
Seit einiger Zeit schon ist Bettina Halbach (Ina Weisse) nicht mehr glücklich in ihrer Ehe. Dennoch ist der Schock groß, als ihr Mann Alexander (August Zirner) tot aufgefunden wird. Offensichtlich hatte dieser die Gezeiten falsch eingeschätzt und ist so tragisch in der Nordsee ertrunken. Zumindest ist klar, dass er eines natürlichen Todes gestorben, so die Ansicht der ermittelnden Polizistin Maike Harms (Bernadette Heerwagen). Und doch bleiben Zweifel. Zum einen sollte sich Alexander eigentlich in der Gegend auskennen, da die beiden schließlich ein Sommerhaus auf der Insel haben, wo sie viel Zeit verbracht haben. Ein Unfall kann da eigentlich nicht sein. Aber auch ein Selbstmord ist ausgeschlossen, wenn es nach der gemeinsamen Tochter Mia (Leonie Benesch) geht. Könnte vielleicht Tom Larson (Jürgen Vogel) etwas mit der Sache zu tun haben, der Geliebte von Bettina?
Adaption nach Siegfried Lenz
Am 17. März 2026 wäre Siegfried Lenz 100 Jahre geworden. Kein Wunder also, dass das Fernsehen derzeit vollgestopft ist mit Filmen, die auf den Romanen und Erzählungen des bekannten deutschen Schriftstellers basieren, der gern zu den wichtigsten im Nachkriegsdeutschland gezählt wird. Da ist beispielsweise Schweigeminute über eine Lehrerin, die sich in einen ihrer Schüler verliebt. Der Überläufer wiederum erzählt von einem jungen Soldaten, der Ende des Zweiten Weltkriegs lebensverändernde Erfahrungen macht. Und auch Die Flut ist pünktlich basiert auf einer Geschichte des Autors. Genauer stand eine Kurzgeschichte bei der TV-Produktion Pate, die 2014 das erste Mal vom ZDF ausgestrahlt wurde und anlässlich des Geburtstags wieder ausgegraben wird.
Dabei drängt sich der Vergleich zu Der Anfang von etwas auf, einer weiteren TV-Adaption einer Geschichte von Lenz. Nicht nur, dass beide am Meer spielen und dieses eine große Rolle spielt – beide Male geht es um einen ertrunkenen Mann. Es handelt sich auch jeweils gewissermaßen um eine Mogelpackung. So dürfte das Publikum jeweils denken, sich einen Krimi anzuschauen. Beim einen Fall ist es ein totgeglaubter Mann, der womöglich wieder da ist. Bei Die Flut ist pünktlich ist ein Mann eines Todes gestorben, der auf den ersten Blick natürlich aussieht, auf den zweiten aber irgendwie eigenartig wirkt. Etwas stimmt da nicht, so viel ist klar. Das ist ein klassisches Krimiszenario. Die Frage ist dann immer, warum ist die Person gestorben und wer steckt dahinter. Wenn dann noch eine kriselnde Ehe und ein dubioses Verhalten hinzukommen, scheint die Richtung klar zu sein.
Mehr Drama als Krimi
Und doch ist das hier wie auch bei dem oben genannten Film in erster Linie ein Drama. Zwar wird auch bei Die Flut ist pünktlich die Wahrheit mit der Zeit enthüllt, stellt sich heraus, dass vieles anders ist, als man dachte. Gerade zum Ende hin warten auf das Publikum mehrere Wendungen, wie man sie aus einem Genrebeitrag kennt. Doch Lenz interessiert sich stärker für die Figuren und ihre Beziehungen. Wir lernen eine Reihe von Menschen kennen, die alle auf ihre Weise unglücklich sind, sich teilweise gegenseitig auch unglücklich machen. Und wie so oft wurde darüber nicht offen gesprochen, weshalb sich die Situation mit den Jahren verschlimmert hat und sich niemand mehr zu helfen wusste.
An und für sich ist das schon tragisch, liefert Stoff für ein bewegendes Drama. Die Flut ist pünktlich hat aber mehrere Mankos. Zum einen merkt man dann doch, dass die Vorlage eine Kurzgeschichte war, die hier auf anderthalb Stunden ausgebreitet wurde. Natürlich gibt es tolle Landschaftsaufnahmen, die zwischendurch auch mal für sich sprechen können, ohne dass viel geschieht. Auf Dauer ist das aber etwas dünn. Und dann ist da noch das Ende, welches ganz emotional gemeint war, dabei aber schon irgendwie albern ist. Gerade für einen Film, der von den alltäglichen Problemen erzählt, ist das einfach zu konstruiert. Insgesamt ist das hier daher nicht mehr als Durchschnitt. Da gab es schon interessante Adaptionen von Lenz.
OT: „Die Flut ist pünktlich“
Land: Deutschland
Jahr: 2014
Regie: Thomas Berger
Drehbuch: André Georgi
Vorlage: Siegfried Lenz
Musik: James Newberry
Kamera: Matthew Libatique
Besetzung: Ina Weisse, August Zirner, Bernadette Heerwagen, Jürgen Vogel, Leonie Benesch, Nicolette Krebitz
Amazon (DVD „Die Flut ist pünktlich“)
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