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Das Massaker von Katyn

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„Das Massaker von Katyn“ // Deutschland-Start: 17. September 2009 (Kino) // 15. April 2010 (DVD / Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Als 1939 der Zweite Weltkrieg beginnt, wird Polen gleich doppelt zum Opfer. Während Deutschland von Westen aus das Land überfällt, startet die Sowjetunion im Osten seine Invasion. Dabei geraten auch 14.000 polnische Offiziere in Gefangenschaft. Die Angehörigen werden darüber im Unklaren gelassen, niemand weiß, was da vor sich geht und wer wo gelandet ist. Zwar gelingt es Anna (Maja Ostaszewska), ihren gefangen genommen Mann Andrzej (Artur Zmijewski) in einem der Lager zu finden. Doch sie scheitert bei dem Versuch, ihn zur Flucht zu bewegen. Später bricht der Kontakt ab, wie viele andere auch kann Anna nur hoffen und bangen. Erst Jahre später wird sie erfahren, was wirklich geschehen ist …

Erinnerung an ein vertuschtes Kriegsverbrechen

Dass Kriege nicht nur au dem Schlachtfeld gewonnen werden, ist kein Geheimnis. Aktuelle Beispiele sind die russische Invasion in der Ukraine und der israelisch-US-amerikanische Angriff auf Iran, wo mit gezielter, oft sehr dreister Desinformation gearbeitet wird. Wichtig ist nicht, ob eine Geschichte wahr ist. Sie muss nicht einmal glaubwürdig sein. Es reicht, wenn es die einzige ist. Ein älteres Beispiel hierfür ist das in Das Massaker von Katyn beschriebene Ereignis. Rund 22.000 polnische Soldaten wurden 1940 auf Befehl von Stalin hingerichtet, anschließend breitete man den Mantel des Schweigens darüber aus. Als das Verbrechen doch noch aufgedeckt wurde, behauptete man in der Sowjetunion einfach, dass die Deutschen das waren – eine Lüge, die erst Jahrzehnte später zugegeben wurde.

Der legendäre polnische Regisseur Andrzej Wajda (Der Kanal) machte es sich hier zur Aufgabe, seinen Beitrag dazu zu leisten, dass dieses Verbrechen nicht in Vergessenheit gerät. Er wählte bei Das Massaker von Katyn allerdings einen ungewöhnlichen Zugang. So würde man bei dem Titel erwarten, dass eben dieses Kriegsverbrechen im Mittelpunkt steht. Aber erst sehr spät wird dieses gezeigt. Tatsächlich spielen die Opfer in dem Historiendrama nur eine Nebenrolle. Geschildert werden die Ereignisse aus der Sicht der Angehörigen, gerade der Ehefrauen, die auf eine Information warten, was mit ihren Männern geschehen ist. Damit veranschaulicht er, was es heißt, in einer Welt der Ungewissheit und Desinformation zu leben. Eine Welt, in der ständig Verbrechen verübt und vertuscht werden, niemand mehr sicher ist, aber auch niemand mehr Rechenschaft ablegen muss.

Wichtig, aber unausgegoren

Die zweite ungewöhnliche Entscheidung ist, dass Wajda zwar durch das Thema Identifikationsfläche schafft, aber darauf verzichtet, die Geschichte über Identifikationsfiguren zu erzählen. Zwar steht Anna schon stärker im Fokus, stellvertretend für viele andere. Dennoch ist Das Massaker von Katyn ein episodisch gehaltener Film, der immer wieder zwischen Figuren, Strängen und Orten hin und her wechselt. Das macht es zum einen schwierig, immer den Überblick zu behalten. Ein bisschen orientierungslos darf man sich dabei schon fühlen, zumal das Historiendrama auf Kontexte und Erklärungen verzichtet. Das Publikum wird da schon eher allein gelassen. Dafür wird es an anderen Stellen umso expliziter und auch etwas plump. Da wird dann schon mit manipulativen Elementen gearbeitet, die Figurenzeichnung ist ebenfalls nicht sonderlich ausgefeilt.

Das Ergebnis ist etwas zwiespältig. Immer mal wieder ist Das Massaker von Katyn überwältigend und lässt einen daran teilhaben, was es bedeutet, derart hilflos zu sein, anderen ausgeliefert zu sein. Der Film schwankt dabei aber zwischen dokumentarisch-nüchtern und dick aufgetragen, was nicht so wirklich überzeugt. Letzten Endes ist das Historiendrama dann doch eher eins, das von der Bedeutung seiner Geschichte lebt und von dieser zuweilen überdeckt wird. Als Mahnmal und Erinnerung ist das natürlich wichtig. Und es gibt diesen erschreckend aktuellen Aspekt, wenn die Propagandamechanismen von einst Jahrzehnte später mit ebenso wenig Scham fortgesetzt werden. Auch das macht die Geschichtsstunde bedeutsam – und zugleich niederschmetternd.

Credits

OT: „Katyn“
Land: Polen
Jahr: 2007
Regie: Andrzej Wajda
Drehbuch: Przemyslaw Nowakowski, Wladyslaw Pasikowski, Andrzej Wajda, Andrzej Mularczyk
Musik: Krzysztof Penderecki
Kamera: Pawel Edelman
Besetzung: Andrzej Chyra, Maja Ostaszewska, Artur Zmijewski, Danuta Stenka, Jan Englert, Magdalena Cielecka

Bilder

Trailer

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Das Massaker von Katyn
fazit
„Das Massaker von Katyn“ erzählt von dem lange geleugneten Kriegsverbrechen der Sowjetunion an polnischen Gefangenen. Als Geschichtsstunde ist das bedeutsam, einzelne Stellen sind auch sehr eindrucksvoll. Das Historiendrama kann sich aber nicht entscheiden, ob es nüchtern-distanziert oder manipulativ sein will. Die mangelnden Identifikationsfiguren machen es auch etwas schwierig.
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