
Der Waschbär Falcon hat geschickte Pfoten, die er vor allem dazu benutzt, Nahrungsmittel für andere Tiere zu besorgen. Wenn die einen mehr als genug haben und die anderen nichts, warum sollte er nicht für eine kleine Umverteilung sorgen? Und eben das hat er auch vor, als er an Bord des Zugs geht, um dort das Restaurantabteil zu bestehlen und die Leckereien an die übrigen Tiere zu verteilen. Soweit die Theorie. In der Praxis kommt es jedoch anders, als er feststellt, dass sein vermeintlicher Dachs-Komplize Hans ein ganz eigenes Ziel verfolgt. Dieser will die Gelegenheit nutzen, um sich an dem Polizeihund Rex zu rächen, der ihn seinerzeit ins Gefängnis gebracht hat. Zu dem Zweck ist er bereit, den kompletten Zug zu opfern – und alle Tiere, die sich darin befinden. Nur Falcon kann das unaufhaltsame Fahrzeug jetzt noch aufhalten …
Temporeiches Abenteuer
Es ist keine Seltenheit, dass in Animationsfilmen Tiere die Hauptrolle übernehmen und sich dort wie Menschen verhalten. Zoomania 2 wurde mit diesem Prinzip letztes Jahr zum Megahit, kein westlicher Animationsfilm hat jemals mehr eingespielt. Aktuell ist es Hoppers über eine ganz eigene Mensch-Tier-Beziehung, die in den Kinos für viel Spaß und auch den einen oder anderen emotionalen Moment sorgt. Da trifft es sich doch gut, dass mit Tierisch Abgefahren – Rettet die Pets nun ein weiterer Beitrag erscheint. Der war im vergangenen Jahr auf mehreren Festivals zu Gast, wurde in anderen Ländern auch bereits im Kino gezeigt. Mit einigen Monaten Verspätung ist nun das deutsche Publikum an der Reihe und darf sich das temporeiche Abenteuer anschauen.
Das besagte Tempo ist dabei vor allem durch das Setting vorgegeben. So spielt der Film zu einem großen Teil in einem fahrenden Zug, vergleichbar etwa zu den Thrillern The Commuter oder Hijack – Staffel 2. Während dort aber immer ein gewisser Mystery-Teil dabei ist, wenn das Publikum gemeinsam mit dem Protagonisten rätselt, was da gespielt wird und wer dahintersteckt, da sind hier die Verhältnisse klar. Sobald sich Hans als Bösewicht offenbart hat, ist klar, wohin die Reise geht. Die Spannung in Tierisch Abgefahren – Rettet die Pets besteht dann eher in der Frage, ob es Falcon gelingen wird, das Unglück noch aufzuhalten. Und das ist eher eine hypothetische Frage, schließlich handelt es sich um einen Animationsfilm, der eine jüngere Zielgruppe vor Augen hat. Das darf gar nicht böse ausgehen, selbst wenn zwischenzeitlich so getan wird.
Nicht wirklich spaßig
Aber der Animationsfilm, der auf dem Annecy Festival 2025 Weltpremiere hatte, ist eben auch kein Actionthriller. Stattdessen wird zwischendurch viel auf Humor gesetzt. Dieser ist ebenfalls eher auf eine jüngere Zielgruppe ausgerichtet und leider recht einfallslos geworden. Wo die oben genannte Konkurrenz zahlreiche witzige Einfälle hatte, die teilweise auch richtig absurd waren, da wird hier nur das Standardprogramm abgespult. Die gut gemeinten Einschübe, wenn Tierisch Abgefahren – Rettet die Pets gesellschaftliche Themen anspricht, allen voran soziale Medien, sind ebenfalls kein Ausdruck großer Kreativität geworden. Klar, bei den anvisierten Zuschauern und Zuschauerinnen kann das trotzdem funktionieren. Verkehrt ist es sicher nicht, da für ein bisschen Bewusstsein zu sorgen. Tatsächlich spaßig ist das Ergebnis aber kaum.
Es ist nicht einmal so, dass der Film visuell ein Hochgenuss wäre. Das französische Animationsstudio TAT Productions (Die Dschungelhelden – Das große Kinoabenteuer, Asterix & Obelix: Der Kampf der Häuptlinge) hat zwar schon ordentliche Arbeit vorgelegt, dessen Werk sticht aber weder technisch noch stilistisch hervor. Die Hintergründe sind eher schlicht, die Designs austauschbar. Das ist schade, weil das Setting eines fahrenden Zugs mal wirklich was anderes war, zumindest in dem Bereich. Und dann und wann ist da auch mal etwas Nettes dabei. Dass zum Beispiel eine Taube den verwaisten Waschbär bei sich aufgenommen hat, ist kurios. Insgesamt rauscht Tierisch Abgefahren – Rettet die Pets aber eher an einem vorbei, einen bleibenden Eindruck hinterlässt das nicht.
OT: „Falcon Express“
IT: „Pets on a Train“
Land: Frankreich
Jahr: 2025
Regie: Benoît Daffis, Jean-Christian Tassy
Drehbuch: David Alaux, Jean-François Tosti, Éric Tosti
Musik: Le Feste Antonacci
Animation: TAT Productions
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