
Nach dem Tod seines Schwiegervaters liegt es an Hauke Haien (Max Hubacher), sich um den Küstenschutz zu kümmern. Stärker als andere hat er dabei die Zukunft fest im Blick. Sorgen bereitet ihm vor allem der Klimawandel, der zu einem Anstieg des Meeresspiegels führen wird. Die anderen wollen von dieser düsteren Vorhersage aber nichts wissen, für sie soll es so weitergehen wie bisher. Lediglich seine Frau Elke (Olga von Luckwald) unterstützt ihn bei seinen Plänen. Sie schafft es auch, die übrigen Menschen in der Gemeinde davon zu überzeugen, dass es mehr braucht als einfach nur immer höhere Deiche zu errichten. Doch Hauke verschweigt dabei, wie radikal sein Vorhaben wirklich ist …
Neuverfilmung des Klassikers
Auch wenn Theodor Storm im Laufe seines langen Schaffens eine ganze Reihe von Werken geschaffen hat, die meisten dürften seinen Namen dann wohl doch mit Der Schimmelreiter in Verbindung bringen. Die kurz vor seinem Tod 1888 veröffentlichte Novelle gehörte nicht nur von Generationen von Schülern und Schülerinnen zur Pflichtlektüre. Sie wurde auch diverse Male adaptiert. Dabei wurde häufiger dazu- oder umgedichtet. So versuchte sich 2023 der Fernsehfilm Die Flut – Tod am Deich an einer modernen Interpretation des bekannten Stoffes, die nach dem Tod der Hauptfiguren ansetzt. Nun kommt mit Der Schimmelreiter eine weitere TV-Variante des Klassikers heraus. Ungewöhnlich ist dabei, dass diese vor der Ausstrahlung tatsächlich auf der großen Leinwand zu sehen ist.
Ob das eine gute Entscheidung war, darüber lässt sich streiten. Natürlich hat es schon früher Fernsehfilme gegeben, die eine Kinoauswertung erfahren haben. Micha denkt groß über einen Mann, der mit visionären Plänen seine Heimat ins Chaos stürzt, war so ein Fall. Problematisch bei Der Schimmelreiter ist jedoch, dass der Film ja durch seine Bilder überzeugen will. Was als Fernsehproduktion durchaus passabel ist und seinen Zweck erfüllt, kommt im Kino aber nicht wirklich imposant rüber. Da hätte dann doch ein bisschen mehr investiert werden müssen. Die musikalische Begleitung taugt auch nicht wirklich dazu, ein episches Gefühl zu erzeugen. Überhaupt ist die Atmosphäre nicht auf dem Niveau, auf dem sie sein sollte, was bei einem derart dankbaren Setting schon schade ist. Der mystische Teil, wenn das titelgebende Pferd seinen Auftritt hat, hinterlässt wenig Eindruck.
Aus der Zeit gefallen
Das liegt aber auch daran, dass es seltsam deplatziert ist – um nicht zu sagen albern. War das in der Vorlage noch durchaus nachvollziehbar, dass jemand mit einem Pferd durch die Gegend reitet, ist die Neuauflage in der Gegenwart verortet. Diese zeigt sich immer wieder in der Ausrüstung, die eigentlich modern ist. Das Tier, aber auch eine Szene, in der einem archaischen Aberglauben nachgegangen wird, passen da einfach nicht zusammen. Da hätte man sich in Der Schimmelreiter schon entscheiden müssen, ob man nun die Vergangenheit oder die Gegenwart abbilden möchte, anstatt diesen sonderbaren Mix daraus zu machen. Sicher, die ländliche Bevölkerung, die den Klimawandel ignorieren will und sich gegen eine Veränderung stemmt, soll als rückständig dargestellt werden. Ganz so platt muss das dann aber doch nicht sein.
Dabei war die Idee der Modernisierung durchaus naheliegend. Den klassischen Stoff mit dem aktuellen Thema des Klimawandels verbinden zu wollen, ist an und für sich sinnvoll. Der Schimmelreiter geht dabei aber eher ungeschickt vor. Nicht nur, dass – wie so oft bei einer deutschen Fernsehproduktion – der Holzhammer ausgepackt wird. Die Art und Weise, wie mit der Bevölkerung umgegangen wird, ist dermaßen dämlich, dass deren Verweigerung einer Veränderung durchaus plausibel ist. Der Protagonist kommt bei aller Weitsicht ziemlich weltfremd daher. Insgesamt ist der Film dann leider auch nicht mehr als Mittelmaß geworden. Zwar gibt es schon vereinzelt gute Szenen. Und die grundsätzliche Aussage funktioniert ja auch. Dennoch ist das hier eine verpasste Chance, einen Klassiker einem heutigen Publikum näherzubringen und vor der Zukunft zu warnen.
OT: „Der Schimmelreiter“
Land: Deutschland
Jahr: 2025
Regie: Francis Meletzky
Drehbuch: Léonie-Claire Breinersdorfer
Vorlage: Theodor Storm
Musik: Kyrre Kvam
Kamera: Bella Halben
Besetzung: Max Hubacher, Olga von Luckwald, Annette Frier, Christoph Glaubacker, Elina Leitl, Nico Holonics, Joshua Jagersberger, Ramona Kunze-Libnow
Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.
(Anzeige)








