Chimney Town Frozen in Time
© Akihiro Nishino / "Chimney Town: Frozen in Time" Production Committee

Chimney Town: Frozen in Time

Chimney Town Frozen in Time
„Chimney Town: Frozen in Time“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Auch wenn einige Zeit vergangen ist, kommt Lubicchi doch nicht über den Verlust seines besten Freundes Poupelle hinweg. Der Junge kann sich ein Leben ohne das Müllwesen nicht vorstellen. Dann überschlagen sich jedoch die Ereignisse. Erst schnappt sich eine Maus ein Armband, das Poupelle gehörte. Und ehe es sich Lubicchi versieht, landet er in einer magischen Welt, in der die Zeit stehengeblieben ist. Zusammen mit einer Katze, der er den Namen Fluff gibt, muss er einen Weg finden, einen riesigen Uhrturm wieder in Gang zu setzen, der offensichtlich schon lange nicht mehr geht. Denn nur dann findet er einen Weg nach Hause. Dafür gilt es aber erst einmal herauszufinden, was mit der Uhr eigentlich nicht stimmt und was es mit Gus auf sich hat …

Schweres Thema, einfühlsam umgesetzt

Etwas mehr als fünf Jahre ist es her, dass Poupelle und die andere Seite des Himmels in Japan in die Kinos kam und anschließend auf mehreren Festivals gezeigt wurde. Später erschien der auf einem Kinderbuch von Nishino Akihiro basierende Anime bei uns auch im Heimkino. Trotz der positiven Resonanz war eine Fortsetzung jedoch eher unwahrscheinlich. Schließlich endete das Abenteuer damit, dass das titelgebende Müllwesen sich auflöste. Wie soll es danach schon weitergehen? Dennoch liegt mit Chimney Town: Frozen in Time nun ein zweiter Teil vor. Dieser erwähnt im japanischen Originaltitel den Freund auch. Zu sehen ist dieser im Film aber nur kurz in Flashbacks, Lubicchi muss nun ohne diesen auskommen und seinen eigenen Weg durch die Welt finden. Das wird Fans womöglich enttäuschen, da die kuriose Gestalt das Aushängeschild war und wirklich im Anime-Segment hervorstach.

Und doch ist die Fortsetzung kein Fehler. So ist Poupelle trotz seiner physischen Abwesenheit quasi allgegenwärtig: Wohin der Junge auch geht, der Freund ist bei ihm. Und darum geht es dann auch in der Geschichte: Chimney Town: Frozen in Time handelt davon, nicht zu einem Gefangenen der Vergangenheit zu werden, sondern einen Weg zu finden, mit Trauer und Verlust umzugehen, Andenken zu bewahren und doch die Zukunft nicht zu vergessen. Akihiro, der erneut das Drehbuch geschrieben hat, bleibt also seinem Ansatz treu, große Themen für ein junges Publikum aufzubereiten. Ging es beim ersten Teil noch um Ökologie, behandelt der zweite eben zumindest im übertragenen Sinn den Tod. Leider ist der Film nicht ganz konsequent dabei, zum Ende hin machte man es sich doch etwas leicht. Dennoch, die Absicht ist gut, das Thema auch einfühlsam umgesetzt.

Gewohnt eigenwillig

Das bedeutet aber nicht, dass der Film, der auf der Berlinale 2026 Weltpremiere hatte, deshalb durchgängig traurig ist. Tatsächlich gibt es immer wieder heitere Momente, die gerade auch auf das Konto der sarkastischen Katze gehen, die als Sidekick durch das Abenteuer führt. Chimney Town: Frozen in Time gefällt aber auch durch die fantastischen Elemente, wenn die Welt von lauter seltsamen Kreaturen bevölkert wird. Spielte der Vorgänger zumindest noch ansatzweise in einer realen Welt, wird diesmal völlig darauf verzichtet. In dem neuen Werk gibt es fast keine Menschen, können Tiere sprechen und Uhrtürme mitten im Himmel schweben. Der Anime will also einen Spagat, versucht, die Zuschauer und Zuschauerinnen abwechselnd zum Staunen, Lachen und Nachdenken zu bringen.

Daran hat auch die Optik ihren Anteil. Das oft auf eher ungewöhnliche Werke wie zuletzt ChaO und All You Need Is Kill spezialisierte Studio 4 °C bleibt dabei dem Stil des Vorgängers treu. Zwar hat der Steampunk-Anteil abgenommen, die Fortsetzung ist Studio Ghibli näher gerückt. Aber erneut gibt es eine computergenerierte Grafik, die gleichzeitig schlicht und doch eigenwillig ist. Gerade im Anime-Bereich, der zu oft auf austauschbare Designs setzt, ist das Wunderliche eine Wohltat. Insgesamt ist Chimney Town: Frozen in Time daher eine mehr als willkommene Rückkehr und eine gelungene Überraschung. Auch wenn das Fantasyabenteuer ein bisschen an der Oberfläche bleibt, gelingt es doch, schwere Themen schön und unterhaltsam näherzubringen.

Credits

OT: „Entotsumachi no Poupelle – Yakusoku no Tokeidai“
AT: „Stadt der Schornsteine: In der Zeit gefangen“
Land: Japan
Jahr: 2026
Regie: Yusuke Hirota
Drehbuch: Akihiro Nishino
Musik: Harumi Fuuki
Animation: Studio 4 °C

Bilder

Filmfeste

Berlinale 2026

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Chimney Town: Frozen in Time
fazit
In „Chimney Town: Frozen in Time“ verschlägt es einen Jungen, der um seinen besten Freund trauert, in eine wundersame Welt. Das Animationsabenteuer bringt einer jungen Zielgruppe schwierige Themen auf unterhaltsame Weise näher. Das wird zwar nicht ganz tiefgängig, beim Ende machte man es sich auch einfach. Dennoch ist der Anime eine gelungene Fortsetzung.
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