
Mit seinen Thriller-Romanen hat der Autor Greg Russo (Steve Carell) ein großes Publikum erreicht, die Leser und Leserinnen lieben die Geschichten um den Detektiv Rooster. Das Verhältnis zu seiner Tochter Katie (Charly Clive) ist da schon etwas schwieriger. Dabei würde er ihr so gerne zur Seite stehen, auch weil deren Ehe mit Archie (Phil Dunster) gescheitert ist. Da trifft es sich doch ganz gut, dass ihm angeboten wird, an dem Ludlow College Vorträge zu halten, wo Katie als Kunstdozentin arbeitet. So richtig weiß Greg zwar nicht, was er dort tut, er gerät aufgrund seiner Tollpatschigkeit auch immer wieder in unglückliche Situationen. Dafür findet er auf dem Campus schnell Anschluss, sowohl bei anderen Lehrkräften, aber auch bei einigen Studierenden …
Aus dem Leben eines unbedarften Autors
Es gibt nicht eben wenige Filme und Serien, die sich um weiße Männer im fortgeschrittenen mittleren Alter drehen, die aus der Zeit gefallen sind und sich irgendwie neu orientieren müssen. Das geht oft mit Spott einher, wenn die Protagonisten als rückständig und wenig anpassungsfähig beschrieben werden – siehe etwa Alphamännchen vor einigen Wochen. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass die HBO Max Serie Rooster ein weiteres Beispiel für eine derart spöttische Veranstaltung ist, wenn der Autor künstlerisch eher weniger anspruchsvoller Romane auf einmal an einem College sein Wissen teilen soll. Denn von Anfang an gibt es berechtigte Zweifel, dass er über ein solches Wissen verfügt. Auf die Frage einer Studentin, warum er Frauen hasst, fällt ihm nur ein Gestammel ein.
Wobei die Serienschöpfer Bill Lawrence (Ted Lasso) und Matt Tarses von Anfang an klarmachen, dass der Protagonist kein Böser ist. Er will niemandem etwas zuleide tun. Es fehlt ihm nur manchmal das notwendige Feingefühl und das Bewusstsein dafür, was angemessen ist und was nicht. Das böte sich dann eigentlich an, dass da jemand einen Entwicklungsprozess durchmacht und dazulernt. Im deutschen Fernsehen passiert so etwas andauernd. Bei Rooster hat man diesen Anspruch aber nicht, zumindest nicht in den ersten sechs von zehn Folgen, welche vorab der Presse zur Verfügung gestellt wurden. Möglich, dass dies erst zu einem späteren Zeitpunkt geschieht, etwa in einer Folgestaffel. Denn eilig hat man es hier nicht, wenn wir aus dem Alltag der Figuren erfahren.
Spaßig und warmherzig
Ein wirkliches Thema hat Rooster dabei nicht. Es werden zwar mehrere im Laufe der Zeit angeschnitten, wobei auf einen Mix aus gesellschaftlichen und persönlichen Inhalten gesetzt wird. Aber das ist hier dann doch eher eine Slice-of-Life-Geschichte, die von dem Miteinander der verschiedensten Menschen erzählt. Dieses ist geradezu chronisch kompliziert. Ob Vater und Tochter, Mann und Frau oder auch Lehrkraft und Studierende, da gibt es zahlreiche Stolpersteine und Missverständnisse. Zuweilen ist es die mangelnde Kommunikation, die dafür sorgt, dass die Leute nicht so ganz miteinander können, ohne dass sich daraus aber eine konkrete Anleitung ableiten ließe, wie es besser geht. Wirkliche Erkenntnisse nimmt man hier nicht mit.
Aber das muss ja auch nicht sein. Denn selbst wenn die Serie vielleicht nicht den Tiefgang oder den satirischen Biss mitbringt, den man sich vielleicht gewünscht hätte, macht sie doch Spaß. Vergleichbar zu DTF St. Louis kürzlich, einer weiteren HBO Max Produktion, wachsen einem die Figuren mit der Zeit ans Herz, man erkennt die Vorzüge und die Menschlichkeit hinter dem tollpatschigen Äußeren. Wer auf der Suche nach einer Komödie ist, die zwar hin und wieder spöttelt, insgesamt aber doch eher warmherzig und nett angelegt ist, findet mit Rooster ein gutes Beispiel. Dabei lebt die Serie ganz klar auch von der Besetzung. Im Mittelpunkt mag dabei Steve Carell stehen, der diesen Mix aus lächerlich und liebenswürdig wie kaum jemand anderes beherrscht. Aber auch die weniger bekannten Kollegen und Kolleginnen liefern genügend Gründe, warum man sich bei diesem College einmal einschreiben kann.
OT: „Rooster“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Jonathan Krisel
Drehbuch: Bill Lawrence, Matt Tarses
Idee: Bill Lawrence, Matt Tarses
Musik: Andrew Watt
Kamera: Blake McClure
Besetzung: Steve Carell, Danielle Deadwyler Phil Dunster, Charly Clive, Lauren Tsai, John C. McGinley, Maximo Salas
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