(„Black Dynamite“ directed by Scott Sanders, 2009)

Nicht vor allzu langer Zeit habe ich erst Jackie Brown besprochen, Tarantinos Hommage an das Blaxploitationkino. Scott Sanders und Drehbuchautor/Hauptdarsteller Michael Jai White gehen aber mit Black Dynamite ein ganzes Stück weiter und fabrizieren sogar eine Parodie des Genres, die aber keineswegs respektlos sondern vielmehr authentisch wirkt.

Black Dynamite ist schwarz, muskulös und sexy aber vor allem ist er die Coolness in Person. Seine CIA-Lizenz (zum töten) hat er seit einiger Zeit verloren aber spätestens als die Drogen in seinem Viertel die Überhand gewinnen kehrt er auf die Straße zurück um in ein paar Ärsche zu treten. Gemeinsam mit seinen Bros Bullhorn (Byron Minns) und Cream Corn (Tommy Davidson) und einer politisch, militanten Truppe (angelehnt and die Black Panthers) stellt er sich tapfer gegen das Verbrechen und räumt dabei ohne seinen Afro zu ruinieren Block für Block sauber.

Als schließlich hochkommt dass eine angeblich speziell für die schwarze Gesellschaft konzipierte Superdroge kurz vor ihrer „Markteinführung“ steht, braucht Black Dynamite all seine Spürsinne und sein griechisch, mythologisches Wissen um hinter die Verschwörung zu kommen. Black Dynamite mischt feuchtfröhlich coole Sprüche, Zuhälter, Dealer, Kung-Fu und fette Magnums in einem Topf und wartet mit sehr viel (schwarzen) Humor auf. Spätestens wenn aber beispielsweise Mikrofone im Bild zu sehen sind, wenn der Hauptdarsteller direkt in die Kamera blickt oder wenn Szenen „fälschlicherweise“ in den Endfilm gelandet sind, sollte jedem klar sein dass der Streifen sich selbst nicht allzu ernst nimmt.

Michael Jai White spielt seine Rolle zur Perfektion. Neben seinem ausgezeichneten Overacting, schafft er es auch noch mit Lockerheit so zu spielen als wäre er ein Laie. Zu urkomisch wirkt sein Panther-Kung-Fu-Stil,  zu lächerlich wie er mit zwei 44-Kaliber-Knarren, wild umherfuchtelnd und mit geschlossenen Augen die Gangster niederstreckt und im nächsten Moment eine Uzi-Salve so einfach mir nichts dir nichts wegsteckt. Halt, das stimmt so nicht: ein gebrochener Arm (!) scheint die Folge zu sein, aber die süße, behandelnde Krankenschwester ist schnell erobert und dadurch heilen logischerweise auch die Wunden schneller.

Die einzelnen Figuren fand ich allesamt gut bis sehr gut gelungen, erwähnenswert sind hier vor allem noch Tasty Freeze (Arsenio Hall) oder Bösewicht Fiendish Dr. Wu (Ryan Yuan), dessen Name Programm ist. Der Endkampf mit Präsident Richard Nixon (James McManus) im Weißen Haus steht schlussendlich exemplarisch dafür wie ausgefallen und frech dieses Werk ist. Der Running-Gag „Can you dig it?“ ist omnipräsent und auch der Black-Dynamite-Jingle, der ertönt wenn der Hauptcharakter die Bühne betritt, ist eine der vielen kleinen Feinheiten die den Film zu einem Unikat des zeitgenössischen Kinos machen. Auch der restliche Soundtrack ist passend „cool“ gewählt und tut seinen Dienst.

Gerne wird hier schon mal die Rassistenkarte gespielt aber vor allem jonglieren die Autoren mit ethnischen Vorurteilen. Dass Black Dynamite fünf Frauen gleichzeitig sexuell befriedigt, dabei nicht ins schwitzen gerät und anschließend seine ausgelaugten „Bitches“ alleine im Bett lässt da er das Verbrechen bekämpfen muss, gehört da genauso dazu wie die ständigen Anspielungen auf die Länge des Geschlechtsteils bei Afroamerikanern. Nie wirkt der Film dabei aber per se rassistisch oder anmaßend sondern lediglich herrlich überzogen.

Ein grandioser Beweis dass eine neuzeitliche Komödie nicht notwendigerweise mit einer Romanze verknüpft werden müssen. Black Dynamite ist im Gunde nichts Neues sondern erinnert uns dass Kino damals vielleicht handwerklich schlechter aber wenigstens unterhaltsamer war.

UPDATE anlässlich des Disc-Release:

Dass eine Synchronisierung bei diesem Film einfach nicht funktioniert war von vornherein klar. Da ich aber einen Blick auf die deutsche DVD vor offiziellem Verkaufsstart (02.07) werfen konnte, nutzte ich die Gelegenheit um mir diesen Leckerbissen nochmals anzusehen. Wie erwartet kommen in der Übersetzung viele Gags bei weitem nicht so witzig rüber (oft natürlich auch verschuldet an schwierigen Wortspielchen oder dergleichen) wie im Original und deshalb wirkt Black Dynamite nicht wirklich wie die geniale Parodie, die ich im Hinterkopf hatte, sondern vielmehr wie eine schwache Lachnummer.

Zum Glück kann man den natürlich ebenfalls auf der Disc vorhandenen O-Ton wählen und deutsche Subs, für besseres Verständnis, optional einblenden lassen. Die Extras kommen hingegen größtenteils ohne Untertitelung aus, was mich ehrlich gesagt ein wenig störte, denn wozu dann ein deutsches Release wenn denn die Synchronisierung schon sozusagen unbrauchbar ist? Inhaltlich gefallen die Zugaben dann allerdings sehr. Neben den Autoren kommen auch die wichtigsten Darsteller zu Wort, es wird deutlich wie viel Spaß man am Set hatte und wie fundiert das Blaxploitationwissen der Schreiber denn tatsächlich ist.

Wenn die deutsche Tonfassung wahrlich keine Offenbarung ist, so ist es dafür aber umso lobenswerter, dass Universum Film den Titel auch für den deutschen Sprachraum zugänglich macht. Ob dieser Mut allerdings belohnt wird, bleibt fraglich, schließlich wird in Zeiten der Internetbestellungen gern zum meistens günstigeren UK-Pendant gegriffen. Wer sich übrigens Sorgen über das verhasste FSK-Logo macht: zumindest die DVD-Version hat ein Wendecover, alles andere wäre bei einem solch coolen Frontbild eine Frechheit gewesen.

Black Dynamite
3.8 (76%) 20 Artikel bewerten

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.