
Eigentlich will Elli (Aliyah Acar) ja nur ganz gemütlich einen Film im Kino anschauen, als sie eine unerwartete Begegnung hat: Sie lernt den Geist Mike (Philippe Reinhardt) kennen. Dieser ist nicht minder irritiert wegen der Geschichte, da er es eigentlich gewohnt ist, dass ihn niemand wahrnimmt. Wie lang er schon unbemerkt zwischen den Lebenden wandelt, weiß er schon gar nicht mehr. Überhaupt hat er alles vergessen, auch über sein Leben. Elli, die noch immer unter dem Tod ihres Vaters leidet, findet dennoch eine Verwendung für das überwiegend unsichtbare Wesen. Er könne ihr doch bei ihren Schulproblemen helfen. Dafür will sie ihm helfen, endlich Frieden zu finden und so den Weg ins Jenseits zu finden – aber das ist leichter gesagt denn getan …
Geistreiche Komödie
Eigentlich sind Geister oder allgemein wiederkehrende Tote Figuren, die man eher im Horrorgenre erwarten würde. Dort haben sie zumindest ihren Hauptsitz. Das heißt aber nicht, dass sie nicht auch gelegentlich anderen Genres einen Besuch abstatten können, darunter der Komödie. Das bekannteste Beispiel ist sicherlich der Überhit Ghostbusters – Die Geisterjäger, der ein ganzes – mal mehr mal weniger erfolgreiches – Franchise begründete. Aber auch sonst finden sich immer mal wieder Werke, die einen mit dem Übernatürlichen zum Lachen bringen wollen. Mit Ghost Bastard schafft es nun auch mal wieder eines davon in unsere Kinos. Selbstverständlich ist das nicht, handelt es sich doch um eine kleine Produktion aus der Schweiz und Deutschland, die auch nicht mit großen Stars protzen kann.
Der Humor des Films entsteht zum einen aus dem immer wieder beliebten Prinzip, dass nur die Hauptfigur den Geist sehen kann. Das kennt man unter anderem aus den Serien Ghosts und Setz’ aufs Leben. So wie dort sollen die Zuschauer und Zuschauerinnen darüber lachen, wenn Elli immer wieder in peinliche Situationen gerät und sie auf etwas reagiert, das für andere nicht da ist. Außerdem darf es zu großen Reibungen zwischen den Figuren kommen, auch weil sie in Ghost Bastard unterschiedlich angelegt sind. Der im Zynismus badende Mike treibt so seine jugendliche Begleiterin in den Wahnsinn. Beide Charaktere schenken sich nichts, zumindest am Anfang wird da immer mal wieder ausgeteilt, wenn sie eigentlich gar nicht miteinander können, dann aber doch irgendwie aufeinander angewiesen sind.
Sympathisch, aber wenig originell
Dass sie sich mit der Zeit näherkommen und Freundschaft schließen, dürfte niemanden überraschen. Das ist bei diesen Filmen quasi Gesetz. Und auch, dass nach einem polternd-komischen Einstieg nachdenkliche Momente kommen, die mal trauriger sein dürfen, wird die wenigsten überraschen. Von Anfang an streut der eher als Schauspieler bekannte Erkan Acar, der mit Ghost Bastard nach Ronny & Klaid seinen zweiten Film inszeniert, Hinweise, dass das alles noch bitter werden könnte. Schließlich trauert die Protagonistin um ihren Vater und ist dabei ebenso einsam wie der Geist, der seit Längerem unbemerkt durch die Welt streift. So unterschiedlich die Figuren sind, sind beide doch auf ihre Weise verloren und suchen nach einem Weg, wieder weitermachen zu können.
Grundsätzlich ist das schon in Ordnung. Richtig originell ist es aber nicht, was hier erzählt wird. Sowohl bei den humorvollen Passagen wie auch dem tragischen Aspekt bleiben die Überraschungen aus. Bedauerlich ist zudem der Hang zum Kitsch im weiteren Verlauf, das wäre auch mit weniger Holzhammer möglich gewesen. Sympathisch ist Ghost Bastard aber durchaus, nicht zuletzt, weil im deutschsprachigen Independent-Bereich vergleichbare Filme fehlen. Die grundsätzlichen Aussagen des Films, wo es dann um die Verarbeitung von Traumata, aber auch Vergebung geht, ist sowieso nicht verkehrt. Insofern würde man der Komödie schon wünschen, dass sie ihr Publikum findet, selbst wenn bei der Geistergeschichte noch Luft nach oben gewesen wäre.
OT: „Ghost Bastard“
Land: Deutschland, Schweiz
Jahr: 2025
Regie: Erkan Acar
Drehbuch: Erkan Acar, Michael David Pate, Laura Sommer
Musik: Selcuk Torun
Kamera: Konstantin Freyer
Besetzung: Aliyah Acar, Philippe Reinhardt, Franziska Machens
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