(”Apocalypse Nox Redux” directed by Francis Ford Coppola, 1979; Director’s Cut appeard 2001)

Apocalypse Now Redux„Das Grauen und der moralische Terror sind deine Freunde. Falls es nicht so ist, sind sie deine gefürchteten Feinde.“
Mit dieser Logik resümiert Colonel Walter E. Kurtz (Marlon Brando), verehrter Gott-König einer bewaffneten Jüngerschaft, gefürchteter Feind der Vietcong und abtrünniger Soldat der Special Forces über seine blutrünstigen Handlungen und gleichzeitig auch über den ganzen Film. Kurz darauf wird er von seinem Henker Captain Willard (Martin Sheen) mit mehreren Macheten-Hieben hingerichtet. Als symbolisches Pendant blendet der Regisseur immer wieder eine Kuh ein die gerade als Opfertier von der Kurtz-Sekte geschlachtet wird. Untermalt ist diese Szene mit dem Psy-Rock-Song „The End“ der Band „The Doors“. Ein Ende, das von Blut und dramatischen Sinnbildern so überladen ist, dass es schwerfallen würde sich daran zu erinnern, wenn es sich nicht so ins Gedächtnis eingebrannt hätte.
Apokalypse Now Redux – die 202 minütige Director’s-Cut Version des 1979 erschienen Meisterwerks – ist definitiv kein Film für das Nervenkostüm des durchschnittlichen Blockbuster-Konsumenten. Bildgewaltig und mit fesselnder Filmmusik zeichnet Francis Ford Coppola eine Odyssee die zwar als Kulisse den Vietnamkrieg hat, sich aber um die Abgründe der menschlichen Seele dreht. Die einzelnen Szenen zu beschreiben wäre nicht nur sinnlos (und können woanders nachgelesen werden), sondern auch ein fruchtloses Unterfangen, weil sich deren Bedeutung gar nicht oder nur plump in Worte kleiden lassen. Der Film kann nur als Ganzes „erfasst“ werden, was sich für viele Menschen als offenbar zu schwierig erweist (die Meisten meiner Mitzuseher sind entweder vor dem Ende eingeschlafen oder waren danach zu genervt um darüber zu reflektieren). Ich habe ihn 2001 im Kino durchgestanden, und seit dem auch nicht immer in einem Schwung geschafft, obwohl es weh tut den „Stop“-Button zu drücken, denn ein Einstieg in die Gefühls- und Gedankenwelt ist nach einer längeren Pause unmöglich. Trotzdem skiziere ich hier zur Vollständigkeit kurz den Plot:
US Army Captain Willard der schon mehrere Sondereinsätze unter strengster Geheimhaltung durchführen musste wird damit beauftragt Colonel Walter E. Kurtz zu auszuschalten, weil dieser sich dem Kommando der Streitkräfte entzogen und in den Dschungel von Kambodscha abgesetzt hat um von dort aus seine eigene Art der Kriegsführung zu betreiben (zudem ist der Colonel des Mordes an 3 Süd-Vietnamesischen Geheimagenten angeklagt). Dazu muss sich Willard von einem Patrouillenboot der Navy auf dem Mekong bis nach Kambodscha schiffen lassen, wo offiziell ja kein Operationsgebiet der US Army ist. Die erbittert umkämpfte Do-Lung Bücke als letzte Stellung der Amerikaner ist eine Art Point-Of-No-Return an dem Kommandant ‚Chief‘ Phillips (Albert Hall) der das Boot lenkt Captain Willard davon abbringen will seinen Auftrag fortzusetzen. Willard der bis dahin schon einen Großteil der Geheimakte über Kurts gelesen hat weicht jedoch nicht von seinem Ziel ab. Bis zur Schlussszene spitzt sich die Handlung nun immer mehr auf den Endkampf zu im dem sich die zwei Soldaten Willard und Kurtz gegenüberstehen.
Der wahnsinnige, selbstgerechte Colonel zu dem Willard fragend, fast bewundernd aufblickt, wird zu einem Prüfstein für dessen zerrissene und vom kämpfen ermattete Seele. Auch er hält den Großteil der US Army für einen Haufen Dilettanten die sich mehr mit Porno-Magazinen, Drogen und Rock’n’Roll beschäftigen als mit „Charlie“. Beide sind sich einig das der Krieg durch eine schlagkräftige, gut ausgebildete und motivierte Truppe mit ein Drittel der Streitkräfte gewonnen werden könnte.
Apocalypse Now ist weder an politischen noch militärischen Hintergründen des Vietnamkrieges interessiert. Der Film lebt von seinen absurden Charakteren und Handlungssträngen (Die Sätze „Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen“ und „Charly surft nicht!“ von Colonel Kilgore [Robert Duvall] sind legendär) und die durch die Bilder und Musik erzeugte, teils psychedelische Atmosphäre. Diese Darstellung des Krieges ist er sicher nicht jedem Zuseher vorbehaltlos zu empfehlen. Keines Wegs möchte ich mich dem Lobgesang der Redaktion der ZEIT anschließen die meinte: „Nach ihm dürfte es eigentlich keine anderen Kriegsfilme mehr geben.“
Denn um Krieg geht es in dem Film nur vordergründig. Von Anfang an wird der Zuseher mit essentielle Fragen über Moral und Verantwortung konfrontiert und in die kranken Welt der Handlungsträger hineingerissen, in der Begriffe wie Gerechtigkeit und Wahrheit nicht mal ein zynisches Lächeln verursachen können. Da treffen manche Aussagen des anfangs dämonisch wirkenden Walter E. Kurtz direkt durch die überforderten Gehirnwindungen ins Herz und entzünden dort ein kurzes, wärmendes Gefühl der Zufriedenheit, das aber bald wieder durch den alles beherrschenden Wahnsinn erstickt wird. Der Sinn bleibt auf der Strecke, da Kurtz wie Anfangs erwähnt am Ende einem Opfertier gleicht, das sich freiwillig in die Lage gebracht hat und von der Militärführung dazu auserkoren wurde um eine Scheinmoral aufrechtzuerhalten die am Ende schon total in sich zusammengebrochen ist. Captain Willard der von Kurtz noch als „Laufbursche“ bezeichnet wird erweist sich letztendlich doch als nervenstärkste Persönlichkeit, die es irgendwie geschafft hat den Ausgang dieser Hölle nicht aus den Augen zu verlieren. Der Sinn bleibt wie gesagt auf der Strecke, doch welcher gute Anti-Kriegsfilm lässt am Ende noch eine Frage nach dem Sinn des Krieges zu? Apokalypse Now geht hier vielleicht noch einen Schritt weiter und so erkennt der geduldige Zuseher am Ende wie treffend der Titel gewählt wurde.
Apokalypse Now wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Oscar für den besten Ton und die beste Kamera, und ist mit Sicherheit ein künstlerisch bedeutsamer Film, der andere Antikriegsfilme (sogar „Full Metal Jacket“) in mehrerlei Hinsicht in den Schatten stellt. Dennoch halte ich ihn nicht für geeignet um sich mit dem Thema Krieg an sich zu befassen und schon gar nicht wenn man ein Action-Movie im Sinn hat. Die FSK 16 finde ich durchaus angebracht und Menschen mit einem leichten Gemüth werden ihn ohnehin nicht zu Ende sehn können.

Apocalypse Now (Redux)
4.18 (83.64%) 22 Artikel bewerten

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http://www.youtube.com/watch?v=Tn0_MWsyn7A&feature=fvw

10 Responses

  1. Candide

    Ein Film der schon längst hier stehen sollte aber auch ich habe ihn seit der Redux DVD-Veröffentlichung nicht mehr gesehen.
    Ich stimme mit dir überein dass die Sinnlosigkeit und der Wahnsinn die du im Review ansprichst, Dreh und Angelpunkt des Ganzen sind. Dass ihn nicht jeder ansehen sollte bzw. „gut“ finden wird ist auch klar, bei meinen Mitzuseher war das nicht viel anders. Ich würde allerdings schon sagen dass der Krieg an sich großes Gewicht einnimmt. Damit meine ich weniger den eigentlichen Vietnamkrieg den Coppola als Szenario gewählt hat, sondern politische, oder einfacher gesagt menschliche Konflikte eher allgemein. Schließlich zeigt uns doch genau diese nervenzehrende und oft surreal wirkende Odyssee die Perversität des Krieges am besten. Insofern macht für mich „Apocalypse Now“ definitiv Sinn.

    Übrigens: Ich kann mich noch erinnern, dass ich selbst auch damit zu kämpfen hatte meine Gedanken zu fokussieren und nicht die Konzentration zu fokussieren. Auf keinen Fall leichte Kost.

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  2. Parker

    Ich denke um einen Anti-Kriegsfilm zu sehen muss man sich nicht 202 Minuten Pychoshow reinziehn. Dazu reichen Klassiker wie „Die Brücke“ oder „Im Westen Nichts Neues“. Das sind Filme die ich meinen Kindern im Alter zwischen 14-16 zeigen würde um sie die Sinnlosigkeit und die Schrecken des Krieges zu lehren.

    A.N. ist geht meiner Meinung nach über die realistische Darstellung eines gewaltsamen Konfliktes hinaus. Der Zuschauer wird in Existenzfragen hineingerissen und direkt provoziert sich mit dem Wahnsinn des Dargestellten anzufreunden, was extreme Reaktionen in ihm hervorufen kann. Wie beschrieben hat Kurtz mit vielen Aussagen ja recht. Auch Willard hat bis zu einem Teil recht und handelt „logisch“.

    Problematisch sehe ich – neben ein paar anderen Szenen – vor allem den Schluss, der von vielen sicher nicht verstanden wird, aber im Unterbewusstsein dennoch Reaktionen hervorruft. Man hat Mitleid mit dem Colonel, der sich einerseits die Schmerzen der Welt aufgelastet hat und nun getötet wird wegen etwas für das er nach der „Logik“ des Films eigentlich nicht belangt werden kann, und doch erwartet er es fast sehnsüchtig. Haben die Generäle Willard geschickt um sich „besser“ zu fühlen, nach all dem Blut das auf ihren Fingern klebt und all den dreckigen Lügen die sie um jeden Preis aufrechterhalten? Der Film suggeriert zumindest das Kurtz ein Opfertier darstellt. Willard weis das, weis aber auch, dass er den Colonel auschalten muss um seinem eigenen Leben überhaupt eine Berechtigung zu geben. Er existiert nur noch für den Krieg, das gibt er Anfangs selbst zu.

    Das der Krieg leicht zum Selbstzweck mutieren kann, oder oft auch einfach zum Selbstzweck geschaffen wurde kann man auch anders darstellen. Dazu braucht es keine psychodelische Aura und Szenen in denen religiöse Handlungen vorkommen. Es braucht auch nicht unbedingt Playboybunnies und surfende Cowboys. Da gleitet der Film eindeutig in einen Surrealismus ab der in einem Anti-Kriegsfilm nicht unbedingt sein muss und vielleicht auch gar nicht sein soll.

    Und um menschliche Konflikte darzustellen braucht es A.N. auch nicht. Mit Politik hat der Film sowieso kaum etwas zu tun, ausser das er sie ins Lächerliche zieht.

    A.N. stellt für mich fast ein eigenes Genre dar.

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  3. Inspector Santini

    Um die Schrecken und Sinnlosigkeit von Kriegen zu lehren brauch es keine fiktiven Filme, man sollte einfach nur mal „unzensiert“ das Material von Kriegsbericherstattern zeigen ( ein ganz wichtiger Grund für das Endes des Vietnam-Kriegs) aber das wird ja heute von den Militärs dieser Welt (aus offensichtlichen Gründen) verhindert….just my two cents.
    Was man zu „Apocalypse Now“ unbedingt noch erwähnen muss ist das es sich bei dem Film um eine Adaption von Joseph Conrads Novelle „Heart of Darkness“ handelt. Eigentlich verlegt Coppola die Geschichte nur vom Kongo der Kolonialzeit ins kriegsgeplagte Vietnam…sonst gibt es kaum Veränderungen.
    Ach ja, die surfenden Soldaten und die Playboybunnies wurden nicht zur Steigerung des Surrealismus in den Film genommen..da handelt es sich nämlich um Tatsachen, die einfach nur zeigen wie absurd der Vietnam-Krieg eigentlich war.

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  4. Parker

    Naja, in einem Film kann man eben sehr gut Zusammenhänge und Hintergründe erklären. Ausserdem glaube ich wirkt es mehr wenn ein Mensch stirbt von dem man die Geschichte kennt, auch wenn es nur ein Charrakter aus einem Spielfilm ist. Eine spannnende Story die gut umgesetzt ist fesselt den Zuschauer und die Moral brennt sich im Gedächtnis ein. Eine Doku muss schon sehr spannnend gemacht sein, dass sie ein durchschnittlicher 14 Jähriger bis zum Ende durchsteht. Ausserdem finde ich es nicht sehr lehrreich nur schockierende Bilder zu zeigen, zumal eine Splatterszene in einem Film wesentlich schockierender sein kann als reale Aufnahmen. Aber wie gesagt halte ich Abschreckung allein für nicht hilfreich. Kein Mensch sollte ausserdem echte Tötungen oder Verstümmelungen sehen müssen, schon gar nicht Kinder.

    Hab überlegt ob ich die Info mit der Novelle einbauen sollte, aber da ich sie nicht gelesen habe, hab ichs gelassen. Ausserdem ist das eh in Wikipedia nachzulesen. Danke trotzdem für den Einwurf.

    Zu den Surfen und Playmates: Das wusste ich nicht direkt (hab keine Berichte avon gelesen) aber ich weis, dass die US-Army sehr viel tut um ihre Soldaten im Einsatz bei Laune zu halten. In Vietnam wurde da bei weitem noch nicht so viel investiert wie heute.
    Trotzdem halte ich die Darstellung in A.N. für überzogen und sie steigert den surrealen Grundton. Nein, kein Vollidiot surft unter Granatbeschuss und die Szene mit den gestrandeten Playmates kam höchsten in einem feuchten G-I Traum vor.

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  5. Inspector Santini

    Der Film der auch nur annähernd die Apocalypse-Krieg wiedergibt muss noch gemacht werden,dagegen sind die Bilder der Kriegsinvaliden des 1. Weltkriegs, das Filmmaterial vom Russlandfeldzug im 2.Weltkrieg und den KZ’s sowie die diversen Aufnahmen vom Balkankrieg und vom Genozid in Ruanda gesehen hat..einfach nur zutieft verstörend… die Bilder oder Filme sprechen für sich. Bedenke das eine kurze Sequenz von einem kleinen Mädchen den Vietnam-Krieg quasi beendet hat, danach gab es keinen Rückhalt mehr in der Weltöffentlichkeit für diesen Krieg. Filme haben einfach das Problem das sie die Realität verzerrt wiedergeben und meist noch irgendwie moralisch daherkommen (im Krieg gibt es keine Moral, höchstens Menschlichkeit und Erbarmmen) ..oft sind sie auch einfach historischer Bullshit wie diverse US-Filme. Kleine Kinder sollten *imho* sowieso keine Kriegsfilme sehen aber ich denke Jugendliche kann man durchaus mit Bildern von Kriegen konfrontieren, sonst bleibt das Thema Krieg und Tod einfach viel zu abstrakt.
    Ach ja, „Vollidiot“ der unter einem post-traumatischen-Stress-Syndrom leidet macht sich aus abgeschnitten Ohren eine schöne Kette, spielt in seiner Freizeit Russisch-Roulette und geht surfen wenn seine Jungs ihm mit Granaten eine Welle basteln…Wenn eine Regierung so pervers ist 19Jährige Bengel in einen Dschungel-Krieg zu schicken wird sie bestimmt auch ein paar Möchtegern-Playmates auftreiben um sie bei Laune zu halten.

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  6. Parker

    Ich bezweifle, dass allein diese Szene (Falls du die verbrannten Kinder die aus dem Dorf flüchten meinst) den Vietnamkrieg beendet hat. Die Abu-Graib Fotos und die Berichte und Youtube-Filme über wahlose Ermordungen durch US-Soldaten und Söldner beenden den Irakkrieg auch nicht. Der Vietnamkrieg war im Großen und Ganzen ein verlustreiches Desaster für die US-Armee und natürlich ein Imageverlust in der Presse (unter anderem herbeigeführt durch die 68er Demos). Irgendwann geht die Kosten-Nutzen-Rechnug nicht mehr auf und wenn das alle Entscheidungsträger erkannt haben wird erst der Rückzug bekannt gegeben. Nicht wegen eines Fotos mit dem sich die Presse nachher brüstet.

    Und ja ich kenne grauenhafte Originalfotos und Filme. Ich habe auch in Auschwitz die Berge von abgeschnittenen Mädchen-Zöpfen gesehn, die nachher zu Socken für die Soldaten an der Front verarbeitet werden sollten. Ich habe mir dabei die Augen aus dem Kopf geheult.

    Ja der Krieg zeigt den Menschen wie er ist, und das ist leider erbärmlicher als man es sich eingestehn will. Aber warum sollte ich mich selbst diesem Zustand aussetzen und sei es nur durch Bilder, Filme oder fiktive Stories wie A.N.? Sollte es jemals so weit kommen werde ich mir selbst meiner Grenzen bewusst werden. Bis dahin kann ich versuchen meine Kinder gut zu erziehen und meinen Mitmenschen ein Vorbild zu sein. Demoralisierung durch Elendstourismus hilft der Welt kein bisschen weiter.

    Zum surfen unter Granatbeschuss: Im Stress und vor allem unter Drogen (ja ein Großteil der Soldaten war ständig high, viele auf LSD) kann man viele Dinge tun bei denen man sich sonst die Hose vollscheißen würde, aber dennoch ist diese Szene absolut überzogen dargestellt. Playmates waren auch sicher in Vietnam und warscheinlich sogar echte, aber ihr Manager würde sie trotzdem nicht für ein paar Fässer Treibstoff auf den Strich schicken, schon gar nicht zu ein paar Soldaten die möglicherweise mit Krankheiten infiziert sind, auf Drogen sind oder sich seit Wochen nicht gewaschen haben. Dazu sind diese Mädchen zu wertvoll. Für diese Bedürftnisse der Marines haben sich genug einheimische Frauen verkauft, und weis ich wie viele sind vergewaltigt worden.

    Der Film ist und bleibt an gewissen Stellen sinnlos übertriebene Fiktion, auch wenn ich Francis Ford Copolla und alle die an dem Film mitgewirkt haben für ihr Werk bewundere. Der Film hat seine Berechtigung, er ist brilliant, aber dennoch würde ich ihn nie jemand vorbehaltlos empfehlen.

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  7. Inspector Santini

    Nun ja, also meine Meinung ist das die Kriegsberichterstattung eine wichtige Funktion hat und Vietnam ist dafür das beste Beispiel. Reporter konnten damals noch umittelbar und ohne Einschränkung den Kriegsverlauf beobachten und dokumentieren, erst durch diese Bilder flammte ja der Protest in der breiten Öffentlichkeit auf – und zwar nicht nur bei Intellektuellen, Bürgerrechtlern und Studenten, sondern auch beim typischen Biedermann. Die armen Teufel die in Vietnam ihren Kopf hingehalten hatten wurden bei ihrer Heimkehr als Mörder bespuckt…
    Wenn ein Krieg in der Heimat keinen moralischen Rückhalt mehr hat kann man ihn getrosst als verloren betrachten. Ehrlich gesagt halte ich die Kosten und Verluste nur für einen untergeordneten Grund des Rückzuges der US-Armee aus Vietnam…Krieg finanziert sich durch Krieg, die C.I.A hatte zu der Zeit eine ihrer Hochphasen und konnte praktisch machen was es wollte, Rüstungsbetriebe konnten ihre Waffen und Kampstoffe vor Ort testen. Zu den Verlusten: die sind – pardon klingt makaber- gar nicht so hoch gewesen und gar kein Verglaich zu anderen Kriegen ( z.B Irak-Krieg) und den Verlusten der Nord-Vietnamesen. Der gemeine US-Soldat kam doch zu 90% gar nicht aus seinen Lagern raus und hat den „Feind“ nie gesehen.
    Aus den „Fehlern“ des Vietnamkriegs haben die Militärs aber gelernt, seitdem wird jeder Reporter an der kurzen Leihne gehalten und sein Material wird zensiert, deshalb gibt es auch keine Bilder von Gräueltaten mehr sondern nur noch Bilder von Tomahawks, Flugzeugträgern etc. Ich persönlich halte auch nichts von Sensationsgeilheit und möchte auch keine Bilder von sterbenden Menschen sehen ( mit Grauen erinner ich mich an die Bilder vom Massaker von Srebrenica) aber ein Spielfilm kann und darf die Arbeit von Kriegsberichterstattern nicht ersetzten – es geht hier nämlich um die Wahrheit –
    Ich denke auch nicht das man seine Kinder durch Erziehung oder eine Vorbildfunktion vor dem Krieg schützen oder sie darauf vorbereiten kann, man kann nur hoffen das es nicht wieder zu einem Krieg kommt. Natürlich gibt es immer Sadisten die ihren Spaß am Krieg haben aber überleg mal in welchen Gewissenskonflikt der einfache deutsche Landser geraten ist als er von einem SS-Offizier in ein Erschiessungskommando eingeteillt wurde, wie soll man darauf einen Menschen vorbereiten. Der Krieg ist noch surrealer, schrecklicher und absurder als „Apocalypse Now“. Peace!!

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  8. Parker

    Wie hoch die Zahl der Gefallenen und Verwundeten im Vietnamkrieg war weis ich nicht, bin auch kein Vietnamkrieg-Experte. Ich habe aber auch mal irgendwo gelesen, dass die meisten Leute an Tropenkrankheiten gestorben sind oder deswegen zurück nach Hause geschickt wurden. Bei direktem Feindkontakt dürften die Amis den Vietkong jedoch unterlegen gewesen sein, selbst die Agent-Orange und Napalm halfen nix, weil sich „Charly“ in unterirdischen Bunkern und Tunnelnetzen verschanzt hat. Wie gesagt, ich bin kein Experte aber ich glaube der Vietnamkrieg hat einen ziemlich Dämpfer für das Ego der US-Militärs bedeutet. Da es keine Ölquellen oder sonstige Recourcen in dem Land gibt, hatte dieser 30 Jahre andauernde Konflikt, trotz Weiterentwicklung von Waffen und Militärstrategien meiner Einschätzung nach der USA mehr gekostet als eingebracht. Hab da keine Zahlen dazu, aber allein die Anzahl der Bomben gibt mit zu verstehen, dass vielleicht einige Eliten, Aktienbesitzer und Konzerne daran verdient haben, aber das die amerikanische Volkswirtschaft im Gesammten sicher Einbußen durch den Krieg erlitten hat. Vielleicht kann mich aber in diesem Punkt jemand vom Gegenteil überzeugen.

    Inspector Santini :
    aber ein Spielfilm kann und darf die Arbeit von Kriegsberichterstattern nicht ersetzten – es geht hier nämlich um die Wahrheit –
    Ich denke auch nicht das man seine Kinder durch Erziehung oder eine Vorbildfunktion vor dem Krieg schützen oder sie darauf vorbereiten kann, man kann nur hoffen das es nicht wieder zu einem Krieg kommt. Natürlich gibt es immer Sadisten die ihren Spaß am Krieg haben aber überleg mal in welchen Gewissenskonflikt der einfache deutsche Landser geraten ist als er von einem SS-Offizier in ein Erschiessungskommando eingeteillt wurde, wie soll man darauf einen Menschen vorbereiten. Der Krieg ist noch surrealer, schrecklicher und absurder als “Apocalypse Now”. Peace!!

    Nun ja, um die reine Wahrheit geht es doch bei Berichterstattung doch oft kaum. Ereigneisse werden absichtlich verzerrt dargestellt, aufgeblasen oder gleich erfunden. Das Grundkonzept der Medien: Schlachte Nachrichten sind die besten Nachrichten (=verkaufen sich besser)! Deshlab wird bei jeder Demo von verrückten Fundis die Kamerea voll drauf gehalten und mindestens eine brennende US-Flagge gezeigt, damit nachher verkündet werden kann die „Massen“ wären gegen dies und das auf die Straßen gegangen. Das die Mehrheit zu Hause gessen ist, gerade von der Moschee nach Hause gegangen ist oder simple von den Demonstranten am Weitergehen gehindert wurde wird nicht erwähnt denn es muss ja ein Feindbild aufrecht erhalten werden. Soviel zur Wahrheit in den Medien. Linke Medien sind da oft nicht besser.

    Ein letztes Wort zur Erziehung: Meiner Meinung nach sollten wir nicht hoffen, dass es nie wieder zu einem Krieg kommt, sondern wir sollten etwas dafür tun. Nämlich unsere Kinder zu denkenden, verantwortungsbewussten Menschen mit einem liebenden Herz erziehen damit sie erkennen wenn wieder mal ein Wahnsinniger eine „Endlösung“ parat hat. Da sehe ich übrigens auch die Verantwortung am „normalen“ Deutschen am II.WK und dem Holocaust. Viele haben erkannt, dass Hitler ein Massenmörder war aber die meisten haben sich einlullen lassen. Klar war Arbeitslosigkeit und vielerort Hunger aber man hat die Hoffnung definitiv auf das falsche Pferd gesetzt. Wenn das normale Bürger und übrigens auch viele Militärs erkannt haben (nicht nur Stauffenberg) dann hätten es alle erkennen müssen.
    Ich halte auch wenig davon die deutsche Wehrmacht freizusprechen und alle Greuel der SS zuzuschieben, denn die Wehrmacht war bei ihren Vorstößen auch nicht zimperlich und musste vielfach erkannt haben, dass ihr Handeln eigentlich keine legale Grundlage hatte. Das zu besprechen sprengt aber sicher den Rahmen dieses blogs, und ehrlich gesagt hab ich dazu schon eine recht unumstößliche Meinung.

    Mein Punkt: Nicht sebstgerecht sein und alles auf den bösen Feind schieben, sondern selbst die Veränderung sein die man sehen will. Krieg kann man vielleicht nicht verhindern, heute noch viel weniger als vor 100 Jahren aber man kann zumindest nicht mitmachen bzw. seine Kinder weise erziehen.

    Weise erziehen heißt für mich auch, dass ich sie nicht jeden Film vorbehaltlos ansehen lasse und extreme Filme mit ihnen bespreche damit sie das nicht allein verarbeiten müssen. A.N. wäre definitv so ein Film.

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  9. Inspector Santini

    Zum Vietnam-Krieg ist von meiner Seite alles gesagt worden.Wir beide sind keine Militär-Historiker und könnten uns noch die ganze Zeit irgendwelche „Fakten“ um die Ohren hauen. Ich denke wir sind uns in dem Punkt einig das der Vietnan-Krieg ein, besonders für die Zivilbevölkerung, schrecklicher Krieg war und am Ende eine ganze Region ins Chaos gestürzt hat.

    Zum Thema Medien:
    Ich kann deinen Medien-Pessimismus nicht wirklich teilen. Man muss hier nämlich ganz klar zwischen „Fox News“- und „AP“-Journalismus unterscheiden.
    Ein „AP“-Kriegsberichterstatter der sein Leben aufs Spiel setzt, fühlt sich in der Regel seinem Berufsethos und nicht dem profitabelen, großen „Scoop“ verpflichtet. Natürlich wird in gewissen Medien manipuliert was das Zeug hält aber
    das sollte doch nicht einen ganzen Berufsstand in den Dreck ziehen.

    Deine Meinungen zum 2.Weltrieg, Schuld und Erziehung halte ich im Kern für edel aber irgendwo auch leicht – pardon!- borniert und naiv.
    Ich habe großen Respekt vor Carl von Ossietzky, den Scholl-Geschwistern und allen aktiven Regime-Gegnern des 3.Reichs aber diesen „Heldenmut“ kann sich nicht jeder leisten und man kann ihn auch von keinem erwarten. Die „kollektive Schuld“ betrifft*imho*nämlich die komplette Weltöffentlichkeit,die es zugelassen hat das nach der „Urkatastrophe des 20.Jahrhunderts“ eine ganze Nation im Chaos versunken ist um danach einer „Verbrecherbande“ bei der Regimeübernahme zuzuschauen. Dazu kommt das sich in jedem ost wie west-europäischen Land genügend Mittäter ausmachen lassen.
    Ach ja, welche Schuld trifft bitte meine Großmutter, die als 14-jähriges Bauernmädchen ins tiefste Russland deportiert worden ist und sich fünf lange Jahre -auf sich alleine gestellt- in einem Gulag fast zu Tode schuften durfte ?! Welche Erziehung hätte dieses Mädchen auf Vergewaltigung, Hunger und Angst vorbereiten können ? Dieses Mädchen trifft die gleiche Schuld wie einen kleinen Jungen im Warschauer Ghetto.

    Zu meinem Soldaten-Verleich: Es ging mir nicht darum die Kriegsverbrechen der Wehrmacht zu relativieren, genauswenig wollte ich die Verbrechen alleinig der SS in die Schuhe schieben ( nicht jeder Angehöriger der SS war ein glühender Faschist oder Mörder ) . Aber wir beide wissen doch was es unter damaligen Umständen beudeutet hätte einen Befehl zu verweigern oder zu desertieren…natürlich gab es ,in der Wehrmacht und SS, auch genug Sadisten und Psychopathen die sich freiwillig zu solchen Gräueltaten gemeldet haben, aber welcher normale Mensch tötet denn aus freiem Willen Menschen? Ich persönlich möchte nicht moralisch ,vom hohen Ross aus, über die Soldaten des 2.Weltkriegs urteilen…weder über den einfachen deutschen Landser noch über den einfachen Soldaten der Roten Armee. Das wäre meines Erachtens nach einfach anmassend, diese Menschen hatten zum Großteil keine Wahl ausser „do or die“. Wer sich zwischen Befehl und Gehorsam , angesichts dieser extremen menschlichen Verrohung, nicht seine Menschlichkeit und sein Erbarmmen nehmen liess, dem gehört meine Hochachtung….

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  10. Parker

    Zum Journalismus: Den „Ehrenkodex“ haben vielleich einige, aber im Endeffekt wird nix gedruckt, das der Blattlinie wiederspricht. Einige glauben das Web2.0 eine Revolution hervorufen wird und sich auch die großen Medien endlich auf die Wahrheit besinnen oder bankrott gehen, aber das halte ich für ein Illusion. Ok, nenn mich in dem Fall einen Pessimist.

    Zum Krieg: Ich bin sicher niemand der den Gulag oder die Greuel der Roten Armee relativiert. Mein Großvater war übrigens bei der SS und seine Story wurde auch immer schöngeredet. Wo wir wieder bei der „Wahrheit“ wären, die letztendlich von Gefühlen und vom eigenen Weltbild (oft Lügengebilde) abhängig ist. Mehr will ich dazu nicht sagen, weil ich nicht glaube, dass dieses Gespräch zu etwas führt. Es ist einfach ein zu emotionales Thema fürs Internet.

    Ich urteile nicht über die Soldaten des II.WK. Ich sage aber auch nicht das alle eigentlich nur ihren Umständen gefangen waren. Die Meisten waren einfach von der Progaganda verblendet oder wollten ihre Familie schützen (und ernären). Deshalb schießt der Begriff „Zivilcourage“ wohl bei einem Großteil der Deutschen am Ziel vorbei. Dennoch bin ich mir sicher, dass Feigheit und falscher Stolz oft der Grund war warum viele mitgemacht haben und sich bis heute weigern ihre Fehler einzugestehn. Hitlers tolle Autobahn und die vielen guten Arbeitsplätze in der Waffenindustrie … wir kennen die Geschichten.

    Wie dem auch sei … Ich bin nicht hier um geschichtliche oder politische Debatten zu führen.
    Sorry wenn ich jemand zu nahe getreten bin. Ich bin auch nicht unfehlbar.

    Das Thema ist für mich abgehackt, ausser jemand hat noch einen Kommentar zum Film selbst.

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