
Es hätte eigentlich ein schöner Abend für Paige (Rachel McAdams) und Leo (Channing Tatum) sein sollen. Doch als sie nach einem Kinobesuch nach Hause fahren wollen, wird das Ehepaar von einem anderen Fahrzeug gerammt. Dabei wird vor allem Paige schwer verletzt und muss ins künstliche Koma versetzt werden. Als sie wieder zu sich kommt, stellt sich heraus, dass sie dabei auch ihr Gedächtnis verloren hat. Während ihre früheren Erinnerungen geblieben sind, weiß sie nichts mehr von ihrem aktuellen Leben – und damit auch nichts mehr von Leo. Dieser versucht zwar alles, um sie wieder für sich zu gewinnen und die Beziehung zu retten. Er bekommt jedoch unerwünschte Konkurrenz: Paiges Eltern Bill (Sam Neill) und Rita (Jessica Lange), zu denen sie keinen Kontakt mehr hatte, sind ebenso zurück wie ihr Ex-Freund Jeremy (Scott Speedman) …
Kann man Liebe vergessen?
Es ist ein in Filmen und Serien immer wieder gern verwendetes Szenario: Die Hauptfigur kommt zu sich, kann sich an nichts erinnern und muss im Anschluss versuchen, die Vergangenheit zu rekonstruieren. Besonders beliebt ist dieses Szenario bei Thrillern oder Mystery-Titeln, siehe etwa Absentia oder Medusa. Dann und wann kommt es aber auch in Dramen zum Einsatz, so etwa in Solange wir lügen, wo eine Jugendliche versucht, sich an einen schrecklichen Vorfall zu erinnern. Eines der bekanntesten Beispiele für eine solche dramatisch ausgelegte Amnesie ist Für immer Liebe. Bei einem Budget von 30 Millionen US-Dollar spielte der Film knapp 200 Millionen wieder ein. Und das obwohl die Kritiken seinerzeit eher weniger schmeichelhaft waren und es keine bekannte Romanvorlage gab, obwohl sich die Beschreibung ein wenig danach anhört.
Dafür gibt es eine reale Geschichte von 1993, die tatsächlich als Sachbuch verewigt wurde. Relativ kurz drauf war bereits entschieden, dass diese verfilmt werden soll. Aber das Projekt stand unter keinem guten Stern, wurde mehrfach hin und her geschoben, bis es doch noch klappte. Eine direkte Adaption ist Für immer Liebe dabei nicht, übernahm aber das Szenario. Ein jung verheiratetes Paar hat einen Unfall, sie verliert ihr Gedächtnis, er kämpft um die Liebe. Der interessanteste Aspekt des Films ist dabei nicht, ob er sie zurückholen kann und es eine Chance gibt. Vielmehr stellt sich die Frage, ob zwei Menschen quasi dazu bestimmt sind, sich ineinander zu verlieben, oder ob das immer an den Kontext gebunden ist. Wenn es eine „wahre Liebe“ gibt, von der Liebesfilme gern sprechen, dann wird Paige auch bei der zweiten Begegnung mit Leo zusammen sein wollen.
Nicht sehr tiefgründig
Glücklicherweise macht man es sich hier nicht ganz so einfach, wie es zu befürchten war. Für immer Liebe zeigt durchaus die Schwierigkeiten bei der Annäherung und legt sich auch gar nicht so wirklich fest, ob es denn eine zweite Zukunft geben wird. Andere Punkte überzeugen jedoch weniger. Dass die Protagonistin beispielsweise gar nicht erst herauszufinden versucht, warum sie keinen Kontakt mehr zu den Eltern hatte und ihnen nicht einmal ihren Mann vorgestellt hat, ist nicht plausibel. Dass jemand, der keine Vergangenheit hat, diesen Aspekt völlig ausblendet, muss man nicht verstehen können. Wobei die Auflösung für den Streit auch nicht überzeugend ausfällt. Überhaupt ist das Verhalten der Figuren immer mal wieder fragwürdig.
Zum Teil wird das durch die Besetzung ausgeglichen. Rachel McAdams (Send Help) als Frau, die sich plötzlich selbst suchen muss, und Channing Tatum (Der Hochstapler – Roofman) in der Rolle des Manns, dessen Liebe verschwindet und gleichzeitig da ist, das kann sich sehen lassen. Auch sonst fand man ein prominentes Ensemble, wobei die Elternfiguren unter der bescheidenen Charakterisierung leiden. Sie sind ebenso stereotyp wie der Exfreund, der ein bisschen plump auf Bösewicht gemacht wurde. Das ist schade, weil das Thema eigentlich sehr spannend war und eine nuanciertere Ausgestaltung verdient hätte. So bleibt Für immer Liebe ein durchschnittliches Drama, das zwar Anflüge von Tiefgang hat, aber nie so weit geht, wie es wünschenswert gewesen wäre.
OT: „The Vow“
Land: USA
Jahr: 2012
Regie: Michael Sucsy
Drehbuch: Abby Kohn, Marc Silverstein, Jason Katims
Musik: Michael Brook, Rachel Portman
Kamera: Rogier Stoffers
Besetzung: Rachel McAdams, Channing Tatum, Sam Neill, Scott Speedman, Jessica Lange
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