(„The Fountain“ directed by Darren Aronofsky, 2006)

The FountainEs dauert nicht mehr lange bis „The Wrestler“ auch in den hiesigen Kinos anlaufen wird, deshalb fand ich es mehr als angebracht Darren Aronofkys letzten Geniestreich erstmals zu sichten. Bisher hatte ich unterschiedliche Meinungen zu „The Fountain“ gelesen und somit ging ich eigentlich recht neutral an die 96 Minuten Laufzeit heran.
Isabel „Izzy“ Creo (Rachel Weisz) ist krank, schwer krank. Sie leidet an einem Gehirntumor und könnte jeden Moment sterben. Ihr Ehemann Tommy (Hugh Jackmann) ist ein erfolgreicher Arzt und arbeitet verständlicherweise wie ein Besessener an eine Heilung. An Versuchstieren testet er Tag und Nacht diverse Medikamente und Therapien die er gemeinsam mit seiner Crew entwickelt. Die neuste Entdeckung enthält eine Substanz aus Mittelamerika, die den alten Mayas bereits bekannt war und scheint tatsächlich eine Wirkung zu zeigen.
Während ihr Mann keine Sekunde vergeuden möchte, sehnt sich Izzy danach mit ihm etwas zu unternehmen. Sie hat sich mittlerweile mit ihrer Situation abgefunden und fürchtet den Tod auch gar nicht mehr sondern sieht ihn als eine Art Erlösung, ja Auferstehung. Sie vertreibt sich die Zeit indem sie an ihrem Buch weiterarbeitet, das die Geschichte von einem spanischen Konquistador erzählt der im tiefen Amazonas im Auftrag seiner Königin nach einer heilbringenden Substanz sucht. Es ist die Zeit der Inquisition und Spanien wird unter dem Großinquisitor (Stephen McHattie) von einer Welle der Brutalität und Grausamkeit aufgesucht. Die Krone hat keine Kontrolle mehr über die Kirche und ihre dunklen Machenschaften, nur der tapfere Konquistador kann noch mit dem erfüllen seiner Mission die Rettung bringen.
Genau wie Tommy gerät der spanische Feldherr in ein Labyrinth das in fast wahnsinnig macht und seine Mitstreiter nach und nach umbringt bzw. resignieren lässt. Da der Zuschauer beide Storylines – die Jetztzeit und die fiktive im Spätmittelalter – verfolgen darf, vermischt sich Realität und Phantasie zunehmest und man wird Gast einer fantastischen, atemberaubenden Reise ins tiefe innere der Charaktere.
Grundlegend dürfte hier wohl der christliche Glaube oder zumindest die heilige Schrift sein, die nicht nur mehr als einmal symbolisiert sondern auch direkt angesprochen wird. Aronofky spielt mit dem Bild des himmlischen Eden. Vor allem basiert seine Story aber auf die dort vorkommenden Bäume, den Baum der Erkenntnis und den Baum des Lebens.
Izzy hat sich bereits total ihrem Glauben hingegeben und weiß, dass sie in Form des Baumes des Lebens wiedererblühen wird, Tommy hingegen versucht sich immer noch an das weltliche festzuhalten. Er betrachtet den Tod lediglich als eine Krankheit unter vielen, die es gilt zu heilen. Er spielt hingegen Gott und verhält sich äußert arrogant, obwohl Izzy nichts lieber täte, als mit ihm den Neuschnee ein letztes mal zu genießen. Sie weiß im tiefsten Inneren, dass sie immer mit ihrem Mann verbunden sein wird, egal welchen Status ihr physischer Körper haben wird, doch Tommy lässt sich nicht abbringen. Er ist wie wild davon besessen seine Frau vor dem sicheren Tod zu retten, dass er sogar den Ehering verliert und ihn nicht wiederfindet, ein starkes Symbol das im Film immer und immer wieder vorkommen wird. Es ist übrigens bestimmt kein Zufall, dass Tommys Name derselbe wie der vom „ungläubigen Thomas“ – einem Jünger Jesu – ist. Im Wettlauf um die Zeit scheitert Tommy schließlich kläglich doch damit ist eigentlich nicht das Ende sondern im Prinzip aller Anfang erreicht.
Darren Aronofsky liefert hier ein äußerst intelligentes Werk ab, das auf diversen Ebenen spielt die er nach und nach geschickt ineinander verwebt. Dass der Film eine religiöse Botschaft enthält wird wohl kaum jemand leugnen können, was uns Aronofsky damit sagen möchte sollte sich aber wohl jeder für sich selbst überlegen.
Atheisten oder Fundamentalisten einer anderen Religion sollten sich übrigens nicht von meinen Worten abschrecken lassen, denn mE. ist es schlussendlich egal ob man dem Ganzen etwas abgewinnen kann oder es vehement ablehnt. Was wohl jedem hängen bleiben wird ist ein Film aus dem 21. Jahrhundert der uns zeigt, dass dieses Medium immer noch viel Potenzial besitzt und durchaus zum denken anregen kann und soll.
Es ist wohl nicht gelogen wenn ich Darren Aronfsky als einen der besten, neuzeitlichen Regisseure und Schreiber hier statuiere. Erwähnenswert noch der Soundtrack von Clint Mansell, der eigentlich omnipräsent ist und die Bilder wunderbar und gefühlvoll begleitet.
Nach Meisterwerken wie „Pi„, „Requiem For A Dream“ oder eben diesen Streifen, darf man gespannt sein was „The Wrestler“ mit sich bringen wird.



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