Kokuho – Meister des Kabuki
©SHUICHI YOSHIDA/ASP ©2025 "KOKUHO" Film Partners

Kokuho – Meister des Kabuki

Kokuho – Meister des Kabuki
„Kokuho – Meister des Kabuki“ // Deutschland-Start: 26. März 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Das Neujahrsbankett 1964 wird das Leben des 14-jährigen Kikuo (Soya Kurokawa) für immer verändern. So muss er dort mit ansehen, wie sein Vater, der Anführer eines Yakuza-Clans, von Rivalen ermordet wird. Doch am selben Abend macht er auch die Bekanntschaft des Kabuki-Darstellers Hanjiro Hanai (Ken Watanabe). Kikuo war selbst aufgetreten in einer Frauenrolle und hatte damit die Bühnenikone beeindruckt. Nach dem Massaker, dem zahlreiche Männer zum Opfer gefallen sind, nimmt Hanai den Jugendlichen bei sich auf. Durch seinen neuen Mentor taucht der Junge tiefer ein in diese altehrwürdige Kunst und freundet sich zudem mit Shunsuke (Keitatsu Koshiyama) an, dem Sohn von Hanjiro, der ebenfalls eine Kabuki-Lehre absolviert. Jahre später können Kikuo (jetzt: Ryo Yoshizawa) und Shunsuke (jetzt: Ryusei Yokohama) erste Erfolge aufweisen, werden aber auch zunehmend zu Rivalen …

Der erfolgreichste japanische Spielfilm aller Zeiten

Es ist doch immer ein besonderes Gefühl, wenn ein Film einen neuen Rekord aufstellt und man quasi live dabei ist, wenn Geschichte geschrieben wird. So avancierte Alles steht Kopf 2 2024 zum erfolgreichsten Animationsfilm aller Zeiten, ein Rekord, der wenige Monate später von Ne Zha 2 geradezu pulverisiert wurde. Ganz so epochal hat Kokuho – Meister des Kabuki dann zwar nicht eingeschlagen. Aber es hat doch dazu gereicht, in Japan der erfolgreichste Live-Action-Film aller Zeiten zu werden. Das ist für sich genommen schon beeindruckend. Vor allem aber imponiert das Ergebnis, weil das Drama weder Teil eines Franchises ist noch sonst große Crowdpleaser-Qualitäten hat, die ein Massenpublikum ansprechen würden. Wo andere Überflieger zumindest plausibel erschienen, da ist hier Monate später die Verwunderung noch immer groß.

Schon das Thema ist recht speziell. Natürlich ist Kabuki eine altehrwürdige Kunstform, die in Japan seit Jahrhunderten gepflegt wird. Aber man durfte doch skeptisch sein, ob sie ein heutiges Publikum ansprechen wird. Zumal Kokuho – Meister des Kabuki speziell von Onnagata spricht, Männern, die Frauenrollen übernehmen. Das Phänomen entwickelte sich, nachdem 1629 verboten wurde, dass tatsächliche Frauen auf der Bühne stehen. Damals mag das sinnvoll erschienen haben. Inzwischen ist das ein gewöhnungsbedürftiger Anachronismus. Aber eben auch ein faszinierender, wenn sich diese Theaterform die alten Regeln bewahrt hat und sich eine eigene Welt für das Publikum öffnet. Für westliche Zuschauer und Zuschauerinnen wird das einen gewissen Exotenbonus haben. Der Film ist aber nicht darauf angewiesen, wie der Erfolg in der Heimat zeigt.

Kunstwerk auch abseits der Bühne

Ein Punkt, der weltweit für Begeisterung sorgt, ist die Optik. Die Arbeit in Maske und Frisuren wurde kürzlich sogar mit einer Oscar-Nominierung belohnt – der erste japanische Film, dem diese Ehre zuteilwurde. Die Kostüme sind ebenfalls beeindruckend, wenn sie uns mitnehmen auf eine Zeitreise. Aber es ist auch die Inszenierung durch Sang-il Lee, ein mehrfach preisgekrönter japanischer Regisseur mit koreanischen Wurzeln, welche Kokuho – Meister des Kabuki zu einem Hingucker machen. Der Wechsel zwischen Weitaufnahmen und Close-ups, etwa beim Schminken, sind sehr kunstvoll geworden. Die eingangs erwähnte Szene, wenn die Neujahrsfeier in einem Massaker endet, ist fast schon unwirklich schön. Da sich die Geschichte über Jahrzehnte hinwegzieht, wird visuell auch einiges an Abwechslung geboten.

Gleichzeitig ist dieses Monumentale auch eine große Hürde. Nicht nur, dass das Drama, welches 2025 in der Quinzaine des cinéastes in Cannes Weltpremiere feierte, mit einer Laufzeit von drei Stunden ein echter Brocken ist. Die Vorlage, der 2018 veröffentlichte gleichnamige Roman von Shuichi Yoshida (The Promised Land), ist so umfangreich, dass es eigentlich noch mehr gebraucht hätte. Tatsächlich war die erste Schnittfassung auch viereinhalb Stunden lang und musste mühsam um ein Drittel gekürzt werden. Und das macht sich bemerkbar in einer Geschichte, die immer wieder fragmentarisch und anekdotisch ist. Einiges davon ist fremd, anderes bekannt. Im Grunde erzählt Kokuho – Meister des Kabuki davon, wie jemand seinem Traum nachjagt, mal Erfolge hat, mal scheitert und sich immer wieder fragen muss, ob es das überhaupt wert ist. Das mag dann nichts wirklich Neues sein, nicht annähernd so besonders wie das Milieu, in dem es spielt. Aber es ist doch mit viel Liebe zum Detail und einer genauen Beobachtungsgabe erzählt, für die sich diese lange Reise am Ende auch lohnt.

Credits

OT: „Kokuho“
Land: Japan
Jahr: 2025
Regie: Sang-il Lee
Drehbuch: Satoko Okudera
Vorlage: Shuichi Yoshida
Musik: Marihiko Hara
Kamera: Sofian El Fani
Besetzung: Ryo Yoshizawa, Ryusei Yokohama, Mitsuki Takahata, Shinobu Terajima, Min Tanaka, Ken Watanabe

Bilder

Trailer

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Kokuho – Meister des Kabuki
fazit
„Kokuho – Meister des Kabuki“ folgt zwei jungen Männern, die von einer Karriere beim Kabuki träumen. Das Drama nimmt uns mit in eine eigene Welt, erzählt dabei aber eine Geschichte, in die man sich problemlos hineinfühlen kann. Aber es ist vor allem visuell ein Erlebnis, ein mit viel Liebe zum Detail und kunstvoll erzähltes Porträt.
Leserwertung0 Bewertungen
0
8
von 10