
Melissa (Meghan Carrasquillo) kann eine kleine Auszeit gut gebrauchen. Da trifft es sich doch gut, als sie eine Stelle in einem abgelegenen Turm mitten im Wald erhält. Ihr Job ist es, nach Feuern Ausschau zu halten und ihre Beobachtungen weiterzugeben. Das ist weder anspruchsvoll noch aufregend. Tatsächlich warnt ihr Vorgänger sie, dass die Einsamkeit einen in den Wahnsinn treiben kann und sie sich eine Beschäftigung suchen soll. Der Einstieg in die neue Arbeit ist ein wenig holprig, es kommt mehrfach zu Konflikten mit ihrem Vorgesetzten, der den Ruf genießt, besonders streng zu sein. Insgesamt gefällt ihr dieses Dasein aber ganz gut. Doch dann beginnt sie, immer eigenartigere Erfahrungen zu machen. Irgendjemand oder irgendetwas ist da noch in dem Wald …
Der Horror des Alleinseins
Kaum ein Setting ist im Horrorgenre ähnlich beliebt und bewährt wie das des Waldes. Unzählige Filme sind dort angesiedelt und erzeugen allein schon durch den Schauplatz viel Atmosphäre. Aus gutem Grund: Wälder sind oft abgelegen, weshalb im Notfall keine Hilfe zur Stelle ist. Sie sind oft auch dunkel und unübersichtlich, weshalb man schnell die Orientierung verlieren kann. Ob nun Klassiker wie The Blair Witch Project und Tanz der Teufel oder neuere Produktionen wie Keeper, man muss nicht lange nach Beispielen suchen. Mit Lookout – Der Turm findet nun der nächste Genrevertreter in einem solchen Umfeld den Weg zu uns. Diesmal gibt es sogar ganz besonders viel, wie der Film immer wieder verdeutlicht. Selbst mit einem Fernglas vom Turm aus sieht man nichts als Bäume.
Die US-Produktion betont zusätzlich noch den Faktor der Isolation, wenn der Protagonist – und damit dem Publikum – von dem ersten Moment an eingebläut wird, wie schrecklich einsam dieser Ort ist und man schnell den Verstand verlieren kann. Auch das ist im Horrorgenre ein beliebtes Motiv, siehe etwa Der Leuchtturm, wo zwei Männer zunehmend wahnsinnig werden. Lookout – Der Turm ist in der Hinsicht aber unerwartet zurückhaltend. Schon beim Setting selbst wollte man offensichtlich nicht wirklich in die Vollen gehen. Anstatt von Anfang an einen sehr dunklen, unheilvollen Platz zu etablieren, ist das hier alles hell und freundlich, geradezu idyllisch. Das Gefühl der Bedrohung entsteht allenfalls durch die Menschen, die durch den Wald streifen. Lange ist deshalb auch gar nicht klar, in welche Richtung das gehen soll. Nach einem rätselhaften Einstieg passiert einfach nichts.
Langweilig und unbefriedigend
Dass sich ein Horrorfilm Zeit damit lässt, die Bedrohung aufzubauen, diese zunächst auch gar nicht erst zu zeigen, ist zwar nicht grundsätzlich verkehrt. Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt etwa spannte das Publikum lang auf die Folter, was genau da eigentlich in den Weiten des Raumschiffs umherstreift. Die Zeit wird aber genutzt, um die Figuren zu etablieren und damit auch ein Gefühl dafür, mit wem wir da später mitfiebern sollen. Melissa bleibt aber nichtssagend, wird nie zu einer mitreißenden Protagonistin. Selbst die Sache mit dem potenziellen Verlust des Verstandes wird nicht genutzt. Und während der obige Klassiker tatsächlich meisterhaft eine unheilvolle Atmosphäre erschafft, da ist Lookout – Der Turm eher ein bisschen langweilig, zumindest wenn man eben mit der Erwartung an den Film geht, dass er Spannung erzeugt.
Das wird sich später ändern, wenn dann doch mal klar wird, worum es geht. Problematisch hierbei aber ist, dass vieles doch nicht klar. Tatsächlich bleiben nach dem Abspann so viele Fragen offen, dass so manche Zuschauer und Zuschauerinnen verärgert sein werden. Zwar ist auch das nicht grundsätzlich ein Fehler, Filme dürfen vage sein und das Publikum dazu ermuntern, eigene Theorien aufzustellen. Nur ist das hier einfach zu wenig. Wenn man schon so lange warten muss, bis ein Film liefert, sollte er das dann auch mal richtig tun oder wenigstens konsequent mysteriös auftreten. So aber ist Lookout – Der Turm einfach zu dünn, eine wenig lockende Mischung aus langweilig und unbefriedigend. Da kann dann auch der schönste Wald nichts mehr richten.
OT: „Lookout“
Land: USA
Jahr: 2025
Regie: Stefan Colson
Drehbuch: Brandon Cahela
Kamera: Sam Wilkerson
Besetzung: Meghan Carrasquillo, Trent Culkin
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