
Ein Jahr ist es her, dass das Containerschiff untergegangen ist und dabei die gesamte Besatzung mit in den Tod riss. Seither trauert die Meteorologin Anne Hoppe (Ina Weisse) vom Seewetteramt Hamburg um ihren Mann Harry (Juergen Maurer), der ebenfalls an Bord war. Dass seine Leiche niemals gefunden wurde, macht die Situation für sie nicht einfacher. Umso größer ist der Schock, als sie ihn bei einer Gedenkfeier unter den Gästen zu sehen glaubt. Dass das nicht sein kann, weiß sie selbst, weshalb sie das für ein Hirngespinst hält. Als jedoch kurze Zeit später jemand bei ihr einbricht und sie erneut glaubt, Harry zu sehen, kommen ihr Zweifel. Was, wenn er damals doch nicht gestorben ist? Da die Polizistin Inga Petersen (Franziska Hartmann), die den Einbruch untersucht, nicht an diese Theorie glaubt, bleibt ihr nichts anderes übrig, als selbst nach der Antwort zu suchen …
Rätselhaftes Szenario
Siegfried Lenz wird gern zu den bekanntesten deutschen Schriftstellern der Nachkriegsliteratur gezählt. Insgesamt 15 Romane und mehr als hundert Erzählungen und Stücke verfasste der Autor im Laufe der Zeit. Diese erfreuten sich gerade auch bei Filmschaffenden größerer Beliebtheit, in den letzten Jahrzehnten sind zahlreiche Adaptionen erschienen. Einige davon schafften es auf die große Leinwand, darunter Das Feuerschiff (1963) und Deutschstunde (2019). Vor allem aber im Fernsehen hat Lenz immer wieder Werke inspiriert, beispielsweise Schweigeminute (2016) und Der Überläufer (2020). Zu diesen TV-Adaptionen zählt auch die ZDF-Produktion Der Anfang von etwas aus dem Jahr 2019, basierend auf der gleichnamigen Novelle, die bereits 1958 veröffentlicht wurde.
Der Film ist dabei ein klein wenig trügerisch. So könnte man anfangs meinen, dass es sich um einen der unzähligen Krimis handelt, welche gerade das ZDF in kurzen Abständen sendet. Eine Frau, die ihren verschwundenen Mann sucht, nachdem dieser eventuell doch nicht tot ist? Das klingt schon sehr nach einem Genrebeitrag. Die Ermittlung von Privatpersonen auf eigene Faust ist ein beliebtes Motiv. Und es gibt zunächst ja auch einen höheren Mysteryanteil, wenn die Protagonistin – und damit das Publikum – rätselt, was es mit all dem auf sich hat. Lebt Harry doch noch? Und wenn ja, warum taucht er erst ein Jahr später auf? Der Anfang von etwas arbeitet zudem, auch das ist ein bewährtes Mittel, mit einer unzuverlässigen Hauptfigur. Es ist unklar, ob sie in ihrer Trauer sich das alles einbildet oder sie doch richtig gesehen hat. Denn sie ist die Einzige, wie immer in solchen Fällen, zahlreiche Horrorfilme und Psychothriller haben das ganz ähnlich gemacht.
Primär ein Drama
Und doch hinkt der Vergleich ein wenig, der erste Eindruck trügt. Ein Thriller ist der Film auf keinen Fall, da Anne Hoppe nie in eine brenzlige Situation gerät, also nie Gefahr herrscht. Und auch die Einteilung als Krimi wäre etwas übertrieben. Die Protagonistin will die Wahrheit herausfinden, mehr als das ist es aber nicht. Manche werden sich hier deshalb vielleicht auch langweilen. Zwar erzeugt Regisseur Thomas Berger, der an vielen Krimis gearbeitet hat, eine düstere Atmosphäre und scheut auch nicht davor zurück, richtig plakativ zu werden. Es passiert aber nicht so wahnsinnig viel, ein bisschen ist das schon eine Mogelnummer. Ungeduldigere Naturen könnten deshalb mit Der Anfang von etwas ihre Probleme haben.
Tatsächlich ist der Film in erster Linie ein Drama. Während rekonstruiert wird, was vor einem Jahr in Wahrheit geschehen ist, muss sich Hoppe mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, wo die Antwort auf die Fragen zu suchen ist. Ohne viel vorwegnehmen zu wollen, geht es dann nicht um kriminologische Abgründe, sondern zwischenmenschliche. Geht es um Leute, die sich gegenseitig das Leben kaputtmachen, dabei aber nicht zu Mördern werden. Die besagte plakative Art ist dabei nicht immer zielführend, Der Anfang von etwas wirkt des Öfteren recht unnatürlich, obwohl die behandelten Themen sehr alltäglich sind. Wen das nicht stört, findet hier einen durchaus soliden Titel, der Tragik und Rätsel miteinander verbindet.
OT: „Der Anfang von etwas“
Land: Deutschland
Jahr: 2019
Regie: Thomas Berger
Drehbuch: Mathias Klaschka
Vorlage: Siegfried Lenz
Musik: Christoph Zirngibl
Kamera: Frank Küpper
Besetzung: Ina Weisse, Juergen Maurer, Franziska Hartmann, Hinnerk Schönemann, Johann von Bülow, Gaby Dohm, Hansjürgen Hürrig, Natalia Rudziewicz
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