Der Magier im Kreml
© Constantin Film / c Carole Bethuel

Der Magier im Kreml

Der Magier im Kreml
„Der Magier im Kreml“ // Deutschland-Start: 9. April 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Russland, Anfang der 1990er: Vadim Baranov (Paul Dano) versucht sich in dem Land, das sich nach dem Ende der Sowjetunion neu erfinden muss, zunächst an künstlerischer Arbeit, bevor er zum Fernsehen wechselt. Mit Reality TV lässt sich schließlich ein viel größeres Publikum erreichen, Baranov weiß, was die Menschen wollen. Dieser Ruf eilt ihm voraus, als die Politik das Talent des jungen Mannes für sich entdeckt. Er ist es auch, der Wladimir Putin (Jude Law) beratend zur Seite steht. Eigentlich ist dieser ein Mann des Geheimdiensts, mit Politik und der Öffentlichkeit kann er nicht viel anfangen. Umso wichtiger ist jemand, der ihm dabei hilft, die Massen für sich einzunehmen. Und auch wenn die beiden Männer unterschiedlicher kaum sein könnten, wird daraus eine Zusammenarbeit, von der beide profitieren …

Romanadaption über einen Mann im Schatten

Auch wenn der Irankrieg den in der Ukraine aus dem Bewusstsein vieler Menschen gedrängt hat und Trump mit täglich neuen Entgleisungen die Nachrichten dominiert, ist Wladimir Putin doch jemand, der wie kaum jemand die weltweite Politik beeinflusst. Kein Wunder also, dass regelmäßig Filme über ihn gedreht werden. Gerade erst wurde die Dokumentation Ein Nobody gegen Putin über Propagandamaßnahmen rund um den Krieg mit einem Oscar ausgezeichnet. Auch das groteske Deepfake-Biopic Putin erhielt einiges an Aufmerksamkeit. Mit Der Magier im Kreml kommt nun ein weiterer Film bei uns in die Kinos, in dem der russische Despot eine wichtige Rolle spielt. Anders als bei den anderen Titeln ist er jedoch nicht der Protagonist oder die bestimmende Figur, zumindest nicht die ganze Zeit hindurch.

Stattdessen steht Baranov im Mittelpunkt. Diese Figur ist prinzipiell fiktional, weshalb das hier kein klassisches Biopic ist. Allerdings ließ man sich bei dieser von Vladislav Surkov inspirieren, der sich im Schatten des Führers aufhielt. Die Adaption des 2022 veröffentlichten Romans Le Mage du Kremlin von Giuliano da Empoli beschreibt ihn als gerissenen Strategen, der weiß, wie sich Menschen gewinnen und manipulieren lassen. Dabei ist er kein brutaler Demagoge, der die Weltansichten seiner Auftraggeber teilt. Er ist leise, ist an den Künsten interessiert, sticht im Umfeld Putins hervor, obwohl er sich zurückhält. Das macht ihn auch zu einer sehr ambivalenten Figur. Er wirkt in Der Magier im Kreml zu keiner Zeit wie ein schlechter Mensch, ist allenfalls jemand, dem andere egal sind und der das Unglück in Kauf nimmt, wenn es für seinen Job nötig ist. Ganz einfach ist es daher nicht, ihn zu beurteilen.

Unterhaltsam und grenzüberschreitend

Auch bei anderen Figuren verzichtet der Film auf einseitige Verurteilungen. Der Magier im Kreml ist kein moralisierendes Werk, welches dem Publikum vorgeben will, was es zu denken hat. Das heißt aber nicht, dass Verbrechen und Abgründe relativiert werden. Diese werden durchaus immer wieder angesprochen, teils auf eine überraschend humorvolle Weise. Zwar wird das nie zu einer durchgängigen Satire, wie es The Death of Stalin war. Aber man findet schon einige überzeichnete Figuren und den Spaß an der Lächerlichkeit. Regisseur und Co-Autor Olivier Assayas hat da schon einige groteske Szenen zusammengestellt, die eindeutig der Unterhaltung dienen – etwa, wenn der abgehalfterte Jelzin noch irgendwie den Menschen da draußen verkauft werden muss.

So ganz kann sich der Film, der im Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig 2025 Weltpremiere feierte, aber nicht entscheiden, was er denn nun sein will, was auch die sehr unterschiedlichen Genrebezeichnungen demonstrieren. So findet man hin und wieder die Einordnung Thriller, schwarze Komödie ist ebenso dabei wie das klassische Drama. Diese verschwimmenden Grenzen sind allgemein ein Merkmal des Films, der beispielsweise oft offen lässt, was nun real und was ausgedacht ist. Aber auch die Vielzahl an Themen, die in den zweieinhalb Stunden angesprochen werden, trägt dazu bei, dass man bei Der Magier im Kreml nicht immer sagen kann, was man sich da eigentlich gerade anschaut. Sehenswert ist das Ergebnis aber durchaus, ob wir uns nun mit schrägen Typen beschäftigen, etwas über die Geschichte lernen oder uns auch damit auseinandersetzen, wie man an die Macht kommt und diese behält. Diskussionsstoff ist da eine ganze Menge dabei, selbst wenn einen die Fülle zuweilen erschlagen kann.

Credits

OT: „Le Mage du Kremlin“
IT: „The Wizard of the Kremlin“
Land: Frankreich
Jahr: 2025
Regie: Olivier Assayas
Drehbuch: Olivier Assayas, Emmanuel Carrère
Vorlage: Giuliano da Empoli
Kamera: Yorick Le Saux
Besetzung: Paul Dano, Jude Law, Alicia Vikander, Will Keen, Tom Sturridge, Jeffrey Wright

Bilder

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Der Magier im Kreml
fazit
„Der Magier im Kreml“ erzählt, wie ein gerissener TV-Produzent Putin zur Macht verhalf und hinter den Kulissen fleißig manipuliert. Das Ergebnis ist gleichermaßen unterhaltsam wie spannend, wenn Fakt und Fiktion ineinander übergehen. Allerdings kann sich der Film nie ganz entscheiden, was er sein und was er erzählen will, weshalb man ein wenig von der Fülle erschlagen wird.
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