
Eigentlich passiert auf Ouessant, einer kleinen, abgelegenen Insel vor der bretonischen Küste, nicht sehr viel. Umso größer ist der Schock, als in einer Felsenhöhle die Leiche eines Mannes gefunden wird. Nicht nur, dass niemand weiß, wer der Tote ist. Offensichtlich wurde er auch ermordet. Aber warum sollte jemand in die Einöde kommen, um einen Fremden zu töten? Kommissar Georges Dupin (Pasquale Aleardi) und sein Kollege Kadeg (Jan Georg Schütte) versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen, und hören sich zu dem Zweck bei der lokalen Bevölkerung um. Besonders viel Misstrauen bringt diese Céleste Bourvil (Amal Keller), Rayanne Ker (Luise Aschenbrenner) und Enora Gaec (Franziska von Harsdorf) entgegen, drei jungen, unabhängigen Frauen, die abseits der Inselgemeinschaft zusammenwohnen. Und dann ist da noch Sybil (Hildegard Schmahl), eine als Inselhexe verschriene ältere Frau, die seltsame Warnungen von sich gibt …
Rückkehr des Pseudo-Franzosen
Auch wenn man bei Kommissar Dupin immer so tut: Französisch ist hier nichts. Das hat die ARD-Krimireihe mit diversen anderen gemeinsam, die am Donnerstagabend im Ersten laufen und im Ausland spielen, aber mit einem heimischen Ensemble besetzt werden. Hier ist auch die Vorlage eine Mogelpackung: Der französisch klingende Autor Jean-Luc Bannalec ist in Wahrheit der deutsche Jörg Bong. Dem Publikum ist das aber egal, sowohl die Romane wie auch die Verfilmungen sind gefragt, beide werden daher auch regelmäßig fortgesetzt. Diesmal mussten Fans aber länger warten als gewohnt. So pausierten die Filme vergangenes Jahr, der letzte Teil Bretonischer Ruhm – damals entdeckte der Protagonist während seiner Flitterwochen eine Leiche – liegt daher schon zwei Jahre zurück. Jetzt hat die Wartezeit ein Ende, mit Bretonische Sehnsucht kommt der 13. Teil heraus.
Am Konzept der Reihe hat sich in der Zeit nichts getan. Noch immer erwartet das Publikum ein klassischer Whodunit-Krimi, wo am Anfang die Leiche gefunden wird und anschließend die Tatperson identifiziert werden muss. Nach anderthalb Stunden ist die Auflösung pünktlich da, die dann ganz anders ausfällt, als man erwartet hat. Kommissar Dupin: Bretonische Sehnsucht erfüllt dabei alle Erwartungen, die man an einen solchen Film realistisch haben kann. Die Geschichte ist dabei wie immer in sich abgeschlossen. Die Sache mit der Hochzeit vom letzten Mal spielt keine Rolle mehr. Tatsächlich taucht die Ehefrau des Protagonisten gar nicht auf. Das muss aber nichts heißen, da der Schauplatz und die Ermittlungen dieses Mal eben auf der Insel sind. Da wäre es schon sehr konstruiert gewesen, wenn die Gattin erneut „zufällig“ am Tatort ist.
Atmosphärisches Setting
Die Insel ist dabei auch der eigentliche Star des Films. Das ist bei den Donnerstagabend-Krimis häufig der Fall. Während man sich inhaltlich über die Qualität streiten kann, visuell kann sich das oft sehen lassen, wenn wir mitgenommen werden auf eine Reise durch Europa, das sich mal von einer idyllischen, mal von einer rauen Seite zeigen darf. Bei Kommissar Dupin: Bretonische Sehnsucht ist es irgendwie beides. Der Film verbreitet schon ein gewisses Urlaubsgefühl, wenn es an der Küste vorbeigeht, an malerischen Landschaften, die Menschen oft aber schroff und wenig einladend sind. Eine Wohlfühlreise ist das hier nicht, aber doch eine Auszeit – zumal die Zeit auch stehengeblieben scheint.
Atmosphärisch ist das geglückt, die Postkartenmotive machen schon einiges her. Der Kriminalfall an sich ist zudem etwas besser als bei so manch anderem Teil zuvor. Man mag es dieses Mal wieder dramatisch, wenn da manche persönlichen Abgründe beleuchtet werden. Das ist schon etwas übertrieben. Es wird aber nicht ganz so seifenoperartig. Dafür gibt es Beispiele von Solidarität zwischen Frauen, mehrere sogar, was ganz nett geworden ist. Es geht aber auch um Vorurteile und provinzielles Misstrauen. Ein filmischer Höhepunkt ist das Ergebnis nicht, es reicht bei Kommissar Dupin: Bretonische Sehnsucht aber doch für Mittelmaß. Und das ist ja keine Selbstverständlichkeit in diesem Segment.
OT: „Kommissar Dupin: Bretonische Sehnsucht“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Anja Gurres
Drehbuch: Eckhard Vollmar
Vorlage: Jean-Luc Bannalec
Musik: Fabian Römer, Steffen Kaltschmid
Kamera: Michael Throne
Besetzung: Pasquale Aleardi, Jan Georg Schütte, Gisa Flake, Franziska Wulf, Hildegard Schmahl, Sithembile Menck, Luise Aschenbrenner, Amal Keller, Franziska von Harsdorf
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