Die drei Fragezeichen Toteninsel
Szenenbild aus Tim Dünschedes Abenteuerfilm "Die drei ???: Toteninsel" (© Sony Pictures)

Tim Dünschede [Interview 2026]

Die drei Fragezeichen Toteninsel
Tim Dünschede auf der Weltpremiere von „Die drei ???: Toteninsel“ im Mathäser Filmpalast in München (© Petra Stadler / Sony Pictures)

Die drei ???: Toteninsel erzählt ein weiteres Abenteuer rund um die drei Freunde Justus Jonas (Julius Weckauf), Peter Shaw (Nevio Wendt) und Bob Andrews (Levi Brandl), die gemeinsam knifflige Fälle lösen müssen. Dieses Mal wollten sie eigentlich Urlaub machen, es ist bereits alles für den Roadtrip geplant. Doch dann bekommen sie einen rätselhaften Anruf. Ehe es sich die drei versehen, sind sie einem Geheimbund auf die Spur und müssen eine weite Reise antreten, bei denen ein großer Schatz auf sie wartet, aber auch viele Gefahren. Zum Kinostart am 22. Januar 2026 haben wir uns mit Regisseur Tim Dünschede getroffen, der auch schon die beiden Vorgänger inszeniert hat. Im Interview spricht er über Herausforderungen bei der Adaption, spontane Settingwechsel und die Balance aus altmodischen und modernen Mitteln.

Es gibt inzwischen zahlreiche Geschichten rund um Die drei ???, die ihr hättet adaptieren können. Warum habt ihr euch ausgerechnet für Toteninsel entschieden?

Wir sind super viele Fälle noch einmal durchgegangen und haben unzählige Klappentexte gelesen. Uns war klar, dass wir etwas Großes haben wollten für den dritten Teil. Dafür hatten wir zunächst verschiedene Geschichten vor Augen. Die Toteninsel aber, war an sich schon unglaublich cineastisch und bringt einfach viele filmische Elemente bereits mit sich. Wir hatten es zunächst verworfen, weil es ein Dreiteiler ist und die Geschichte dementsprechend sehr sehr groß, sind aber immer wieder darauf zurückgekommen. Wir haben dann André Marx, der den Roman geschrieben hat und uns bereits bei den ersten beiden Filmen dramaturgisch beraten hat, gesagt, dass wir gern seine Geschichte verfilmen würden, es aber für die Leinwand gerade zum Ende hin stark umarbeiten und an die umsetzbaren Gegebenheiten anpassen müssen. Glücklicherweise war er einverstanden damit, und hat uns auch bei dem Adaptionsprozess unterstützt. Das war wirklich super, weil wir es so nie hätten umsetzen können.

Was hat sich denn geändert im Vergleich zum Buch?

Wir haben vieles entschlackt und verkleinert und uns stärker auf die Jungs konzentriert. Die erste Hälfte ist ziemlich nah am Original. Da haben wir nur ein paar Nebenhandlungen gekürzt, die für die weitere Geschichte nicht relevant sind. Auf der Insel mussten wir allerdings vieles ändern, weil es im Buch dann doch sehr groß wird mit einer geheimen militärischen Station, die viele Stockwerke in den Untergrund geht, in der atomaren Sprengköpfe gelagert werden. Dazu kommen noch einige Explosionen und am Ende sogar Militärhubschrauber. Da mussten wir etwas umdenken, da das aus unserer Sicht kein adäquates Thema für unser Zielpublikum ist. Schließlich wollen wir mit den Filmen Kinder ab sechs Jahren ansprechen. Bei den Romanen und den Hörspielen ist das etwas anders, da ist das Publikum etwas reifer. Wir wollten daher mehr auf die Schatzsuche eingehen und eine klassische Abenteuerrichtung einschlagen. Uns war es von Anfang an wichtig, dass unsere Protagonisten ganz normale Jungs sind und wir sie nur Aufgaben lösen lassen, die unser Publikum auch lösen könnte.

Hatte die Weltpolitik auch einen Einfluss darauf, dass ihr lieber keine Atomwaffen drin haben wolltet?

Das auch, definitiv. Wir wollten nichts mit Krieg in der Geschichte haben. Das muss nicht sein, gerade in der heutigen Zeit. Aber es war auch das Problem, dass wir hätten erklären müssen, was Atomwaffen überhaupt sind. Erklär das mal einem Sechsjährigen. Das muss nicht sein. Das verstehen sie noch früh genug.

Als wir uns über den ersten Teil Erbe des Drachen unterhalten haben, ging es auch darum, wie ihr das Schloss für die Dreharbeiten gefunden habt. Wie war das jetzt bei Toteninsel?

Wir haben Teil zwei und drei zusammen gedreht, back to back. Am Anfang des Prozesses haben wir uns für Gran Canaria entschieden, eine spanische Insel, die amerikanisch anmutet. Für Teil drei wollten wir für manche Abschnitte die Insel noch einmal wechseln, um nach La Palma zu gehen, wo sie einen richtigen Dschungel haben. Auf Gran Canaria ist der leider nicht so vorhanden. Wir hatten auch bereits eine ganz tolle Location gefunden, die wir verwenden wollten. Doch dann hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es gab ein riesiges Unwetter, was zu einem Erdrutsch geführt hat. Dadurch waren die Zufahrtsstraße und die Schlucht, die wir verwenden wollten, nicht mehr zugänglich. Da wir kein großes Insel-Hopping betreiben konnten, war klar, dass wir auf Gran Canaria bleiben mussten. Zum Glück hatten wir einen ganz tollen Location Scout, der uns dann nochmal richtig gute Vorschläge gemacht hat. Dabei mussten wir zwar Kompromisse machen, haben dafür aber auch ganz wundervolle Sets dazugewonnen, darunter ein stillgelegtes Bewässerungsbecken für Bananenplantagen mitten in einer Wohnsiedlung. Darauf wären wir nie gekommen, wenn wir nicht dringend eine Alternative gebraucht hätten. Und wie so oft, war es dann am Schluss sogar die bessere Variante.

Du hast schon gesagt, dass ihr in eine starke Abenteuerrichtung geht. Diese ist teilweise richtig altmodisch. Gleichzeitig habt ihr aber auch die modernen Elemente drin. Wie schwierig war es, die Balance aus beidem zu halten?

Das ist eine gute Frage. Ich bin selbst noch ein Kassetten-Kind. Das war mein Zugang zu den drei ???. Ich liebe das immer noch. Wenn ich heute nicht einschlafen kann, gehe ich immer noch zurück zu den älteren Folgen. Damals gab es keine Handys oder Laptops oder Tablets. Selbst bei Toteninsel, das 2001 herauskam, waren Handys noch nicht so allgegenwärtig. Wir erzählen aber im Hier und Jetzt, wo alle Kids Handys haben. Und wir standen vor dem Problem: Wie machen wir das? Wir wollten, dass die Jungs ihre Handys so wenig wie möglich nutzen und sie ganz bewusst nicht als lösungsbringendes Mittel einsetzen. Sie sollten die Antworten nicht einfach nur googlen können. Zum Glück hatten wir dieses Mal die Figur der Jelena Charkova dabei, die eine hervorragende Hackerin ist. Dadurch konnten wir das Thema quasi auslagern. Die Jungs recherchieren zwar hin und wieder durchaus am Computer, können dabei aber nicht zaubern. So haben wir also die Technik mit drin, damit das Publikum die Geschichte im Hier und Jetzt verorten kann. Es nimmt aber nicht so viel Platz ein, dass es im Vordergrund steht.

Als wir uns zum ersten Film gesprochen haben, wusste natürlich niemand, dass er ein so großer Erfolg wird. Hat sich dadurch für dich die Arbeit verändert? Hast du durch den Erfolg mehr Freiheit, weil man dir vertraut, oder mehr Druck, dass der neue Film ebenso erfolgreich wird?

Ein bisschen von beidem. Was aber überwogen hat, war, dass wir uns etwas freigeschwommen hatten und deswegen mehr Freiheit hatten. Natürlich war der erste Film für uns alle komplettes Neuland, weil wir frisch von der Filmhochschule kamen und uns das Vertrauen erst erarbeiten mussten. Wir wussten vorher nicht, ob das überhaupt funktionieren würde. Insofern war einiges danach leichter. Gleichzeitig spürt man aber auch einen wachsenden Erwartungsdruck, wieder ein ähnliches Ergebnis zu erzielen. Und dann ist da natürlich noch der Eigenanspruch.

Was hast du für dich mitgenommen als Regisseur nach diesen drei Filmen?

Dass man nicht zu zielorientiert sein sollte, sondern auch den Weg selbst zelebriert, wertschätzt und genießt. Diesen Film machen zu dürfen und dabei ein so tolles Team zu haben, das war ein riesen Geschenk. Man sollte sich nicht dauernd Sorgen machen, dass etwas nicht klappen wird, weil sowieso vieles nicht klappen wird. Siehe das mit dem Erdrutsch. Das gehört beim Filmemachen einfach dazu. Aber das ist natürlich vor allem im Nachhinein immer leichter gesagt als getan. Auch im Eifer des Gefechts so zu denken, dass wenn eine Tür zugeht, irgendwo anders eine aufgeht, dass man noch mehr den Moment genießen muss, das ist die große Kunst. Das muss ich definitiv noch etwas üben.

Wie geht es nach diesem dritten Film weiter, sowohl für das Franchise wie auch für dich?

Zum Franchise kann ich nichts sagen. Persönlich habe ich große Lust jetzt auch wieder Geschichte außerhalb des Family-Entertainment zu erzählen. Wenn ich es mir aussuchen könnte, dann gerne weiterhin im Kino. Aber auch serielles Erzählen und internationale Stoffe würde mich reizen. Es kommt immer auf die Geschichte an.

Vielen Dank für das Interview!



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