natur.

Keep Surfing ist ein toller Einblick in die Entwicklung einer Sportart die eng mit dem Schrei nach Freiheit, Natur und mehr Raum der Stadtbewohner verwoben ist, weshalb mitunter auch ganz gerne gezeigt wird wie auf staatliche Gesetzte und dessen Exekutive gepfiffen wird. Auf der DVD befinden sich übrigens auch noch ein paar Interviews und ein kurzes Behind the Scenes die mit insgesamt 16 Minuten zwar nicht gerade lange dauern, dafür aber auch erst gar nicht langweiligen können.

Absolut sehenswert, nicht nur für Surffans!

Keep Surfing erscheint am 30. September auf Blu Ray und DVD

Keep Surfing
3.95 (79%) 20 Artikel bewerten

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3 Responses

  1. Parker

    Es ist aber vor allem die Lebenseinstellung von Strasser mit der ich meine zugegeben romantisierte Vorstellung des Surfers verbinde. Seine Interviews und sein Verständnis von Freiheit waren für mich die interessantesten Stellen im Film. Wenn er mal gerade nicht surft, baut er heute Didgeridoos auf Sardinien und genießt die Natur.

    Die ist in der Tat romantisiert 😉 Wenn man sich die Realität anschaut bleibt von Idealvorstellung des Partymenschen der einfach zu viel Soul hat sich ins Babylon-System zu integrieren nicht mehr viel übrig. Die Surfer die ich ich getroffen habe, arbeiten ein halbes Jahr in Scheißjobs ohne Pensions-, Kranken-, oder Unfallversicherung nur um die andere Jahreshälte ihrem geliebten Hobby nachgehn zu können. Die meisten haben nicht viel in der Birne (keine Bildung, nix zu erzählen ausser vom Surfen, zu viel Sonnenstiche) und haben einfach keinen Bock Verantwortung für irgendetwas oder irgendjemand zu übernehmen. Sie sind gewissermaßen in ihrer Jugend steckengeblieben und ziemlich desillusioniert. Damit meine ich diejenigen die für ihr Hobby leben. Die anderen die grade ein bis zwei Wochen im Jahr im Urlaub zum Surfen kommen sind uncool und deshlab nicht erwähnenswert 😉

    Der Film klingt trotzdem interessant, weil ich immer schon mehr über das Flußsurfen wissen wollte. Es soll ja ziemlich unmöglich sein in die kleine Szene reinzukommen, die die paar Spots in Deutschland quasi für sich „gepachtet“ hat.

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    • Candide

      Die Surfer die ich ich getroffen habe, arbeiten ein halbes Jahr in Scheißjobs ohne Pensions-, Kranken-, oder Unfallversicherung nur um die andere Jahreshälte ihrem geliebten Hobby nachgehn zu können. Die meisten haben nicht viel in der Birne (keine Bildung, nix zu erzählen ausser vom Surfen, zu viel Sonnenstiche) und haben einfach keinen Bock Verantwortung für irgendetwas oder irgendjemand zu übernehmen.

      Das zeigt der Film durchaus auch so 🙂
      Quirin „The Pro“ Rohleder erzählt z.B. dass es ihm Anfangs äußerst schwer fiel mal über etwas anderes als Surfen zu sprechen, ernsthaftere Themen konnte er erst wieder zu Hause in München mit Freunden bereden.
      Das mit wenig Grips und in ihrer Jugend stecken geblieben bestätigen übrigens nicht nur Bilder sondern auch einige Interviews.

      Wie geschrieben, es gibt, zumindest bei Keep Surfing, nicht den typischen Surfer. Rein sportlich betrachtet aber hochinteressant was die Frauen und Männer da auf dem Wasser leisten.

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  2. Parker

    Jetzt auch gesehn und fand ihn ganze gut. Der Versuch von Björn Richie Lob einen Film übers Leben und übers Surfen ist zwar teilweise gelungen, gab aber nicht viel Inspirierendes her.

    Im Gegenteil wurde ich in meinem Bild vom Surfer eher bestätigt. Am interresantesten war, der von Candide erwähnte Walter Strasser. Wohl vor allem weil er ein eher untypischer Surfer ist, der nochdazu einen ganz schwierigen Charrakter hat. Sagt schon einiges aus wenn man Kelly Slater verbietet auf „seiner“ Welle zu surfen 😉

    Am positivsten fand ich hingegen den Schluß, der zeigte wie sich der Outlaw aus Californien um seine Kinder kümmert und ihnen sein „Handwerk“ beibringt. Wenigstens einer der kapiert hat worum es im Leben geht.

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