Special Unit – The First Murder
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Special Unit – The First Murder

Special Unit – The First Murder
„Special Unit – The First Murder“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Als Reaktion auf eine Reihe von Brandstiftungen wird die dänische Rejseholdet, eine Spezialeinheit der Polizei, gegründet. Um einen Brand in einer Waldhütte in der Nähe der Hafenstadt Esbjerg aufzuklären, wird der ambitionierte Polizeibeamte Otto Himmelstrup (Alex Høgh Andersen) mit den Ermittlungen beauftragt. Gemeinsam mit seinem Kollegen Per (Nicolaj Kopernikus) sowie der Sekretärin Camilla (Mathilde Arcel Fock) beginnt er mit der Aufklärung des Falls. Als die Beamten in den Überresten der Hütte jedoch eine Leiche entdecken, wird ihnen klar, dass es hier um mehr geht als um Versicherungsbetrug oder einfache Brandlegung.

Da die örtliche Polizei den Fall lieber schnell zu den Akten legen will, ermitteln die Beamten des Rejseholdet auf eigene Faust weiter. Otto ahnt eine Möglichkeit, die Rejseholdet als das dänische FBI zu etablieren, wenn er den Mord aufklärt, doch er unterschätzt die Gefahr, die seine Nachforschungen mit sich bringen. Als seine Fragen schließlich die Mächtigen der kleinen Gemeinde in Bedrängnis bringen und vielleicht sogar eine noch viel schlimmere Straftat vermuten lassen, beginnt er zu ahnen, dass er sich mit einem mächtigen Gegner angelegt hat.

Ein manipulatives Spiel

In Special Unit – The First Murder erzählt Regisseur Christoffer Boe von der dänischen Polizeieinheit Rejseholdet, einer 1927 gegründeten eigenständigen Ermittlungseinheit der dänischen Polizei. Die Geschichte in Boes Film ist jedoch rein fiktional und basiert auf einem Buch des Autors Jacob Jonia. Boe interessiert vor allem, wie die Geschichte Aspekte wie Politik und Gesellschaft widerspiegelt – ein Faible, das bereits den Kern seiner Filme Everything Will Be Fine und Sex, Drugs & Taxation bildete.

Der Wahrheitssuche der Ermittler steht dabei die Manipulation einer herrschenden Klasse im Wege, die zum einen den Fall schnell zu den Akten legen will und zum anderen ihr eigenes Narrativ in den Medien verankern möchte. Special Unit, der zurzeit auf dem Internationalen Filmfestival Rotterdam zu sehen ist, ist dabei vor allem ästhetisch überzeugendes und gut inszeniertes Spannungskino, wobei der Film erzählerisch für im Genre bewanderte Zuschauer wenig Neues zu bieten hat.

Wie bei vielen Kriminalfilmen, die über das TV-Niveau hinausgehen wollen, visiert auch die Geschichte von Special Unit einen Bezug zu Themen wie Macht, Manipulation und Hierarchien an. Der junge, ambitionierte Himmelstrup wird von seinem Vorgesetzten zurechtgestutzt und als arrogant, schwierig und überambitioniert dargestellt, weshalb nur wenige mit ihm arbeiten wollen. Er müsse noch lernen, „wie das Spiel gespielt wird“, gibt man ihm mit auf den Weg, bevor er sich zum Tatort in Esbjerg aufmacht.

Immer wieder kommt die Geschichte auf diese Idee zurück, dass Menschen, die sich nicht anpassen wollen, in dieser Welt auf mehr Hindernisse stoßen oder gar Ablehnung und Verfolgung erfahren, was naturgemäß auch den Kern des eigentlichen Falls ausmacht. Das ist solide inszeniert und erzählt, doch im Vergleich zu anderen Werken des Genres ist es nicht wirklich etwas Neues. So sehr Punkte wie die Inszenierung oder die Figuren zu überzeugen wissen, so sehr schmerzt es, dass die Handlung von Special Unit berechenbar bleibt. Boe betritt narrativ leider ausgetretene Pfade, und dieser Mangel an Originalität resultiert in einem Film, der länger dauert, als ihm guttut.

Von Bränden und Morden

Ein Aspekt, in dem Special Unit überzeugt, ist die Figurenzeichnung. Das gilt jedoch weniger für den Helden und mehr für die Nebenfiguren, von denen man einige lieber im Fokus der Handlung sehen würde. Obwohl an der darstellerischen Leistung Alex Høgh Andersens keineswegs etwas auszusetzen ist, spielen Mathilde Arcel Fock oder Katrine Greis-Rosenthal schlichtweg interessantere Figuren – ironischerweise gerade deshalb, weil vieles über sie im Dunkeln bleibt und der Interpretation des Zuschauers obliegt.

Die Momente, in denen wir über die Motivation des Ermittlers mehr erfahren, wirken hingegen etwas wirr geraten und fügen sich nicht wirklich stimmig in den Rest der Geschichte ein.

Da die Rejseholdet in Dänemark so etwas wie einen mythologischen Status genießt, wundert es nicht, dass Polizeiarbeit ebenfalls im Fokus von Special Unit steht. Akribisch genau gehen die drei Ermittler jeder Spur nach, wobei jedes Indiz und jeder Fingerabdruck gesichert wird. Auch wenn diese Momente – wie bereits in anderem Zusammenhang erwähnt – erzählerisch kein Neuland erobern, ist es doch interessant zu sehen, wie Boe das Progressive dieser neuen Einheit zeigt, die mit ihren Methoden für ihre Zeit durchaus innovativ war.

Credits

OT: „Rejseholdet – Det Første Mord“
Land: Dänemark, Polen
Jahr: 2025
Regie: Christoffer Boe
Drehbuch: Christoffer Boe, Lasse Kyed Rasmussen
Vorlage: Jacob Jonia
Musik: Jon Ekstrand
Kamera: Lasse Frank Johannessen
Besetzung: Alex Høgh Andersen, Mathilde Arcel Fock, Nicolaj Kopernikus, Mille Lehfeldt, Lars Ranthe, Katrine Greis-Rosenthal

Bilder

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Special Unit – The First Murder
fazit
„Special Unit – The First Murder“ ist ein solider Kriminalfilm über den (fiktiven) ersten großen Fall der dänischen Spezialeinheit Rejseholdet. Regisseur Christoffer Boes Film ist sehr ambitioniert und hat einige interessante Ansätze, doch vor allem erzählerisch hat die Geschichte leider wenig zu bieten und wird nach einer Weile nicht nur sehr berechenbar, sondern auch etwas zäh.
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