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© ARD Degeto/Olaf Raymond Benold

Unterm Eis

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„Liebe am Fjord – Unterm Eis“ // Deutschland-Start: 6. Februar 2015 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Es ist schon eine Weile her, dass Isak Nerhus (David Rott) sein altes Heimatdorf hinter sich gelassen hat, um sich in der Großstadt eine Existenz als Informatiker aufzubauen. Jetzt ist er zurück, der Taufe seiner Nichte wegen. Einfach ist für den Endzwanziger die Rückkehr nicht. So ist das Verhältnis zu seinem traditionsbewussten Vater Thore (Henry Hübchen) angespannt, da dieser es ihm nie verziehen hat, die Familie und deren Großschreinerei verlassen zu haben. Deutlich besser sieht es bei seinem Bruder Jonas (Lucas Prisor) aus, mit dem er sich all die Jahre später noch sehr gut versteht. Dieser ist es auch, der vorschlägt, wie in ihrer Jugend eine Gletschertour zu machen. Doch dabei kommt es zur Katastrophe, als die beiden Brüder von einer Lawine erfasst werden. Während Isak mit Verletzungen davon kommt, wird Jonas verschüttet und ist seither vermisst …

Das Leben nach dem Tod

Manche werden sich vielleicht an die Reihe Liebe am Fjord erinnern, insgesamt zehn Filme produzierte die ARD, welche freitags zwischen 2010 und 2016 ausgestrahlt wurden. Dabei handelte es sich um in sich geschlossene Geschichten, die jedes Mal auch mit anderen Figuren arbeiteten. Unterm Eis wurde 2015 ausgestrahlt, als vorletzter der Reihe. Zu dem Zeitpunkt wurde auch schon nicht mehr mit dem Reihentitel gearbeitet. Glücklicherweise, da er zumindest bei dem Teil hier falsche Erwartungen wecken könnte. So klingt das Ganze eher nach einem von diesen Herzkino-Romanzen, bei dem vor idyllischen Kulissen die große Liebe heraufbeschworen wird. Erstere gibt es hier auch, Letztere nicht.

Anstatt das Publikum mit weltfremden Eskapismus-Liebeleien zu erfreuen, werden hier düstere Themen angesprochen. Das eine betrifft den Umgang mit dem Tod von Jonas. Der treue Sohn, Ehemann und Vater ist plötzlich weg, was nicht nur emotional riesige Löcher reißt. Auch im Hinblick auf den Familienbetrieb ist das eine Herausforderung, war es doch der Tote, der die Schreinerei am Laufen hielt. Der Vater ist inzwischen zu alt, er erblindet auch allmählich. Unterm Eis ist daher schon auch ein Trauerdrama rund um Menschen, die nicht wissen, wie sie diesen Tod verkraften sollen. Das ist bewegend, ohne manipulativ werden zu müssen. Das Drama ist meistens eher leise und zurückhaltend.

Einblick in eine kaputte Familie

Verbunden wird dieses Thema mit einem Blick auf die allgemeinen Familienverhältnisse. Diese sind schwierig, wie von Anfang an deutlich gemacht wird. Da ist nicht nur der Vater, der dem Junior nicht verziehen hat, weggegangen zu sein und ein ganz anderes Leben zu führen. Isak selbst hat zu kämpfen mit dem Gefühl, der ungeliebte Sohn zu sein. Einer, der es niemandem recht machen konnte, immer nur zweite Wahl gewesen zu sein. Auch an der Stelle wird in Unterm Eis einiges an Identifikationsfläche geboten. Unsicherheiten innerhalb einer Familie dürften die meisten kennen, ebenso das Gefühl, nie ganz die Anerkennung bekommen zu haben, die man gebraucht hätte. Der Weggang des Sohns, er war eine Mischung aus Selbstverwirklichung und Flucht.

Diese Passagen sind zwar nicht originell, aber doch gut gelöst. Das Ensemble tritt da überzeugend auf. Schwieriger wird es aber zum Ende hin, als noch eine weitere Wendung eingebaut wird. Zwar dient das schon ein wenig der Figurenzeichnung, wenn die Situation etwas komplexer wird. Es lenkt aber von den anderen Themen ab, hat diesen nichts hinzuzufügen und wird dadurch primär zu einem Störfaktor. Tatsächlich gebraucht hätte es das alles nicht. Es ist aber auch nicht so schlimm, um den Film insgesamt runterzuziehen. Unterm Eis ist ein insgesamt solides Drama, das sich mit schwierigen Fragen befasst und darauf keine einfachen Antworten gibt. Auch wenn man hier und da doch noch mehr Persönlichkeit hätte demonstrieren dürfen, anstatt die Klischees abzuarbeiten, ist es doch etwas schade, dass die ARD die Reihe nicht weitergeführt hat.

Credits

OT: „Liebe am Fjord – Unterm Eis“
Land: Deutschland
Jahr: 2015
Regie: Jörg Grünler
Drehbuch: Silke Zertz
Musik: Boris Bergmann
Kamera: Markus Selikovsky
Besetzung: David Rott, Henry Hübchen, Renate Krößner, Lucas Prisor, Julia Hartmann, Friederike Linke, Annika Blendl

Bilder

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Unterm Eis
fazit
In „Unterm Eis“ muss sich eine entfremdete Familie mit einem schweren Verlust sowie älteren Problemen auseinandersetzen. Das Drama bietet einiges an Identifikationsfläche und ist insgesamt solide. Teilweise verlässt man sich aber zu sehr auf Klischees, später gibt es eine unnötige Wendung, die von den Themen ablenkt.
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