
Als die wohlhabende Frédérique (Stéphane Audran) eines Tages auf einer Brücke über die Seine unterwegs ist, fällt ihr Why (Jacqueline Sassard) ins Auge, die gerade mit ihrer Pflastermalerei beschäftigt ist. Frédérique beginnt ein Gespräch und lädt die jüngere Frau zu sich nach Hause ein. Mehr noch, sie nimmt die Fremde mit zu ihrer Villa nach Saint-Tropez, wo die beiden ihrer Affäre nachgehen. Dies nimmt jedoch ein Ende, als bei einer Pokerpartie der Architekt Paul Thomas (Jean-Louis Trintignant) auftaucht. Dieser verbringt die Nacht mit Why, was Frédérique eifersüchtig macht. Also sorgt sie dafür, dass ein zweites Date zwischen den beiden nicht stattfindet. Mehr noch, sie beginnt selbst etwas mit dem Mann – was wiederum in Why Eifersucht weckt und die Stimmung in der Villa immer angespannter werden lässt …
Der Mensch als Besitz
Ein bisschen unglücklich ist der deutsche Titel Zwei Freundinnen ja schon gewählt. Zum einen darf man sich hier von Anfang an fragen, ob das, was die beiden Frauen miteinander verbindet, jemals einer Freundschaft nahekommt. Von Anfang an ist da ein Ungleichgewicht in der Beziehung, die von dem Alter, vor allem von den sehr unterschiedlichen Besitzverhältnissen geprägt ist. Denn während Frédérique gar nicht weiß, wohin mit dem Geld und sie sich im Luxus zu langweilen beginnt, da kann sich Why nur mühsam über Wasser halten. Außerdem geht in der deutschen Fassung die im französischen Originaltitel Les Biches noch angedeutete lesbische Beziehung der beiden Protagonistinnen verloren. Denn die ist schon da, bevor der Mann in die Runde tritt und damit für viel negative Emotionalität sorgt.
Dabei macht Regie-Legende Claude Chabrol, der gemeinsam mit seinem häufigen Co-Autor Paul Gégauff das Drehbuch geschrieben hat, gar nicht wirklich klar, was genau die drei füreinander empfinden – und aus welchem Grund. Irgendwie fühlt sich jede zu jedem hingezogen und umgekehrt. Ist es das gute Aussehen? Ist es das Geld? An manchen Stellen meint man auch, dass die Leute nur deshalb einander begehren, weil andere es tun. Da geht schon vieles mit einem Besitzanspruch einher. Menschen werden zu einem Objekt, einer Ware, über die man bestimmen möchte. Sympathisch ist das nicht gerade. Aber in Zwei Freundinnen gibt es keine Figuren, die wirklich als Identifikationsfläche dienen könnten oder denen man unbedingt die Daumen drücken müsste.
Sehenswerte Demontage
Theoretisch kommt zwar Why dafür in Frage, wenn sie buchstäblich von der Straße in oberste Kreise gerät und eine fremde Welt für sich entdeckt. Die meisten werden sich ihr näher fühlen als den völlig abgehobenen Kreisen, in denen sie sich später bewegt. Sie ist es auch, der zuerst übel mitgespielt wird. Das macht ihr späteres Verhalten verständlich, aber nicht entschuldbar. Aber Chabrol war nie jemand, der Verhalten moralisch beurteilen wollte. Das tut er hier dann auch nicht. Anstatt sich damit aufzuhalten, was richtig und was falsch ist, beobachtet er lieber, wie die Figuren sich immer mehr wehtun, teils bewusst, teils weniger. Zwei Freundinnen arbeitet dabei mit einer unheilvollen Atmosphäre. Man spürt hier früh, dass diese Figurenkonstellation noch zu viel Unglück führen wird. Offen ist jedoch, was genau geschehen wird und worauf diese Konflikte hinauslaufen werden.
Das kann man als Thriller bezeichnen, wenn man möchte. Manche haben das auch getan, vor allem wegen des Endes, bei dem es dann noch mal richtig böse wird. Genauso wäre aber auch Drama als Schublade passend, da es durchaus tragisch ist, wie sich Menschen das Leben zur Hölle machen, obwohl es überhaupt nicht notwendig gewesen wäre. Wie Why versucht, sich an den beiden anderen festzukrallen, auch indem sie ihr eigenes Ich ablegt, kann einem schon auch zu Herzen gehen – auf eine verstörende Weise. Ein bisschen schade ist es schon, wie wenig Zwei Freundinnen letztendlich in die Figuren investiert, man diese ganzen Leidenschaften oder Kontexte bekommt. Sehenswert ist diese erneute Demontage der Bourgeoisie aber auf jeden Fall.
OT: „Les Biches“
Land: Frankreich, Italien
Jahr: 1968
Regie: Claude Chabrol
Drehbuch: Paul Gégauff, Claude Chabrol
Musik: Pierre Jansen
Kamera: Jean Rabier
Besetzung: Jean-Louis Trintignant, Jacqueline Sassard, Stéphane Audran, Nane Germon, Henri Attal, Dominique Zardi
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