Dune – Der Wüstenplanet

geschrieben von am 27 November, 2009 Abenteuer, Action, Science Fiction 5 Kommentare

(“Dune” directed by David Lynch, 1984)

Dune - Der WüstenplanetMit dem Schlagwort „Dune“ konnte ich durchaus was anfangen, hatte ich doch vor langer Zeit im TV flüchtig einen Blick darauf geworfen und ich glaube mich auch erinnern zu können ein entsprechendes PC-Strategiespiel irgendwo gesehen zu haben wo gigantische Sandwürmer die Spiellandschaft zerstörten.
Die Verfilmung oder besser gesagt das „Dune“ von David Lynch, basierend auf den gleichnamigen Roman von Frank Herbert, konnte ich mir deshalb nicht entgehen lassen, erst recht nicht wenn es den Film zu attraktiven Preis als Blu-Ray gibt.
Das Release von Sunfilm beweist aber dass nicht überall wo HD draufsteht auch hohe Qualität drinnen sein muss. Mal abgesehen davon dass die Disc bis auf ein paar Standard-Extras „nur“ die Kinoversion (dafür aber Uncut) bietet, ist der Ton grottenschlecht. Dies ist vor allem peinlich wenn man bedenkt dass der Film damals eine Oscar-Nominierung in der Kategorie „Bester Ton“ erhielt.
Die Story selbst spielt in weiter Ferne, um genau zu sein im Jahre 10191. Die Adelshäuser der Galaxis befinden sich im Dauerstreit wegen des Rohstoffes „Spice“. Es handelt sich dabei um eine potente, bewusstseinserweiternde Droge mit der man in der Lage ist allein durch Gedankenkraft durch Raum und Zeit zu reisen. Das Spice wird ausschließlich auf Arrakis, auch Dune genannt, abgebaut was eine mühsame wie gefährliche Arbeit darstellt, denn auf dem Wüstenplaneten lauern riesige Sandwürmer. Die Lehnsherrschaft des Planeten wurde vor kurzem vom Imperator Shaddam IV (José Ferrer) an den Herzog Leto Adreides (Jürgen Prochnow) übergeben was sofort Neider auf den Plan ruft.
Allen voran möchte sich der perfide Baron Vladimir Harkonnen (Kenneth McMillan) wieder Dune unter den Nagel reißen, schließlich herrschten einst schon die Harkonnen über das Spice, doch der Baron hat die Rechnung ohne des Herzogs Sohn, Paul Atreides (Kyle MacLachlan) und dessen Mutter Lady Jessica (Francesca Annis), gemacht…
Lynch entführt uns in ein visuell äußerst geistreich inszeniertes Universum das eine sehr militärische Färbung in sich birgt. Invasionen, Glaubenskriege und Ressourcenstreit spiegeln aber nur eine Facette von Dune wieder, denn es ist bestimmt auch kein Zufall dass der wichtigste Rohstoff eine Droge ist oder die zunehmende Computerisierung kritisch gesehen wird. Im mittlerweile weit entfernten Erscheinungsjahr 1984 konnte es übrigens wohl kaum besser passen dass sich das Ganze in der Wüste abspielt wenn man den damaligen Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan bedenkt.
Dass Lynch keineswegs nur eine Verfilmung des Buches gemacht hat kann man unzähligen Kritiken im Internet entnehmen die in mir vor allem den Anschein erwecken der Regisseur habe einen wichtigen Punkt der Vorlage, nämlich den Feminismus, ein wenig abgeschwächt. Da ich aber weder den Roman noch andere anknüpfende Werke des Dune-Universums kenne, halte ich mich mit weitern Interpretationen diesbezüglich lieber zurück.
Die insgesamt 137 Minuten Laufzeit näher inhaltlich zusammenzufassen macht wenig Sinn, anzumerken ist aber dass ich einige Szenen zu kurz oder zu unausreichend erklärt empfand. Wenn man aber bedenkt dass die Originalversion ca. dreieinhalb Stunden lang war und „Dune“ vom Produzenten beschnitten wurde ist dies auch kein Wunder.
Erwähnenswert sind noch die Auftritte von Sting in der Rolle eines sadistischen Harkonnen-Fiesling und von Patrick Stewart als der edle und loyale Atreides-Anhänger Gurney Halleck.
Was bleibt ist ein zwiespältiges Gefühl. Einerseits ein unterhaltender wie kritischer Streifen, andererseits das Wissen um die Kürzung und die mehr als schlechte Vertonung was einfach gesagt eine Frechheit ist.
Vermutlich handelt es sich hierbei um einen der wenigen Lynch-Filme der ein breiteres Publikum anspricht. Science Fiction-Fans sollten mit diesen futuristischen Märchen ebenfalls gut bedient sein.
HD-Freaks sollten wie schon erwähnt um das derzeitige (deutsche) Blu-Ray Release einen weiten Bogen machen, meine Lautsprecher fühlten sich jedenfalls zwei Stunden lang unterfordert.


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5 Kommentare zu “Dune – Der Wüstenplanet”

  1. Bei “Dune” muss man schon sehr aufmerksam sein um wirklich alles mitzubekommen. Das Spice ist nämlich nicht einfach nur eine bewusstseinserweiternde Droge, sondern von großer Wichtigkeit für die Raumfahrt. Um nicht zu erblinden sind die “Navigatoren” der Raumschiffe auf die ständie Einnahme von Spice angewiesen…das wird im Film nur am Rande erwähnt.

    Zur DVD bzw. Blu-Ray: Die dt.Veröffentlichungen taugen alle nichts und im englischsprachigem Raum sieht es auch düster aus. Die wirklich beste VÖ ist die französische Ultimate Edition-DVD von Universal mit allen Fassungen, vielen Extras und sehr guter Bild- und Tonqualität.

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  2. Ijon Tichy sagt:

    Für jeden SF-Fan ein Pflichtfilm. Lynch-Fans könnten allerdings enttäuscht werden, da sich der Streifen – wie du ja andeutest – doch recht von den übrigen Filmen unterscheidet.

    Persönlich fand ich nur den heroischen Ritt von Kyle MycLachlan auf einem der Wüstenwurme doch eher peinlich.

    Interessant ist auch der Zwist zwischen H.R. Giger, dessen Design-Vorlagen zu Dune von Lynch verworfen wurden, und Lynch. Letztlich kam Giger aber durch seine Entwürfe für Alien doch noch zu seinem Ruhm.

    Ursprünglich wollte auch der (Comic)Autor und Regisseur Alejandro Jodorowsky seit den 1970er Jahren Dune verfilmen, scheiterte aber letztendlich.

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  3. Da verwechselst du was! Jodorowsky hatte Giger und Jean Giraud aka Moebius beauftragt Designs für sein Dune-Project zu machen…Lynch hatte mit den beiden Künstlern bzw.Comic-Zeichnern nie was zu tun, daher auch kein Zwist.
    Mal so nebenbei: ein Jodorowsky “Dune” wäre bestimmt eine super Sache geworden und wahrscheinlich um Längen abgefahrener als Lynchs “Dune”. Dazu ist Jodorowsky im SF-Genre tief verwurzelt und wäre *imo* der bessere Mann für die Verfilmung gewesen. Na ja, wer so strange Streifen wie Jodorowsky macht hat auch immer Probleme mit der Fuinanzierung.Lynch hatte dagegen nach dem “Elefantenmensch” Narrenfreiheit und mit Dino de Laurentis einen der größten Produzenten hinter sich.

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  4. Ijon Tichy sagt:

    Hier http://www.visions.de/artists/stories/1921/1/h-r-giger (und auch auf anderen Seiten) steht aber, dass Giger sehr gerne mit Lynch gedreht hätte, dieser ihn aber nicht wollte. Giger fasste Lynchs Eraserhead demnach ästhetisch als verwandtes Werk zu seinem auf. Deshalb war er wohl nach der Abfuhr etwas enttäuscht. Das mit dem Streit finde ich tatsächlich nicht mehr auf die schnelle.

    Dass Jodorwski Giger beauftragt hatte, habe ich dagegen auch so gelesen. Wäre sicherlich sehr interessanter geworden, geb ich dir recht :)

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  5. Tja so kann man sich irren :razz:
    Ob das mal alles wirklich so stimmt was der Herr Giger da erzählt ? Hört sich für mich nach typischer Missgunst unter Künstlern an…na ja egal. Dune ist auch ohne Giger einer der besten SF-Filme der Achtziger geworden.

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