Its Never Over Jeff Buckley
© Merri Cyr / Courtesy of "Piece of Magic Entertainment

It’s Never Over, Jeff Buckley

Its Never Over Jeff Buckley
„It’s Never Over, Jeff Buckley“ // Deutschland-Start: 9. April 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

2008 ging Jeff Buckleys Cover von Leonard Cohens Hallelujah nochmal durch die Decke der Charts – zu diesem Zeitpunkt war der Singer-Songwriter jedoch bereits elf Jahre tot. Im Alter von nur 30 Jahren ertrank Buckley im Wolf River nahe Memphis, Tennessee bei einer spontanen Schwimmaktion, veröffentlichte zu Lebzeiten auch nur ein Album, Grace (1994), und hinterließ allein damit riesige Spuren in der musikfaszinierten Welt, die bis heute ersichtlich sind. Ein Beweis dafür ist die neue Dokumentation It’s Never Over, Jeff Buckley, bei der Brad Pitt Teil des Produktionsteams ist, und mit seiner Mutter, seinen Ex-Freundinnen und weiteren Wegbegleiter*innen das viel zu kurze Leben dieses Once-in-a-Lifetime-Talents nachzeichnet.

Herzzerreißende Tonbandaufnahmen

Die ersten Minuten von It’s Never Over, Jeff Buckley beweisen schnell, warum diese Persönlichkeit so einen groß aufgezogenen Dokumentarfilm verdient: Die ersten Töne von Grace zusammen mit Archivmaterial und Zitaten feuchten die ersten Augen an und erzeugen ein Gefühl von Freude und Trauer zugleich; Freude, weil es diese Art von Musik gibt und diese eine filmische Würdigung bekommt, Trauer, weil Buckley kein langes Leben vergönnt wurde. Trotz des plötzlichen Unfalltodes war dieser nämlich keine so tragische Figur wie zeitgenössische Musiker und Schauspieler der 1990er Jahre wie Kurt Cobain, Layne Staley oder River Phoenix. Natürlich waren in seinem Leben auch Alkohol und Drogen von Relevanz, zudem bezeichnete er sich selbst als „manisch-depressiv“ bzw. bipolar. Sein Vater, Tim Buckley, seines Zeichens ebenfalls Singer-Songwriter, den Jeff nur einmal sah, starb bereits 1975 im Alter von 28 Jahren, was ihn stark darin bekräftigte, nicht ebenfalls so zu enden.

Buckleys Schaffen und Leben zieren allerdings keine Eskapaden, seine im Film auftretenden Ex-Partnerinnen Rebecca Moore und Joan Wasser sind allesamt gut auf ihn zu sprechen, und niemanden liebte er mehr als seine alleinerziehende, aus Panama in die USA migrierte Mutter und vice versa. Durch die Bank weg bezeichnen ihn Menschen, die ihn näher kannten, als humorvoll, charmant, einfühlsam und sensibel, als Perfektionisten, was seine Musik angeht, und als stürmischen Romantiker auf der Suche nach emotionalen Highs, wenn es um Sex und Liebe geht; entsprechend lesen sich Buckleys Lyrics. Eine äußerst persönliche Note verschaffen diesen Äußerungen Tonbandaufnahmen auf Anrufbeantwortern, die in der Dokumentation zum ersten Mal zu hören sind und sowohl Selbstsicherheit als auch Labilität beim jungen Musiker zum Besten geben. Schaurig-traurig wird es, sobald die Memos an seine Mutter kurz vor seinem Tod zu hören sind.

Wildes Editing

Dass Jeff Buckley eine größere, im Kino erscheinende Dokumentation verdient, steht außer Frage. Dass er ein Leben führte, über das berichtet werden sollte, damit noch mehr Menschen in den Genuss seines Werks kommen können, sowieso. Doch so faszinierend und charismatisch er als Persönlichkeit war, so virtuos als Gitarrist und Sänger, so wenig gibt es hier eigentlich zu verwursten, was nicht schon bekannt war, bzw. wird sich durch die Stationen seines Lebens eher hindurchgehetzt. Sein Tod war ein tragischer Unfall, neue Erkenntnisse gibt es zu diesem schnell abgeschlossenen Fall nicht. Zumindest können Skandale weiter ausgeschlossen werden, eine Alkohol- oder Drogenverschuldung ebenso. Zusammenfassend ist es gut, dass zumindest jemand aus der Riege der früh Verstorbenen aus dieser Zeit nicht das Klischee des Absturz-Rockstars fördert und sein weitestgehend positives Image von den Frauen bestätigt wird, die er als seine Hauptinspirationen angab.

Ästhetisch und formal hätte It’s Never Over genauso eine Fernsehdoku sein können: Ohne wirkliche Stringenz wechseln sich Talking Heads, skurrile Doodle-Animationssequenzen abseits jeglichen Mehrwerts und Archivmaterial ab, wobei zumindest bei letzterem für Hardcore-Fans einige bislang unveröffentlichte Schmankerl dabei sind. Trotz der Hochglanzproduktion wirkt der Film etwas lieblos zusammengeschustert, sichtliches KI-Upscaling von Fotos zu stümperhaft umgesetzt. Wenn Buckley nicht so eine herausragende Ausstrahlung und so ein musikalisch mitreißendes Œuvre geliefert hätte, hätte man es hier leider mit einer 08/15 Dokumentation zu tun. Es bleibt Dankbarkeit, dass sich einem der im Mainstream am meisten unterschätzten Musiker filmisch gewidmet wird, aber auch Frust, dass nicht mehr daraus gemacht wurde. Zumindest kann sich Brad Pitt freuen, dass er, nachdem er Jeff Buckley schon nicht in einem nie realisierten Biopic spielen durfte, an diesem Dokumentarfilm mitwirkte.

Credits

OT: „It’s Never Over, Jeff Buckley“
Land: USA
Jahr: 2025
Regie: Amy Berg
Drehbuch: Amy Berg
Musik: Frally Hynes
Kamera: Alex Takats, Curren Sheldon, Wolfgang Held, Jenna Rosher
Mitwirkende: Jeff Buckley, Mary Guibert, Ben Harper, Rebecca Moore, Aimee Mann, Joan Wasser

Trailer

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It’s Never Over, Jeff Buckley
fazit
Zwischen klassischen Dokumentations-Interviews, wahllos aneinandergekleistert wirkenden Animationen und einer Menge persönlicher Archivaufnahmen scheinen vor allem Jeff Buckleys sensibel-männlich-feminines Wesen und seine meisterhaft eingespielten Tracks durch, die „It’s Never Over, Jeff Buckley“ zu einem Must-see machen, für Fans und Musikbegeisterte, die etwas über diese Sternschnuppe des 90er-Rocks erfahren möchten, zugleich. Form und Editing sind in Schulnoten gewertet maximal „befriedigend“, was aber nicht ausreicht, um die Gesamtwertung allzu sehr herunterzuziehen. Dafür ist das Ausgangsmaterial zu phänomenal – und „Grace“ eins der besten Alben aller Zeiten. Unbedingt anhören!
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