Mercy 2026
© Sony Pictures
„Mercy“ // Deutschland-Start: 22. Januar 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Im Jahr 2029 hat künstliche Intelligenz längst strukturellen Einzug in die Institutionen der USA gefunden. Die synthetischen Richter des MERCY-Courts vereinen Richter, Geschworene und Henker in einer Instanz. Beschuldigte von Kapitalverbrechen bekommen 90 Minuten Zeit, ihre Unschuld zu belegen oder zumindest berechtigten Zweifel darzulegen. Gelingt ihnen das nicht, erfolgt eine schnelle und kompromisslose Hinrichtung. Für das Verfahren erhalten Angeklagte vollumfänglichen Zugang zu elektronischen Datenbanken des Staates und dürfen mit Personen außerhalb des Gerichts frei kommunizieren. Von bisher 18 Angeklagten wurden jedoch alle ihres Verbrechens überführt und durch die künstliche Intelligenz getötet. Eines Morgens findet sich Detective Chris Raven (Chris Pratt) auf der Anklagebank vor Richterin Maddox (Rebecca Ferguson). Dem irritierten Polizisten wird zur Last gelegt, alkoholisiert seine Frau erstochen zu haben. Auch ihm bleiben nur 90 Minuten, seine Unschuld zu beweisen und den wahren Täter zu überführen.

Homo ex Machina

Auf dem Papier liest sich Regisseur Timur Bekmambetovs neuestes Projekt ambitioniert. Der Versuch eines Sci-Fi-Actionthrillers mit Drama-, Mystery- und Whodunit-Elementen, gepaart mit künstlicher Intelligenz und einer kontemporären gesellschaftlichen Debatte. In einer dystopischen, jedoch nahen Zukunft verspricht eine artifizielle Judikative ein faires, unabhängiges Vorgehen gegen schwere Kriminalität. Natürlich kommt kaum ein Science-Fiction-Film der heutigen Zeit mehr ohne künstliche-Intelligenz-Referenz aus. Trotz des zeitdiagnostischen Themas sind Bekmambetovs Ideen weder innovativ noch zu Ende gedacht. Die Suche nach Menschlichkeit in der Maschine und die Grenzüberschreitung in der Programmierung wurden bereits durch Filme wie Her, A.I. – Künstliche Intelligenz und Blade Runner 2049 aufgegriffen und sowohl kohärenter als auch ambitionierter inszeniert. Mit diesen Fragen der philosophischen Anthropologie und Maschinenethik hält sich Mercy kaum auf und beantwortet sie bestenfalls oberflächlich.

Geschmackloses Genre-Allerlei

Als Mischung aus Actionthriller, Mystery-Krimi und Whodunit weist Mercy jedoch ebenfalls eklatante Schwächen auf. Bei einer Laufzeit von 100 Minuten können Kinobesucher fast in Echtzeit dabei zusehen, wie Chris Pratt alias Raven versucht, seine Unschuld zu beweisen und den echten Mörder seiner Frau zu finden. Seine Suche beschränkt sich jedoch auf eine Online-Recherche aus dem Gerichtssaal des MERCY-Courts. Über Social-Media-Beiträge, Überwachungskamera-Aufnahmen und Telefonate wird der Mordhergang rekonstruiert und neue Erkenntnisse gewonnen.

Hier offenbart sich Mercys eklatanter Logikbruch. Es wird suggeriert, dass der Protagonist durch seine Vergangenheit als Polizist ein besonderes Gespür für den Fall besäße. Echte Polizeiarbeit findet allerdings nicht statt. Chris Raven stehen die gleichen Mittel zur Verfügung wie einer suggeriert unfehlbaren künstlichen Intelligenz, welche in der Lage sein sollte, diesen Mord innerhalb kürzester Zeit selbst aufzuklären. Abseits von narrativen Lücken fällt Mercy dann hauptsächlich durch offensichtlich telegrafierte Plot-Twists und banale Stereotype auf. Chris Pratts Charakter wird einzig durch seinen Pathos als gebrochene Person, seine Alkoholabhängigkeit und Traumata definiert, ohne jemals echte Entwicklung zu erfahren. Trotz des Versuchs eines furiosen Finales kommt Mercys Drehbuch nie über banale Formelästhetik hinaus.

Stilistische Selbstkopie?

In echter Ästhetik erinnert Mercys stilistischer Ansatz stark an den von Bekmambetov mitproduzierten Thriller Searching und den Schwesterfilm Missing. Tragendes Element aller drei Filme sind Screenlife-Elermente, also Erzählformen über Bildschirme. Durch diese visuelle Zwischenebene stellen sie auch in Mercy eine willkommene inszenatorische Abwechslung dar. Gleichzeitig dient die Beobachtung der Handlung über Kameras und Drohnen als willkommene Entschuldigung der Filmemacher, Actionszenen nicht konsequent zu Ende zu inszenieren, sondern in ihrer Dynamik abzubrechen. Ansonsten bleibt Chris Pratts Detective Raven als Protagonist schauspielerisch flach und damit authentisch zu seiner espritlosen Figurenzeichnung. Auch Rebecca Ferguson bekommt keinerlei narrative Möglichkeiten, ihre übliche Qualität darzustellen, und findet sich als künstliche Intelligenz gleichermaßen degradiert wie unterfordert.

Credits

OT: „Mercy“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Timur Bergmambetov
Drehbuch: Marco van Belle
Musik: Ramin Djawadi
Kamera: Khalid Mohtaseb
Besetzung: Chris Pratt, Rebecca Ferguson, Kali Reis, Annabelle Wallis, Chris Sullivan, Kylie Rogers, Jeff Pierre, Rafi Gavron, Kenneth Choi

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Mercy (2026)
fazit
"Mercy" bleibt trotz ambitionierter Prämisse ein seelenloses Genre-Potpourri. Die KI-Getriebene Handlung könnte ebenso von einem der gängigen Programme verfasst worden sein. Neben einzelner stilistischer Hoffnungsschimmer fällt "Mercy" ansonsten durch Logikbrüche, eindimensionale Figuren und ungelenke dramaturgische Wendungen auf.
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