
Die Mittdreißigerin Maya (Salka Weber) lebt in München in einer WG, die sie sich mit der Optikerin und Influencerin Sema (Safak Sengül) teilt. Ganz einfach ist es für sie nicht, die Balance zwischen ihren Jobs als mobile Nagelpflegerin und freie Maskenbildnerin am Theater sowie ihrem Privatleben zu halten. Da sind zum einen die Probleme innerhalb ihrer Familie, die ihr nahegehen. Gerade ihre Mutter braucht aktuell Unterstützung. Und als wäre das nicht schon kompliziert genug, verliebt sie sich in den Tänzer Philip (Patrick Isermeyer), der in dem aktuellen Stück auftritt. Zu ihrem Glück ist sie damit aber nicht allein, sondern kann sich auf diverse Frauen in ihrem Umfeld verlassen …
Fragen der Identität
Während andere Abende im Ersten klarer definiert sind und man vorab ungefähr ahnen kann, was einen erwartet, ist am Mittwoch irgendwie alles möglich, von ernst über heiter bis zu düster. So gab es zuletzt auf diesem Sendeplatz die Serie Tage, die es nicht gab – Tödliche Geheimnisse, die viel Drama um vier Freundinnen mit einer Mördersuche verband. Mit Damen gibt es nun erneut auf diesem Sendeplatz ein Drama. Während die besagte Serie aber letztendlich eine absurde Seifenoper ist, die nur hin und wieder mal an die reale Welt erinnert, da ist die neue ARD-Produktion deutlich stärker daran interessiert, die alltäglichen Probleme der Menschen auf die Fernseher zu bringen – selbst wenn diese vielleicht nicht für alle ganz nachvollziehbar sind.
So beschäftigt sich der Film unter anderem mit dem Reizthema Migration. Anstatt sich aber mit den aktuellen Problemen und Konflikten herumzuplagen, geht es um Menschen, die seit Generationen hier sind und sich doch fragen müssen: Gehöre ich wirklich hierher? Da reicht ein einziger schwarzer US-amerikanischer GI im Stammbaum, um plötzlich Rechtfertigungen im Alltag zu erfordern. Immer wieder muss Maya erklären, dass sie aus einer alten Münchner Familie stammt. Ein weiteres Beispiel sind die vietnamesischen Boatpeople, die in den 1970ern aus ihrer Heimat geflohen sind. Das Thema Identität wird in Damen aber auch anderweitig aufgegriffen. Da geht es dann beispielsweise darum, dass Männer sich die Fingernägel lackieren können, ohne deswegen gleich queer zu sein.
Angenehm zurückhaltend erzählt
Das wird manchen natürlich schon wieder zu viel sein und vorwerfen, hiermit umerzogen werden zu sollen – zumal an manchen Stellen auch noch eine feministische Note aufkommt. Dabei hält sich der moralische Zeigefinger jedoch zurück. Damen gibt gar nicht so wahnsinnig vor, was das Publikum zu denken und zu sagen hat. Vielmehr geht es ja darum, dass es keine definitiven Antworten gibt und alle für sich nach einem Weg durch diese Welt suchen müssen. Was für die einen funktioniert, ist für andere nicht praktikabel – und umgekehrt. Wenn überhaupt, dann ist der Film eine Aufforderung, sich auszuprobieren, eigene Antworten zu finden und eben anderen Menschen die Möglichkeit zu geben, das ihrerseits zu tun.
Der Film zeichnet sich dabei durch seine sehr zurückgenommene und leise Erzählweise aus. Zwar spricht er ernste und schwere Themen an, tut dies aber mit einer angenehmen Leichtigkeit. Damen ist ein entspanntes Werk, ohne dadurch beliebig zu werden. Ein Film, den man problemlos nebenher laufen lassen könnte, weil er nie laut oder auffällig wird, Konflikte nie schrill ausgetragen werden. Das wäre in dem Fall aber schade, weil er schon einiges zu sagen hat. Die Besetzung überzeugt dabei ebenfalls, obwohl – oder weil – die wenigsten davon bekannt sind. Man hat hier ausnahmsweise das Gefühl, es mit echten Menschen zu tun zu haben. Das klingt nicht nach viel und ist doch im Rahmen der öffentlich-rechtlichen Fernsehfilme keine Selbstverständlichkeit. Wer ein Interesse für Alltagsgeschichten hat und auch mit den Themen etwas anfangen kann, sollte daher auf jeden Fall einmal reinschauen.
OT: „Damen“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Katharina Bischof
Drehbuch: Stefanie Kremser
Musik: Jessica de Rooij, Maarten Buning
Kamera: Robert Münchhofen
Besetzung: Salka Weber, Miriam Hie, Mai-Phuong Kollath, Viet Pham, Thomas Limpinsel, Patrick Isermeyer, Anja Herden, Safak Sengül
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