(„The Chronicles of Riddick“ directed by David N. Twohy, 2004)

Riddick - Chroniken eines KriegersMit seinem Science-Fiction-Epos Riddick – Chroniken eines Kriegers geht der Filmemacher David N. Twohy in die zweite Runde. Nachdem Pitch Black nahezu das Doppelte seiner Produktionskosten eingespielt hat, durften sich Twohy und Vin Diesel bemüßigt fühlen dem ganzen eine Schippe (dicker) aufzulegen. Mit Pauken und Trompeten kann man sich also nach vier Jahren wieder auf sinnfreie SF-Kost mit einem unverwechselbaren Einzelgänger einstellen, der aufgrund einer Augen-OP auch nachts sieht.

Richard B. Riddick (Vin Diesel) hat sich von seinen beiden Mit-Überlebenden Abu „Imam“ al-Walid (Keith David) und Jack (wir erinnern uns: das Mädchen, das gern Junge wäre) getrennt und versteckt sich auf dem Eisplaneten U.V.6., bis ihn Kopfgeldjäger Toombs (Nick Chinlund) mit einer kleinen Gruppe von Jägern aufspürt. Riddick überwindet die Männer jedoch wie gewohnt im Handumdrehen und bekommt von Toombs heraus, dass der Auftraggeber vom Planeten „Helion Prime“ stammt. Auf Helion erfährt er wiederum, dass das Kopfgeld von Imam und Aereon (Judi Dench), einer Botschafterin vom rätselhaften Volk der Elementals, verhängt wurde, um ihn dazu zu bringen, nach Helion zu kommen. Denn die „Necromonger“, eine religiöse Kriegerkaste um einen halbtoten Anführer, sind auf dem Weg nach Helion, um die aristokratische Bevölkerung zu bekehren und den restlichen Planeten zu zerstören.

Die „Necromonger“ sind auf einem unheiligen Kreuzzug durch das All, um das „Underverse“Dimension, in der die Grenzen zwischen Leben und Tod verschwimmen. Aereon berichtet Riddick von der Legende, derzufolge das vergessene Volk der „Furianer“ das einzige Volk ist, das der Anführer der „Necromonger“, der Lord Marshal (Colm Feore), fürchtet, da eine Prophezeiung vorhersagte, ein „Furianer“ werde ihn dereinst töten. Er ließ daraufhin den Heimatplaneten der „Furianer“ zerstören und jeden furianischen Jungen umbringen, strangulierte sogar einzelne mit ihrer eigenen Nabelschnur. Riddick jedoch überlebte, im Müll versteckt.

Das große Plus des Films ist seine überzeugende Ästhetik. Mit einem weitaus größeren Budget (130 Millionen Dollar) entwirft Twohy eine gotisch anmutende und an H.R. Giger erinnernde Kriegerkaste. Das Design der Bauwerke und Raumschiffe macht einiges her. Doch wen interessiert eine solche visuelle Grandezza bei alle den narrativen Schwächen, die Riddick aufweist. Ein großer Unterschied zu Pitch Black ist der, dass hier eine wilde Mischung aus Mystery und Science-Fiction zusammengerührt wurde, wohingegen Pitch Black richtig „straight“ wirkt. Und während die Handlung in Pitch Black im Großen und Ganzen noch nachvollzogen werden konnte, setzt hier alles aus: der unlogische Abstecher auf den Planeten „Crematoria“, der die Handlung keinen Zentimeter voranbringt, ist nur ein Beispiel.

Ein anderes Beispiel wäre die fehlende Erklärung, warum der Kopfgeldjäger Toombs ungehindert bei den „Necromonger“ vorbeischauen kann. Auch der mystische Mix aus Toten- und Jenseitskult, der etymologisch auf die Nekromanie verweist, also die Leichenschändung, wird nur sehr oberflächlich angekratzt. Die Rasse der „Furianer“ wird viel zu wenig beleuchtet. Daraus hätte man – wenn schon Fantasy dann richtig – viel mehr ausbreiten müssen. Das ganze wird (wenn man sein Hirn abgestellt hat) auch nur dadurch ertragbar, wenn man sich auf Vin Diesel einlässt, der zwar niemals als schauspielerischer Einstein in die Filmgeschichte eingehen wird, aber seine Rolle – wie in Pitch Black – überzeugend gespielt. In den 119 Minuten zeigt uns Twohy ein Wildes Vielerlei (beziehungsweise Einerlei), das atmosphärisch mal mehr an die Underworld– oder an die Blade-Trilogie erinnert, und nicht zu überzeugen vermag.

Einziger Lichtblicke ist die Gestaltung, was aufgrund des hohen Budgets allerdings auch keine Meisterleistung ist. So floppte der Film auch an der Kinokasse und konnte nicht mal seine Produktionskosten abdecken. Um so besser verkauften sich jedoch der zwischen den beiden Spielfilmen angesiedelte Zeichentrickfilm Riddick: Krieger der Finsternis und das Videospiel „The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay“ sowie die Fortsetzung „The Chronicles of Riddick: Assault on Dark Athena“ erschien. Durch den Erfolg im Bereich der Sekundärverwertung haben sich Regisseur und Hauptdarsteller zu einer Fortsetzung der Serie zu einer Trilogie hinreißen lassen, wobei Pitch Black – ähnlich wie bei Herr der Ringe die Hobbit-Vorgeschichte – nicht mitgerechnet ist, sprich: es werden noch zwei weitere Riddick-Teile kommen.

Riddick – Chroniken eines Kriegers
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