
Seitdem die Römer Jerusalem besetzt haben, hat die jüdische Bevölkerung unter den hohen Steuern zu leiden, die ihnen abverlangt werden. Das bekommt auch der 13-jährige Johannes zu spüren, dessen Familie vom Fischfang lebt und die geforderten Summen einfach nicht aufbringen kann. Zwar versucht der Junge, seinen Beitrag zu leisten, aber ohne Erfolg. Die einzige Hoffnung ist ein Messias, von dem es heißt, dass er kommen und die Menschen befreien wird. Aber stimmt das auch? Während Johannes’ Mutter fest davon überzeugt ist, hat sein Vater daran seine Zweifel. Dann erfahren sie aber von einem Täufer, dass ein gewisser Jesus aus Nazareth der gesuchte Messias ist und tatsächlich in der Nähe sein soll …
Die Jesus-Geschichte für Kinder
Hierzulande haben sie allenfalls Nischenstatus. In den USA erfreuen sich Filme mit einer christlichen Botschaft aber durchaus einer größeren Beliebtheit. Die Angel Studios, aber auch andere Produktionsfirmen, veröffentlichen daher unentwegt Titel, welche diese Zielgruppe bedient. Oft geht es dann darum, dass jemand in eine Krise gerät und durch den Glauben an Gott gerettet wird. Subtil sind diese Werke praktisch nie, nuanciert auch nicht. Da geht es um Bestätigung, nicht um eine inhaltliche Auseinandersetzung. Und da man gar nicht früh genug anfangen an mit dem rechten Lebensweg, werden zuweilen auch speziell Kinderfilme in diesem Segment gedreht. So erschien letztes Frühjahr der Animationsfilm Der König der Könige, der die Geschichte von Jesus erzählte. Knapp ein Jahr später kommt mit Johannes und das Licht der Welt ein weiterer Animationsfilm für Kinder, der Jesus zum Thema hat.
Ungewöhnlich ist dabei die Perspektive. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Johannes, der als Jüngster zusammen mit seinem Bruder Jakobus zu den zwölf Aposteln gehört. Und doch ergibt die Wahl durchaus Sinn. Im Film ist er noch ein Kind, was viel Identifikationsfläche schafft. Wenn der Junge anfangs versucht, seiner Familie zu helfen, sein Eifer aber nicht zielführend ist, dann ist es nicht schwierig, sich in ihm wiederzufinden. Gleiches gilt für seine Wut über die Umstände, die er wiederholt als unfair beschreibt. Da dürfte ihm auch niemand widersprechen, zumal Johannes und das Licht der Welt mit sehr eindeutigen Einteilungen in gut und böse arbeitet. Ob es die Römer oder die Priester sind, das ist teilweise schon nahe an einer Karikatur, damit auch ja alle wissen, was sie zu denken haben.
Missionarisches Fantasyabenteuer
Auch sonst scheut man sich vor zu viel Ambivalenz. So wird Jesus zu Beginn noch in seiner Doppelfunktion als Mensch und Gottessohn gezeigt. Jemand, der zweifelt und Gefühle zeigt. Später wird das aufgegeben, er vollbringt dann nur noch Wunder und geht mit einem Gleichmut in den Tod, der nicht unbedingt dazu geeignet ist, etwas aus der Geschichte mitzunehmen. Johannes und das Licht der Welt ist dann doch eine typische Heldenverehrung, nur eben eine, die so weit weg ist von den Menschen, dass das als Inspiration kaum funktioniert. Anstatt vielleicht die Werte zu betonen, für die Jesus stand und die in den USA gern mal in Vergessenheit geraten, ist er hier ein Überwesen, das beliebig Wunder vollbringen kann und unsterblich ist. Als Fantasyabenteuer ist das unterhaltsam, mehr darf man nicht erwarten.
Der Unterhaltungsfaktor wird durch den Humor noch weiter verstärkt. Zwar kommt es dadurch zu etwas irritierenden Schwankungen – Slapstick und Mord passt nicht so ganz zusammen –, zumindest ein junges Publikum kann damit aber Spaß haben. Dazu gibt es eine Optik, die sich an traditionellem Zeichentrick orientiert und deutlich in Richtung Cartoon geht. Das wird bei manchen vielleicht nostalgische Gefühle wecken, Johannes und das Licht der Welt wirkt in der aktuellen Kinolandschaft aus der Zeit gefallen. Insgesamt ist es daher doch nicht verkehrt, wenn der Film es zu uns schafft, da er zumindest teilweise mehr bietet als andere missionarische Beiträge. Tatsächlich gut ist die animierte Bibeladaption aber kaum geworden.
OT: „Light of the World“
Land: USA
Jahr: 2025
Regie: Tom Bancroft, John J. Schafer
Drehbuch: David Armstrong, Drew Armstrong
Musik: Alex McKenzie
Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.
(Anzeige)









