
Eigentlich waren die Menschen zur Pariser Modeschau gefahren, um sich dort an der Schönheit zu erfreuen. Weniger erfreulich, geradezu hässlich ist, was mit dem Supermodel Ruby Rossdale (Bella Hadid) geschieht. Denn diese wird auf einmal sehr unruhig und gewalttätig, rast durch die Stadt, wo sie zahlreiche Opfer fordert, bevor sie direkt vor der Polizei explodiert. Das FBI-Duo Cooper Madsen (Evan Peters) und Jordan Bennett (Rebecca Hall) soll der Geschichte nachgehen, da der bizarre Vorfall kein Einzelfall ist. Auch in anderen Städten sind Menschen auf diese Weise gestorben, allesamt Models. Ursache ist ein neues Virus, das um sich greift. Zur gleichen Zeit macht der Killer Antonio (Anthony Ramos) im Auftrag des Unternehmers Byron Frost (Ashton Kutcher) Jagd auf Menschen, die dieses Virus in sich tragen …
Glamour trifft Bodyhorror
Aktuell hat man das Gefühl, dass Ryan Murphy überall ist. So kamen letztes Jahr mit dem Justizdrama 9-1-1: Nashville und dem geradezu legendär verrissenen All’s Fair zwei neue Serien von ihm auf den Markt. Hinzu kam Monster: Die Geschichte von Ed Gein, die dritte Staffel der von ihm mitgeschaffenen Serienmörder-Anthologie, auch wenn er bei dieser nicht mehr direkt beteiligt war. Und kaum hat ein neues Jahr begonnen, folgt mit The Beauty eine weitere Murphy-Serie. Dieses Mal hat er sich mit Matthew Hodgson zusammengetan, um für Hulu bzw. Disney+ in menschliche Abgründe zu blicken – eine Reihe von Morden inklusive.
Vorlage hierfür lieferte der gleichnamige Comic von Jeremy Haun und Jason A. Hurley. Der dürfte eher weniger Leuten etwas sagen, hierzulande ist er nie erschienen. Murphy und Hodgson setzen dabei auch auf eine comicartige Optik. Dass der US-Amerikaner eine Vorliebe für Glamour und Glitzerfassaden hat, für stylische Exzesse, das ist bekannt. Und von solchen gibt es viele in The Beauty. Das heißt nicht, dass deswegen alles schön ist. So wird der Ausflug in die Welt der Schönen und Mächtigen mit reichlich Bodyhorror gekreuzt. Das betrifft nicht nur den unweigerlichen Abgang der Infizierten, der zum Auftakt so spektakulär in Szene gesetzt wurde. Auch die Transformation der zuvor hässlichen oder zumindest unauffälligen Leute hin zum Hochglanzprodukt ist ein schmerzhafter Anblick.
Oberflächlich, aber unterhaltsam
Die Vergleiche zu The Substance sind so naheliegend, dass kaum eine Kritik der Serie ohne diese auskommen wird. Schließlich geht es in beiden Produktionen darum, mittels Bodyhorror den Schönheitswahn satirisch anzuprangern. Ebenfalls gemeinsam ist beiden, dass sie nicht unbedingt subtil vorgehen. Die Aussagen werden da jeweils mit dem Holzhammer ins Publikum. Es gibt aber auch Unterschiede. Während der obige Film durchaus noch versuchte, etwas über die Figuren zu sagen und aus der Protagonistin eine tragische Gestalt machte, da schert sich The Beauty nicht wirklich darum. Obwohl die Serie notgedrungen deutlich länger ist, hat man im Anschluss weniger das Gefühl, etwas über die Figuren erfahren zu haben.
Und auch die Themen an sich werden nur oberflächlich gestreift. Dass das einseitige Streben nach einem normierten Schönheitsideal nicht so toll ist, wird zwar schon gezeigt. Gleichzeitig ergötzt sich die Serie aber selbst an den makellosen Körpern, die gern auch nackt gezeigt werden. The Beauty ist da schon recht verlogen, wenn eine primär auf das Äußere ausgerichtete Gesellschaft angeprangert und zugleich bedient wird. Was zudem komplett fehlt, ist eine Beschäftigung mit der Frage: Was ist eigentlich schön? Und wer bestimmt das? Ansätze für Diskussionen und Gedanken sind also schon da. Man muss sich aber schon selbst damit auseinandersetzen, die Serie macht das nicht. Aber auch wenn das hier alles Style over substance ist, kann man durchaus der besagten Oberfläche wegen einen Blick riskieren. Die Comic-Adaption bietet immer wieder bizarre Exzesse, auch im Hinblick auf das Ensemble – siehe etwa Ashton Kutcher oder Isabella Rossellini als dessen entfremdete Frau, die Overacting zelebrieren –, dass man durchaus fasziniert auf den Bildschirm startet. Mit einem besseren Drehbuch hätte das hier wirklich groß werden können. So bleibt ein Genrebeitrag, der weder tiefgründig noch spannend ist, aber durchaus unterhaltsam.
OT: „The Beauty“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Ryan Murphy, Alexis Martin Woodall, Michael Uppendahl
Drehbuch: Ryan Murphy, Matthew Hodgson
Idee: Ryan Murphy, Matthew Hodgson
Vorlage: Jeremy Haun, Jason A. Hurley
Musik: Mac Quayle
Kamera: Jason McCormick
Besetzung: Evan Peters, Anthony Ramos, Jeremy Pope, Rebecca Hall, Ashton Kutcher, Isabella Rossellini, Crystle Roberson, Jessica Alexander
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