In ihren Rollen als Janet und Ingrid begeben sich Zazie Beetz und Haley Lu Richardson in Good Luck, Have Fun, Donʼt Die (deutscher Kinostart: 12. März 2026) auf eine Mission, um die Welt vor ihrer Unterwerfung durch eine mächtige KI zu bewahren. Wir haben die beiden Schauspielerinnen bei der Berlinale 2026 zu dem neuen Sci-Fi-Abenteuer von Gore Verbinski interviewt und über Social-Media-Sucht, Gedichte über Geilheit und Vibratoren und die nervenaufreibende Arbeit am Set gesprochen. Da die beiden seit dem Dreh fast gar keinen Kontakt miteinander hatten, war die Stimmung entsprechend ausgelassen.
Wie lange habt ihr euch nicht gesehen?
Zazie Beetz: Bestimmt seit …
Haley Lu Richardson: Zwei Jahren!
Zazie Beetz: Ich bin tatsächlich ein bisschen traurig darüber.
Haley Lu Richardson: Ich bin auch ein bisschen nervös, weil ich dich so lange nicht gesehen habe.
Zazie Beetz: Schüchtere ich dich ein?
Haley Lu Richardson: (lacht). Ach, hör auf.
Ich habe eben schon mit Zazie auf Deutsch gesprochen, auf wie vielen Sprachen könntest du ein Interview geben?
Haley Lu Richardson: Nicht einmal Englisch! Ich bin grammatikalisch sehr unkorrekt in meiner Sprache. In meiner einzigen Sprache. Ich kann höchstens bis Fünf auf Japanisch zählen.
Zazie Beetz: (erstaunt) Wirklich?
Haley Lu Richardson: Ichi, ni, san, chi, go. Hab ich mit Duolingo geübt.
Zazie Beetz: Kannst du ein bisschen Deutsch?
Haley Lu Richardson: Ich habe mal ein Lied gelernt. Habe ich dir das erzählt?
Zazie Beetz: Ja, hast du. Du hast auch versucht, es zu singen. Und ich dachte mir: Das sind keine Worte. Welchen Song willst du mir gerade vorsingen?
Haley Lu Richardson: Ich habe ihn von meinem Gesangslehrer gelernt, er geht so (singt unverständliche Sätze) … Das sind keine Worte oder?
Zazie Beetz: (lacht) … Überhaupt keine!
Wie heißt das Lied?
Haley Lu Richardson: Ich habe keine Ahnung. Aber ich kann dir versichern, dass ich mir das nicht ausdenke. Denn ich könnte denselben Song immer und immer wieder singen. Ich schwöre es.
Zazie Beetz: Ich kann einzelne Teile erkennen, „Dein“ ist ein Wort (Haley fängt wieder an zu singen), „Sieht“ ist ein Wort.
Es ist klassische Musik, Oper …
Haley Lu Richardson: Ja, ich habe Operngesang gelernt. Ich musste auch mal für ein Vorsprechen singen, aber ich kann nicht öffentlich sagen wofür … Verschwenden wir eigentlich deine Zeit?
Zazie Beetz: Ich kann kaum glauben, was für ein Energielevel du hast, weil du so viel Presse gemacht hast. (zu mir gewandt) Sie hat Anfang des Jahres ein Gedichtband mit dem Titel Ich bin traurig und geil herausgebracht. Und dann hatte sie auch noch eine Show namens Ponies, die herauskam.
Können wir mehr zu den Gedichten erfahren?
Haley Lu Richardson: (aufgeregt) Jaaa! Ich möchte, dass es in Deutschland groß wird! Komm schon. Deutsche sind auch traurig und geil.
Traurig und geil. Das ist eine interessante Kombination.
Haley Lu Richardson: Ja. Aber ich sage dir, sie hängen wirklich zusammen. Je trauriger ich bin, desto geiler bin ich. Und seltsamerweise umso trauriger. Was ist deine Frage?
Zazie Beetz: Nun, du hast angefangen, sie zu schreiben, als wir diesen Film gedreht haben.
Haley Lu Richardson: Ich möchte damit irgendwie für mein Buch werben. Denn ehrlich gesagt … Weißt du, mir ist klar geworden, dass mich wahrscheinlich das zum Schreiben angeregt hat, als ich dort war, weil … Weil Ingrid in diesem Film allergisch gegen WLAN ist, habe ich Instagram gelöscht. Ich hatte zweieinhalb Monate lang kein Instagram, während wir dort waren. Und ich habe mein Handy auch nie mit zum Set genommen. Ich war also ständig mit meinem gegenwärtigen Ich und meinen Gedanken beschäftigt.
Du hast Method Acting probiert.
Haley Lu Richardson: Ja, das stimmt. Ja, das habe ich. Ich habe es einfach versucht. Denn es ist schon extrem, wenn man das nicht so oft um sich hat.
Zazie Beetz: Vor allem, wenn alle anderen es haben.
Haley Lu Richardson: Also dachte ich mir, ich wollte es einfach mal ausprobieren und testen. Und wahrscheinlich war es auch gut für meine psychische Gesundheit.
Zazie Beetz: Du hast auch gestickt.
Haley Lu Richardson: Ich habe viel gehäkelt. Ich habe geschrieben, ich habe viel Tagebuch geführt, ich habe Gedichte geschrieben, ich habe Gespräche geführt. Ich saß still da, ohne Ablenkung. Und ich glaube wirklich, dass mich die Zeit, in der ich keine sozialen Medien und mein Handy hatte, um ständig darauf zu schauen, inspirierter und kreativer gemacht hat. Ja. Ich habe eine Menge Gedichte geschrieben, weil ich dachte, wenn man nicht ständig etwas hat, auf das man sich verlassen kann und das einen von den eigenen Gefühlen ablenkt, muss man seine Gefühle tatsächlich mehr spüren. Deshalb ging ich nach der Arbeit nach Hause und hatte all diese Gefühle von Erschöpfung, Überforderung, Traurigkeit, Geilheit, Einsamkeit, Herzschmerz, Ablehnung, all diese Dinge. Und dann schrieb ich darüber.
Zazie Beetz: Ich habe das Gefühl, dass du da eine Menge durchgemacht hast.
Kannst du uns ein Beispiel geben?
Haley Lu Richardson: Ich habe ein Gedicht über meine beste Freundin geschrieben, nämlich meinen Vibrator.
Hat es einen Namen?
Haley Lu Richardson: Ja … Bestie. (Zazie lacht)
Wie schwer ist es, Gedichte zu schreiben? Es ist ja eine Art Königsdisziplin.
Haley Lu Richardson: Nun, ich bin nicht gerade ein Genie. Ich bin keine ausgebildete Dichterin. Es gibt eigentlich keinen Grund, warum ich ein Gedichtband veröffentlicht haben sollte, außer dass ich einfach viele Gefühle habe und nicht weiß, was ich damit anfangen soll. Und ich denke, so klingt es auch.
Zazie Beetz: Ich liebe es zu zeichnen. Ich erinnere mich, dass ich als Kind nach der Schule nach Hause kam und dachte: Oh, ich hatte einen so langen Tag in der Schule. Und dann entspannte ich mich, indem ich drei Stunden lang zeichnete oder drei Stunden lang schrieb oder einfach nur nähte oder etwas in der Art machte. Aber jetzt habe ich das Gefühl, dass ich mich am Ende des Tages mit meinem Handy oder Videos von anderen Leuten, die irgendetwas tun, meine Hobbys, beruhige. Und das ist sehr interessant. Es fühlt sich wie eine Hürde an. Es fühlt sich wie eine Anstrengung an, die Dinge zu tun, die mir früher so viel Entspannung gebracht haben. Also habe ich mich letztes Jahr angemeldet. Ich habe einen Zeichenkurs besucht, zu dem ich persönlich hingehen musste und für den ich bezahlt habe. Und ich dachte mir, ich muss mir einfach die Erlaubnis geben, es einfach zu tun, und sagen: Ich möchte mir einfach zwei Stunden pro Woche Zeit nehmen, um zu üben, einfach hier in Ruhe zu sitzen und das zu tun, ohne das Gefühl zu haben, ich müsste woanders sein oder etwas anderes tun. Und es war auch so wunderbar, ein bisschen schlecht darin zu sein und zu denken: Was sollʼs.
Darf ich eine Frage zu eurer Energie stellen? Denn ich spüre, wieviel davon zwischen euch ist. Wie würdet ihr die Energie während der Dreharbeiten beschreiben?
Haley Lu Richardson: Ich würde sagen: verrückt!
Zazie Beetz: Wir waren alle in Südafrika, was für alle wirklich sehr weit weg von zuhause war. Und so mussten wir uns irgendwie zusammenrotten. Manchmal ist das nicht der Fall. Aber so war es. Ich glaube, wir haben wirklich gebondet, ich glaube auch, dass wir aufgrund des Traumas gebondet haben, weil wir wochenlang Nachtaufnahmen gemacht haben. Das Wetter war schlecht. Und wir waren in diesen, ich will nicht sagen, heruntergekommenen Unterkünften.
Haley Lu Richardson: Voller Schimmel!
Zazie Beetz: Es gab …
Haley Lu Richardson: … Es gab Probleme mit der Luft an einem Ort.
Zazie Beetz: Und 20 Leute sind nicht zur Arbeit erschienen!
Haley Lu Richardson: Aber da wurde mir klar, dass wir alle an der Situation wuchsen. Diese Kerngruppe … die Crew war unglaublich! Alleine Nightshoot-Gore [Verbinski] ist der Hammer!
Zazie Beetz: Die ganze Nacht am Rauchen!
Haley Lu Richardson: Die ganze Nacht lang Zigarren rauchend, vor Aufregung buchstäblich zitternd! Wir haben ein Bild von Gore auf dem Dach in der Nacht, in der wir die Szene mit den Zombie-Teenagern gedreht haben. Er steht einfach so auf dem Dach und tippt auf seinem iPad herum. Und seine Haare stehen ihm zu Berge, und er ist ganz gekrümmt und zittert. Auf dem Foto sieht man das nicht, aber ich erinnere mich daran. Ich werde nie vergessen, wie ich ihn in dieser Nacht um 3 Uhr morgens gesehen habe.
Zazie Beetz: Es ist wie eine Art Hyperfokus bei ihm. Und zwischen den Takes zeichnet er dann die Storyboards. Er rennt herum und hat dieses gewisse Etwas, wie es im Trailer gesagt wird …
Haley Lu Richardson: … „Vom völlig durchgedrehten Gore“!
Zazie Beetz: Es ist so wahr! Und ich glaube, das galt auch für alle anderen. Jeder ist ganz anders, aber alle haben ihre ganze Energie mitgebracht. Und ich glaube, wir hatten Glück damit. Ich glaube nicht, dass es viele Egos gab.
Haley Lu Richardson: Es gab wirklich keine schwarzen Schafe in der Gruppe.
Zazie Beetz: Und alle haben sich gegenseitig angefeuert. Denn es ist ja auch schwer in einem Ensemble, wo man denkt: Es sind so viele Leute. Man will nicht die Szene ruinieren, aber dann fragt man sich auch: Gehe ich in der Szene unter? Aber ich habe das Gefühl, dass wir uns während unserer Szenen gegenseitig applaudiert und gesagt haben: „Gut gemacht!“
Haley Lu Richardson: Ihr wart alle so unterstützend die letzten paar Tage des Drehs.
Hattet ihr ein paar improvisierte Momente oder lief alles nach Plan?
Zazie Beetz: Das ist tatsächlich interessant, denn Gore mag keine Improvisation. Aber Sam [Rockwell] und Michael [Peña] lieben es.
Haley Lu Richardson: Und er hat eine Menge davon bekommen.
Zazie Beetz: Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich nicht die beste Improvisatorin bin, deshalb habe ich Angst davor, mich zu verbessern.
Haley Lu Richardson: Nun, ich auch. Ich glaube, es hängt davon ab, wie der Charakter ist, den man spielt. Tatsächlich habe ich mich oft gefragt, ob ich das alles überhaupt sagen muss oder ob ich es nicht einfach mit einem Blick ausdrücken kann.
Zazie Beetz: Ich habe das Gefühl, dass Improvisation oft mit Comedy verwechselt wird. Aber Improvisation kann auch einfach generell in einer Szene sein, in der …
Haley Lu Richardson: … es sich natürlich anfühlt.
Zazie Beetz: Und man könnte einfach, wenn man in einer bestimmten Stimmung ist, eher das tun, was sich natürlich anfühlt, als genau das, was geschrieben steht. Ja. Ich glaube, das war zum Teil so. Zum Teil. Ja. Aber Sam hat das gelebt.
Haley Lu Richardson: Zunächst einmal ist Sam als Mensch generell so offen und verspielt, aber dann auch noch der Mann aus der Zukunft. Er ist einfach der perfekte Charakter, um einfach alles hinzuschmeißen, herumzuspielen und Dinge zu sagen wie „Setz dich auf mein Gesicht und nenn mich Weihnachtsmann“, was die beste Zeile ist, die ich je gehört habe. Und Sam hat sich das einfach aus den Fingern gesogen. Und es ist …
Zazie Beetz: Er ist wirklich gut!
Ich bin gespannt, wie er sich später im Interview verhalten wird, denn ihr passt irgendwie zu dem, was ihr im Film dargestellt habt. Aber er?
Haley Lu Richardson: Du denkst, ich passe zu Ingrid?!
Zazie Beetz: Manchmal habe ich das Gefühl, dass er irgendwie denkt: „Was sollʼs.“
Haley Lu Richardson: (rülpst leicht). Sorry, schon zum zweiten Mal.
Zazie Beetz: Ich habe das Gefühl, dass ich in Interviews normalerweise ernster bin als du.
Haley Lu Richardson: Bringe ich das in dir zum Vorschein?
Zazie Beetz: Ich werde sehr nervös, weil ich intellektuell und klug sein möchte.
Haley Lu Richardson: Oh, das interessiert mich überhaupt nicht.
Zazie Beetz: Ich denke, wenn mich jemand fragen würde, wer mein Celebrity Crush als Kind war, würde ich denken: Okay, wen soll ich nennen?
Haley Lu Richardson: Ich habe meine beiden getroffen.
Wen?
Haley Lu Richardson: Nick Jonas und Chris Pine. Ich habe Chris gerade erst getroffen.
Wie war es?
Haley Lu Richardson: Oh mein Gott. Ich war total begeistert. Ich habe sogar Fotos und Videos davon. Das war vor zwei Wochen beim Sundance Film Festival, und wir waren total aus dem Häuschen. Ich war so aufgeregt und fühlte mich krank und bekam sogar Fieber. Ich hätte gar nicht dort sein sollen. Aber ich wollte einfach unbedingt diesen anderen Film unterstützen, an dem ich mitgearbeitet habe. Aber egal, meine ganze Energie ging an Chris Pine. Und danach ging es mir richtig schlecht. Ich hatte 39 Grad Fieber und musste meine Pressetermine absagen, weil ich vor zwei Wochen meine ganze Energie für Chris verbraucht hatte. Aber er hat mich umarmt. Hoffentlich habe ich ihn nicht angesteckt. Naja, wahrscheinlich schon.
(Anzeige)

