Wovon sollen wir traeumen
© Rafael Starman

Wovon sollen wir träumen

Wovon sollen wir traeumen
„Wovon sollen wir träumen“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Drei Frauen begegnen sich, als es an einer Lebensmittelausgabe zu einem Streit kommt, bei dem ein Mann eine von ihnen beleidigt. Danach kehrt jede in ihren krisenhaften Alltag zurück. Die Kurdin Evîn (Bayan Layla) lebt mit dem Vater und Geschwistern in einer Flüchtlingsunterkunft und hat keine Arbeitserlaubnis. Laura (Luise Aschenbrenner) sitzt eine lange Gefängnisstrafe ab und befindet sich nun im offenen Vollzug. Doch als sie auf ihre Mutter (Valery Tscheplanowa) zugeht, reagiert diese abweisend. Die Polizistin Julia (Lea van Acken) hat ein Baby und einen Mann (Louis Nitsche), der ihr zunehmend seinen Willen aufzwingen will.

Drei Frauen am Scheideweg

Das Regieduo Milena Aboyan und Constantin Hatz bezeichnet den „Krieg als zentrale Metapher des Films“. Alle drei Frauen, um die es in parallelen Erzählsträngen geht, haben ihre persönliche Erfahrung mit Kampf, Gewalt und Zerstörung. Bei der aus Syrien geflohenen Kurdin Evîn sind Bürgerkrieg und ethnische Verfolgung noch sehr präsent, sie muss in Deutschland weiter um Angehörige und Bekannte in der Heimat fürchten. Laura nimmt im Gefängnis am Filmprojekt einer Frau teil, die sich mit Kriegstraumata beschäftigt, die in Familien Geflüchteter an die Kinder weitervererbt werden. Laura hat von ihrer Mutter viel Leid und Zurückweisung erfahren.

Milena Aboyan hat selbst als in Armenien geborene jesidische Kurdin einen persönlichen Bezug zum Thema ihres zweiten Spielfilms. Die in Deutschland ausgebildete Schauspielerin und Filmemacherin schrieb wie schon bei ihrem Erstling Elaha das Drehbuch gemeinsam mit dem Österreicher Constantin Hatz (Gewalten). Mit ihm teilte sie sich nun auch die Regiearbeit. Lediglich die Geschichte der dritten Filmfigur Julia weicht vom Hauptthema ab. Die Polizistin ist keine Migrantin, hat keine Kriegstraumata vererbt bekommen, sie hat einen festen Job, eine kleine Familie, eine sehr aufgeräumte Wohnung. Und doch geht sie zuhause durch eine private Hölle. So unterschiedliche Arten von Krieg und Gewalt in einem Drama zu vereinen, erweist sich jedoch als problematisch.

In ruhiger, schwerer Stimmung

Weil es drei verschiedene Geschichten in einem Film gibt, kann keine von ihnen ihr inhaltliches Potenzial wirklich ausschöpfen. Vielmehr verbindet sie dann doch eher oberflächlich das Thema der Selbstermächtigung von Frauen, die sich an einem Scheideweg befinden, sich neu sortieren, aus toxischen Beziehungen oder Sackgassen befreien müssen. Dabei bemüht sich das Drama aber aufrichtig, die Situation der Figuren differenziert und gründlich auszuloten. In ruhigen Einstellungen lässt es sich auf deren Alltag ein und nicht jede Szene dient in erster Linie dazu, die Handlung voranzutreiben.

Evîn beispielsweise erlebt in der Flüchtlingsunterkunft Enge und Solidarität zugleich, geht zum Ringsport-Training, erfährt bürokratische Hürden und Engstirnigkeit. Sie ist eine starke Persönlichkeit, die nicht vorschnell urteilt oder aufgibt. Wohin ihr Weg führt, bleibt bis fast zum Schluss offen. Und bei Laura und Julia dauert es lange, bis sich das ganze Ausmaß ihres Dramas herauskristallisiert. Obwohl es in jeder Geschichte lichte Momente und Anlass zur Hoffnung bis hin zur positiven Auflösung gibt, herrscht eine schwere, oft bedrückende Atmosphäre vor. In Julias Ehedrama wird sie regelrecht beklemmend. Gerade weil der Film so ernst wirkt und es mit seinen Figuren ernst meint, fällt jedoch auch seine Schwäche auf, alles zu einer stimmigen und originellen Aussage zusammenzuführen.

Credits

OT: „Wovon sollen wir träumen“
Land: Deutschland
Jahr: 2025
Regie: Milena Aboyan, Constantin Hatz
Drehbuch: Milena Aboyan, Constantin Hatz
Musik: Florian Tessloff
Kamera: Rafael Starman
Besetzung: Bayan Layla, Luise Aschenbrenner, Lea van Acken, Louis Nitsche, Valerie Tscheplanowa

Bilder

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Wovon sollen wir träumen
fazit
Das Drama von Milena Aboyan und Constantin Hatz erzählt von drei jungen Frauen, die an einem Scheideweg in ihrem Leben stehen. Sie haben Krieg an unterschiedlichen Fronten erlebt – als Geflüchtete, als Kind einer traumatisierten Person, als Opfer häuslicher Gewalt. In ruhigen Einstellungen wird ihr individueller Weg zur Selbstermächtigung geschildert. Dabei wirkt der Film sehr ernst und um Sorgfalt bemüht, vernachlässigt aber Spannung und Aussagekraft.
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