
Für das Ehepaar Candice (Sara Canning) und Joel (Daniel Gillies) ist es eine echte Berufung, als sie nach Ecuador gehen, um bei der indigenen Bevölkerung das Wort Gottes zu verbreiten. Ihr Sohn Elliot (Jett Klyne) ist eher weniger davon angetan, in die Wildnis zu ziehen, der missionarische Eifer seiner Eltern könnte ihm nicht egaler sein. Dabei ist es ausgerechnet er, der den Beistand Gottes braucht, als eine dämonische Kraft von ihm Besitz ergreift. Zunächst wissen die anderen nicht, was mit dem Jugendlichen geschehen ist. Als ihnen dämmert, womit sie es zu tun haben, bitten sie Vater Meyer (Alejandro Fajardo) um Hilfe, ein Exorzismus soll dem Jungen helfen. Die Konflikte mit den Einheimischen werden durch die Geschichte noch verstärkt, vermuten die Eltern doch, dass der Schamane (Humberto Morales) etwas mit der Sache zu tun haben könnte …
Der Horror der Provinz
Es gehört zu den im Horrorgenre immer wieder gern verwendeten Szenarien: Die Hauptfiguren verschlägt es in eine ländliche Gegend, wo sie grauenvolle Erfahrungen machen. Manchmal sind es die Menschen selbst, die den Fremden gegenüber feindlich gesinnt sind. Auch der eine oder andere Kannibale soll dort herumschwirren. Aber es können eben auch dämonische oder andere übernatürliche Wesen sein, die für Angst und Schrecken sorgen, siehe etwa die Hexe in The Blair Witch Project oder die Gottheit in Together – Unzertrennlich. Mit Shaman – The Final Exorcism kommt nun ein weiterer Film zu uns, der mit diesem Motiv spielt, wenn eine US-amerikanische Familie in eine abgelegene Gegend Ecuadors zieht, um dort anderen Menschen zu helfen, und dabei einen Alptraum erlebt.
Der Unterschied hier ist, dass die Hauptfiguren mit einem missionarischen Ziel vor Augen in die Gegend gekommen sind. Solche haben zwar eine lange Tradition, werden inzwischen aber zurecht mittlerweile kritisch gesehen. Nicht nur, dass dem Ganzen ein White-Saviour-Complex anhaftet, wenn die Weißen dem Rest zeigen wollen, wie es richtig geht. Es bedeutet auch, dass andere Kulturen von Natur aus als minderwertig angesehen werden. Shaman – The Final Exorcism spielt dann auch mit diesen Themen, wenn es zu Spannungen zwischen der Familie und den Einheimischen kommt. Glücklicherweise legt sich der Film dabei auch nicht ganz fest bzw. sieht die Familie durchaus kritisch, wenn Candice den Schamanen feindselig betrachtet und damit mehr Schaden anrichtet.
Gewöhnlicher Okkult-Horror
Wäre der Film konsequent in diese Richtung gegangen und mit diesem Zwischenspiel von Folk Horror und Christentum gearbeitet, hätte das ganz interessant werden können. Stattdessen verkommt Shaman – The Final Exorcism dann aber doch zu einem recht gewöhnlichen Exorzismusfilm. Weder die Szenen, in denen der Junge seine Besessenheit unter Beweis stellen darf, noch die, in denen man diese austreiben will, demonstriert der Film eigene Ideen. Über weite Strecken spielt eigentlich nichts mehr eine Rolle, nicht das Szenario, nicht das Setting, nicht die Figuren. Sonderlich spannend ist das dann nicht, auch wenn man schon versucht hat, das Ganze irgendwie unheimlich zu gestalten.
Ein paar Punkte gibt es zwar schon, die verhindern, dass der Film zu einer völligen Katastrophe wird. Neben der an und für sich originellen Konstellation ist da beispielsweise der Schauplatz. Es hat sicherlich Horrorfilme gegeben, die noch mehr aus dem Setting geholt haben. Aber nett anzuschauen ist das hier schon. Die Sache mit dem zweifelnden Priester, der seinen schwindenden Glauben mit mehr Alkohol auszugleichen versucht, geht auch in Ordnung. Nur reicht das so alles nicht aus. Shaman – The Final Exorcism ist ein letztendlich nur mäßiger Genrebeitrag, der aus dem Segment des okkulten Horrors viel zu wenig macht, um sich von der zahlreichen Konkurrenz abzuheben. Da verpasst man nicht viel, wenn man hier mal nicht einschaltet.
OT: „Shaman“
Land: Ecuador, UK, USA
Jahr: 2025
Regie: Antonio Negret
Drehbuch: Daniel Negret
Musik: Maria Vertiz, Chris Westlake
Kamera: Daniel Andrade
Besetzung: Sara Canning, Daniel Gillies, Jett Klyne, Alejandro Fajardo, Humberto Morales
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