(„3:10 To Yuma“ directed by James Mangold, 2007)

Der Western ist also tot? Nachdem ich den Film von James Mangold gesehen habe, bezweifle ich das ernsthaft.
In ca. 120 Minuten Laufzeit darf sich aber jeder Zuschauer selbst davon überzeugen lassen. Die Besetzung der Rollen finde ich gelungen, die Story interessant und spannend, die Sets authentisch. Dies alles wird noch durch einen passenden, aber im Vergleich zu den Klassikern natürlich modernisierten, Western-Sound von Marco Beltrami abgerundet.
Der Streifen erzählt vom Leben eines einfachen, armen Farmers. Dan Evans (Christian Bale), so sein Name, wird ständig von Banditen überfallen und muss einen Berg an Schulden zurückzahlen. Als er eines Tages mit seinen Söhnen in einen Überfall auf eine Kutsche gerät der vom berühmt berüchtigten Ben Wade (Russel Crowe) angeführt wird, soll sich sein tristes Dasein schlagartig verändern: ein Pinkerton, Byron McElroy (Peter Fonda), der den Überfall überlebt hat, liegt nämlich schwer verwundet am Boden. Nachdem Dan der Banditenbande entkommen kann, bringt er den Verletzten in die nächste Stadt und berichtet den örtlichen Gesetzeshütern was vorgefallen ist. Da sich Ben Wade darauf konzentriert die Postkutschen der Eisenbahn zu überfallen, schaltet sich auch Grayson Butterfield (Dallas Roberts), ein reicher Eisenbahner, in die Gespräche mit ein. Das durchgemischte Team aus Farmer, Pinkerton, Bonzen und Doc Potter (Alan Tudyk), beschließt also dem skrupellosen Gangster eine Falle zu stellen. Als es ihnen tatsächlich gelingt den Dieb zu schnappen, gilt es aber noch seine Bande auszuspielen, die natürlich alles daran setzen ihren Chef wieder freizubekommen. Ben Wade soll in Yuma gehängt werden, aber dazu muss er erst noch in den 3:10er-Zug gesetzt werden, der ihn dorthin bringen wird. Bis zum Bahnhof ist es unglücklicherweise noch ein langer Weg und auf den ungewöhnlichen Team wartet die blutrünstige Wade-Bande, die momentan von Charlie Prince (Ben Foster) angeführt wird…
Eigentlich spannend bis zum Schluss, obwohl mich das Ende zugegebenermaßen ein bisschen enttäuscht hat. Die letze Schlacht in Contention ist zwar spektakulär, aber ein Standoff wäre mir lieber gewesen als das platte Hollywood-Ende. Christian Bale wie immer überragend. Russel Crowe, der nicht unbedingt ein Lieblingsschauspieler von mir ist, spielt hier auch sehr gut. Die Rolle als Bösewicht steht ihm gar nicht mal so schlecht. Mangold beweist, dass das Genre zu Unrecht tot gesagt ist und dass man eigentlich noch viel daraus machen kann wenn man nur will.
Imposante Soundkulissen, atemberaubende Aufnahmen, große Sets und neue technische Möglichkeiten lassen eine Modernisierung des Genres zu, ohne dabei den Ursprüngen untreu zu werden. Ich hoffe auf jeden Fall inbrünstig darauf, dass in naher Zukunft noch mehr solche Kaliber kommen werden. Übrigens: wem das Genre fremd ist, sollte sich nicht scheuen einen Blick zu riskieren, es lohnt sich auf jeden Fall.

Todeszug nach Yuma
4.04 (80.87%) 23 Artikel bewerten

4 Responses

  1. movie-struck

    Ich habe mir die DVD gekauft, ohne wirklich zu wissen was mich erwartet, da ich Christian Bale, spätestens seit American Psycho klasse finde und Russell Crowe mir bei „Gladiator“ imponierte hatte ich kaum Bedenken.
    In „Todeszug nach Yuma“ ist Russell Crowe in der Rolle des charismatischen Bösewichts bestens besetzt. Er erreicht die selbe Sympathie wie sein „verbündeter Kontrahent“ Bale. Ich bin hier aber der Meinung, dass sich Christian Bale nicht gänzlich in seine Rolle hineingefunden hat, oder sie nicht inbrünstig genug interpretiert. Er spielt seinem Budget wohl gerecht und sehr solide, jedoch nicht mit der nötigen Intensität und Tiefgründigkeit um die Verzweiflung seines Charakters Dan wirklich realitätsnah zum Ausdruck zu bringen, immerhin ist dies seine wohl letzte Chance seiner Familie zu beweisen, dass er kein sturer Taugenichts ist.

    Fazit: Todeszug nach Yuma ist in meiner DVD Sammlung bestens aufgehoben und wird mit absoluter Sicherheit des öfteren wieder hervorgeholt, wenn ich in der Laune bin, mir einen klasse Western anzuschauen, der an Kugeln nicht spart und alles andere als langatmig ist! Guter Film!

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  2. Candide

    Nach nochmaliger Sichtung leider nicht mehr so stark wie beim ersten mal.
    Vieles wirkt jetzt doch sehr banal und die Charaktere sind einfach nur eindimensional. Trotzdem ein unterhaltsamer Action-Western. Die Specials der Kauf DVD sind übrigens zum vergessen.

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  3. Breakout

    Unterhaltsam, das kann ich nur unterstreichen. Sehr hervorheben möchte ich dabei die Rolle von Crowe bzw. des von ihm gespielten Charakters. Gerade er ist es ja, der Dreh- und Angel-, v.a. aber auch Reizpunkt der charakterlichen Auseinandersetzung ist. Sonst ein Western in klassischer Tradition, wie ich finde, der in seinen zwar einfach konstruierten Episoden trotzdem reizvolle Abenteuer zu bieten weiß. Inwiefern der Sinneswandel von Wade zu verstehen ist, weiß ich allerdings nicht so recht…

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  4. Marco Behringer

    Recht unterhaltsam, aber im Vergleich mit „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling…“ oder „True Grit“ einfach nur Genre-Durchschnitt. Und das sage ich als Bale-Fan, der mir zwar auch in diesem Film gefallen hat, aber die bereits aufgedeckten Schwächen nicht „wegspielen“ kann.

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