(„Machuca“ directed by Andrés Wood, 2004)

Angesiedelt im turbulenten Chile der 70er Jahre erzählt der Film von Andrés Wood eine Geschichte über Freundschaft und Ungerechtigkeit. Das Land steht kurz vor dem Allende-Putsch ’73. In einer renommierten, englischen Privatschule wird der Beschluss gefasst erstmals Indio-Kinder aufzunehmen und ihre Ausbildung mit öffentlichen Geldern zu finanzieren. Bald entstehen die ersten Konflikte zwischen den reichen, weißen und den armen, indigenen Kids. Der Direktor Vater McEnroe (Ernesto Malbran) hat alle Hände voll zu tun die aufgebrachten Kinder, aber vor allem dessen Eltern zu beruhigen. In einer Zeit wo jeden Tag Demonstranten auf die Straße gehen und das eigene Leben zunehmend unsicherer wird, schließen Gonzalo Infante (Matías Quer) und Pedro Machuca (Ariel Mateluna) eine außergewöhnliche Freundschaft. Pedro nimmt seinen neuen Freund ins Ghetto in dem er und seine Mutter leben mit. Der Bürgersohn Gonzalo der mit seinem Anzug und Krawatte sichtlich fehl am Platz ist, wird Zeuge von der erdrückenden Armut der Indio-Bevölkerung. Als Pedro hingegen das erste mal Gonzalo zu Hause besucht, kann ersterer nicht fassen wie viele tolle Sachen der weiße Junge besitzt. Infante hat sogar das Glück die aktuellen „Lone Ranger“-Comics zu lesen, einem weißen Cowboy, der gegen die „bösen und brutalen“ Indios vorgeht. Wenn die beiden nicht in der Schule sind, verkaufen sie gemeinsam mit Silvana (Manuela Martelli), Fahnen und Zigaretten an die Demonstranten. Sowjet-Flaggen für die Kommunisten und Chile-Flaggen für die Nationalisten. Gonzalos Eltern streiten sich in der Zwischenzeit über wie man mit der politischen Situation umgehen soll. Als schließlich der Sozialist Allende durch einen Militär-Putsch gestürzt wird, werden die Slums der Indios geräumt. Gonzalo, der sich gerade im Gehtto befindet, erlebt hautnah mit wie das Militär brutal gegen die Menschen vorgeht. Als schließlich seine Freundin Silvana erschossen und er von den Soldaten als Indio verwechselt wird, flüchtet er zurück in das „bessere“ Viertel von Santiago…
Der Streifen besitzt eine unheimliche Ausstrahlung. Tolle Bilder von einem Chile in Umbruchstimmung, eine bewegende Geschichte und der historische Hintergrund machen diesen Film auf jeden Fall zu etwas Besonderem. Ähnlich wie in „City Of God“ oder „Tsotsi“ konzentriert sich der Regisseur auf die Perspektive der Kinder ohne dabei aber den wichtigen, sozialen und historischen Aspekt zu verlieren. In 120 Minuten Laufzeit erlebt man einen genauso unterhaltsamen wie lehrreichen Film.

Machuca, mein Freund
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