Ready or Not 2
Die Regisseure Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett beim Dreh von "Ready or Not 2" (© 2025 Searchlight Picture)

Matt Bettinelli-Olpin / Tyler Gillett [Interview 2026]

Vom Regen in die Traufe: Nachdem Grace MacCaullay (Samara Weaving) in Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot ein tödliches Versteckspiel überlebt hat, zu dem sie von der Familie ihres Mannes gezwungen wurde, dachte sie eigentlich, dass sie das Schlimmste hinter sich hat. Aber zu früh gefreut: In Ready or Not 2 muss die frisch gebackene Witwe noch einmal ihre Überlebenskunst demonstrieren. Diesmal sind es gleich vier Familien, die Jagd auf sie machen. Und als wäre das nicht schon kompliziert genug, wird auch ihre jüngere Schwester Faith (Kathryn Newton), zu der sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte, in diesen Alptraum hineingezogen. Zum Kinostart am 9. April 2026 haben wir uns mit den beiden Regisseuren Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett, auch bekannt als Radio Silence, unterhalten. Im Interview sprechen sie über die Herausforderungen bei der Fortsetzung, die Natur des Bösen und was unbegrenzte Macht auslöst.

Um ehrlich zu sein, war ich ziemlich überrascht, als ich hörte, dass es eine Fortsetzung von Ready or Not geben wird. Warum wolltet ihr zu diesem Film zurückkehren?

Matt Bettinelli-Olpin: Wir waren ebenso überrascht. Es ging uns damals nicht darum, ein Franchise zu schaffen, oder eine Fortsetzung vorzubereiten. Wir waren ja schon glücklich, diesen einen Film machen zu können.

Tyler Gillett: Der wichtigste Grund, warum wir zurückgekommen sind, war das große Vertrauen, das zwischen dem Team und uns entstanden ist: Samara, die Autoren, die Produzenten. Wir wussten, dass wenn wir zusammenhalten, dass wir etwas schaffen können, das der Geschichte von Grace würdig ist. Etwas, das genauso aufregend und spaßig ist wie der erste Teil.

Bei einer Fortsetzung ist es natürlich so, dass sie das fortführt, was es im ersten Teil gab. Denn das will das Publikum ja sehen. Gleichzeitig muss der Film aber auch etwas Neues bringen, damit das nicht einfach nur eine Wiederholung ist. Wie schwierig war für euch die Balance, einerseits das Bewährte zu behalten, und doch frisch genug zu sein?

Tyler Gillett: Unser wichtigstes Ziel war es sicherzustellen, dass wir nicht einfach nur eine Kopie vom ersten Teil machen. Gleichzeitig mussten wir natürlich vieles wiederbringen, damit es eine Kontinuität gibt. Wir haben deshalb versucht, immer wieder Erwartungen zu unterlaufen, damit eben nicht das von dir beschriebene Gefühl aufkommt, eine Wiederholung zu sehen. Jedes Mal, wenn wir beim Drehbuch den Eindruck haben, das so schon im ersten Teil gemacht zu haben, haben wir nach einem Weg gesucht, es anders und besser zu machen. Es war also wirklich eine schwierige Balance für uns, dem Film treu zu bleiben und doch etwas Neues bieten zu können.

In beiden Filmen läuft es darauf hinaus, dass die Hauptfiguren zwei Optionen haben, um heil durch die Nacht zu kommen. Entweder verstecken sie sich und hoffen auf das Beste. Oder sie greifen diejenigen an, die sie töten würden. Welche Option würdet ihr selbst wählen?

Matt Bettinelli-Olpin: Ich hasse es, das zugeben zu müssen, aber ich würde mich wohl verstecken und auf das Beste hoffen.

Tyler Gillett: Ich auch.

Am Anfang eurer Karriere habt ihr reguläre Horrorfilme gedreht, seit einiger Zeit wechselt ihr zwischen Horrorfilmen und Horrorkomödien. Wie schwierig ist es, die richtige Balance zu finden, einerseits furchteinflößend, andererseits lustig zu sein?

Matt Bettinelli-Olpin: Das ist auch für uns eine Herausforderung und wir sind selbst immer am Ausprobieren, wie es am besten ist. Es ist nicht so, dass wir bei einer Szene vorher entscheiden, dass sie jetzt lustig oder furchteinflößend ist. Uns ist es wichtig, dass es sich in dem Moment richtig anfühlt und dass wir von allem genug haben. Der Rest entscheidet sich beim Schneiden. Da kommt es schon vor, dass wir eine Szene, die wir lieben, weil sie so komisch ist, nicht verwenden können, weil sie in dem Moment nicht passt und die Stimmung ruiniert. Oder umgekehrt, dass eine Szene, die so brutal ist, dass man sie sich kaum anschauen kann, nicht funktioniert, weil sie an der Stelle die Tonalität ruiniert. Das sind teilweise richtig schwierige Entscheidungen, die wir treffen müssen, weil wir wollen, dass beide Seiten gleichzeitig existieren.

Tyler Gillett: Gerade weil Horror und Komödie so unterschiedlich sind, passen sie für mich gut zusammen. Wenn ein Film komisch ist, kannst du beim Horror etwas weiter gehen, als du es sonst machen würdest – und umgekehrt. Es gibt da einfach ein tolles Zusammenspiel.

Und was findet ihr schwieriger: Leuten Angst machen oder sie zum Lachen bringen?

Tyler Gillett: Beides ist sich insofern ähnlich, weil es darum geht, Spannung aufzubauen und diese dann freizulassen. Die Arbeit daran ist daher gar nicht so unterschiedlich. Komik ist für uns aber schwieriger, weil sie bei uns so sehr von der Situation abhängt. Wir wollen keine Witze erzählen. Wenn du das Gefühl hast, dass der Film das Publikum zum Lachen bringen will, dann stimmt die Balance schon nicht mehr. Es ist daher harte Arbeit, eine Situation zu erschaffen, die so überzeichnet und absurd ist, dass die Komik ganz organisch und natürlich daraus entsteht.

Ein großes Thema im zweiten Film ist das Böse. Die meisten Figuren sind irgendwie böse, in unterschiedlichem Ausmaß. Sind Menschen böse, weil sie von Natur aus sind oder weil sich das aus der Situation ergibt?

Matt Bettinelli-Olpin: Es gibt die unterschiedlichsten Gründe dafür. Und wir gehen dieser Frage auch wirklich nach, was jemanden böse macht und dazu bringt, andere Menschen als weniger wertvoll anzusehen. Wenn du dir die Danforth-Zwillinge anschaust, dann siehst du, dass da schon eine Menschlichkeit in ihnen ist, die ihnen aber nach und nach genommen wurde durch die Weise, wie sie erzogen wurden, und die Welt, in der sie aufgewachsen sind. Aber es geht auch in die andere Richtung: Grace und Faith finden wieder zusammen und ihre Wunden verheilen. Wir haben diese Geschwisterpaare genommen, um uns diesem Thema von verschiedenen Perspektiven aus zu nähern.

Können also böse Menschen wieder gut werden?

Matt Bettinelli-Olpin: Das hoffe ich auf jeden Fall!

Tyler Gillett: Das ist ein Thema, das du in vielen der großen Genrefilme hast, wenn du dir die Schurken anschaust: Da ist dieser Hoffnungsschimmer, dass sie sich bessern können. Als jemand, der selbst Fehler macht, hoffe ich, besser werden zu können. Das ist die menschliche Natur. Wir scheitern, bauen uns danach aber wieder auf und wollen es besser machen.

Matt Bettinelli-Olpin: Die ikonische Szene, wenn Darth Vader die Maske abnimmt und du siehst, dass da ein Herz irgendwo dahinter ist, das ist etwas, woran wir glauben müssen und wollen.

Eine andere Frage, die in eurem Film auftaucht, ist, wie wir mit Macht umgehen. Denn wer auch immer den Vorsitz erlangt, hat quasi unbegrenzte Macht. Was wäre eure erste Handlung, wenn ihr selbst den Vorsitz erlangen würdet?

Matt Bettinelli-Olpin: Ich möchte daran glauben, mich in der Situation so zu verhalten wie Grace. Aber um ehrlich zu sein, will ich diese Art Macht überhaupt nicht.

Tyler Gillett: Ich nehme den Weltfrieden.

Würde eine solche Macht dazu führen, dass ihr selbst böse werdet?

Tyler Gillett: Schon möglich. Das ist ja eine der Aussagen in dem Film, dass es fast unmöglich ist, eine solche Macht zu haben und altruistisch zu nutzen. Niemand sollte dazu in der Lage sein, das Leben anderer zu diktieren.

Vielen Dank für das Gespräch!



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