Nachdem er spätestens als Ser Davos in Game of Thrones internationale Berühmtheit erlangte, kehrt Liam Cunningham in Der Medicus II erneut in ein historisches Machtgefüge zurück. Zum Kinostart am 25. Dezember 2025 spricht er mit uns über seine Rolle als König, die filmische Wiedervereinigung mit einem alten Kollegen und die immersive Filmwelt des neuesten Medicus.
Lass uns zuerst die Meta-Fragen abhaken, denn du hast nach Game of Thrones wieder gemeinsam mit Aiden Gillen gedreht. Hat eure gemeinsame Vergangenheit die Dynamik am Set verändert und hattet ihr viele Szenen zusammen?
Wir hatten eine größere Szene zusammen mit fast dem gesamten Hauptcast, zumindest fast allen. Interessant war aber, dass wir, glaube ich, in Game of Thrones nie wirklich eine gemeinsame Szene hatten, was nach über zehn Jahren ziemlich bizarr ist. Was mir aber gefallen hat: In Game of Thrones bin ich vom Ritter Ser Davos am Ende zum Lord geworden, und jetzt komme ich in dieser Geschichte als König an. Ich arbeite mich also weiter nach oben. Meine Beförderungen laufen gut.
Das stimmt, du hast fast den Gipfel erreicht. Als Nächstes also Gott?
Ja, ich glaube, ich muss Gott spielen.
Ohne die Figuren direkt miteinander zu vergleichen: Hast du in Der Medicus II Anklänge an die politischen Machtspiele aus Game of Thrones gespürt?
Auf jeden Fall. Das ist eines der Elemente, die Spannung erzeugen, wenn Menschen um Macht kämpfen. Und Aiden Gillens Figur ist seiner Littlefinger-Rolle nicht unähnlich. Er ist manipulativ, und Aiden ist darin sehr, sehr gut. Lustigerweise habe ich schon vor 35 Jahren mit Aiden auf der Bühne in London gearbeitet. Wir gehen also sehr weit zurück, eine Trilogie von Theaterstücken in Shepherd’s Bush, nicht besonders glamourös, über einem Pub. Umso schöner ist es, dass sich unsere Wege immer wieder kreuzen, und natürlich hat Game of Thrones das Ganze noch einmal auf eine ganz andere Ebene gehoben. Es ist immer schön, ihn zu sehen. Ich glaube, er wurde für Der Medicus II vor mir gecastet, also habe ich ihn natürlich angerufen und gefragt: Wie läuft alles? Gibt es etwas, das ich wissen sollte, damit wir direkt loslegen können, wenn ich da bin? Und ich war Ende Oktober auf Aidens Halloween-Party bei ihm zu Hause in Dublin. Wir haben also eine lange gemeinsame Geschichte, von Armut bis zum Erfolg.
Klingt schön, solche Karrieremeilensteine gemeinsam zu erreichen. Der erste Film dieses Projekts reicht zeitlich nicht ganz so weit zurück wie eure gemeinsame Geschichte, ist aber auch schon 13 Jahre her und Tom hat mir erzählt, dass seitdem über einen zweiten Teil gesprochen wurde. Wann wurdest du kontaktiert, und was hat dich an der Rolle gereizt?
Ich wurde von meinem Management in Los Angeles kontaktiert. Ich glaube, Constantin Film hatte Interesse an mir für die Rolle gezeigt. Das hat mich neugierig gemacht, vor allem weil es das erste Mal war, dass ich in Deutschland an einer komplett deutschen Produktion gearbeitet habe, mit deutschen Produzenten, einem deutschen Regisseur und in deutschen Studios. Das fand ich sehr spannend. Aber meine Priorität ist immer das Drehbuch und die Geschichte. In der Vergangenheit habe ich mehrmals Hauptrollen angeboten bekommen, sogenannte karrieredefinierende Rollen oder sehr große Projekte oder Rollen mit viel Geld, bei denen die Geschichte einfach nicht gut war, und ich musste Nein sagen. Und glaub mir, ich habe nichts dagegen, sehr gut bezahlt zu werden.
Es ist extrem frustrierend, so etwas abzulehnen, weil die Geschichte nicht gut genug ist und man nichts tun kann, um sie zu retten. Und wenn jemand so viel Geld in ein Projekt investiert, auch in mich, und möchte, dass ich einen Film trage, ich aber denke, dass die Geschichte nicht funktioniert und deshalb auch kein Geld einspielen wird, dann tue ich niemandem einen Gefallen, wenn ich zusage. Vor allem nicht den Leuten, die viel Geld investiert haben. Meist liegt das an einer schlechten Geschichte, an der das Publikum kein Interesse hat.
Hier war es genau umgekehrt. Es war eine wirklich gute Geschichte, und es war sehr leicht, Ja zu sagen. Ich liebe die Vielfalt der Figuren aus unterschiedlichen Religionen und Kulturen und all die Helden, die einfach versuchen, etwas Gutes für die Welt zu tun. Es gibt fantastische Action, es gibt auch seltsame, magische Elemente. Für mich ist das eine echte Achterbahnfahrt, ein richtiges Abenteuer. Ich mag auch meine Figur sehr, auch wenn sie nur ein kleiner Teil der Geschichte ist, und natürlich hat unser Held eine großartige Reise vor sich.
Da stimme ich dir zu. Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet? Natürlich hast du das Drehbuch gelesen, aber hast du auch den ersten Film gesehen oder vielleicht den Roman gelesen? Wie sehr hast du dich mit dem bestehenden Universum beschäftigt?
Ich schaue grundsätzlich nicht gern zurück. Ich konzentriere mich lieber auf den Stil dessen, was ich gerade mache. Ich habe mir ein bisschen angeschaut, um ein Gefühl für den Stil zu bekommen, aber ich wollte auf keinen Fall eine Fortsetzung im klassischen Sinn spielen. Meine Figur ist eine komplett neue Figur, die hier zum ersten Mal auftaucht. Er sollte also in seiner eigenen Welt stehen, in seinem eigenen Universum, innerhalb dieses Drehbuchs. Mich hat ein wenig interessiert, wie krank er ist und wie sich das äußert. Aber seine Funktion in der Geschichte ist vor allem, unseren Helden Rob einzuführen, seine Ankunft in England und in London, und diese wunderbare Idee, anderen Menschen helfen zu wollen. Ein anständiger Mensch, dem und dessen Freunden Schreckliches widerfahren ist. Diese Menschlichkeit ist es, die alles wirklich interessant macht. Meine Vorbereitung bestand also vor allem aus den Fragen: Wie füge ich mich ein? Wie halte ich die Geschichte in Bewegung? Und wie gebe ich der Figur genug Gewicht, genug Gravitas, damit sie königlich wirkt?
Wie das alte Sprichwort sagt: Ein König ist nur so lange König, wie die Menschen glauben, dass er König ist. Wenn du also einen König spielst, spielst du eigentlich nie den König selbst. Es sind immer die anderen im Raum, die den König spielen. Du musst einfach nur dasitzen. Manchmal ist das ein ziemlich einfacher Job.
Interessanter Gedanke, aus dieser Perspektive habe ich das noch nicht gehört. Wie viel kreative Freiheit hattest du bei der Gestaltung der Rolle? War das Drehbuch sehr genau, oder konntest du deine eigene kreative Vision einbringen?
Wenn ich ein Projekt annehme, spreche ich mit dem Regisseur und frage: Was ist deine Idee dazu? Mein erster Impuls ist nie, die Vision des Regisseurs aus dem Gleichgewicht zu bringen, sondern sie zu ergänzen und mit ihr zusammenzuarbeiten. Ich sage immer: Die beste Idee im Raum gewinnt, und sehr oft ist sie nicht von mir. Also bringe ich meine Vorschläge ein, Dinge, von denen ich denke, dass sie eine interessante Wendung sein könnten. In diesem Fall habe ich Philip, der ein wunderbarer Regisseur ist, immer gefragt: Wenn ich das so machen würde, passt das zu dem, was du im Kopf hast? Manchmal sagt er nein, manchmal sagt er: Das gefällt mir, lass uns das so machen. Das ist ein Teil der Freude am Arbeiten am Set, diese Ideen in den Raum zu werfen. Selbst wenn der Regisseur ihnen nicht zustimmt, gibt es dir eine klare Richtung, in die du weiterdenken solltest. Und das ist etwas Schönes, weil man dann auf derselben Reise ist. Problematisch wird es nur, wenn der Schauspieler in die eine Richtung geht und der Regisseur in eine ganz andere. Das bringt Produzenten ins Schwitzen.
Vielen Dank für deine Zeit und deine Einblicke!
After gaining international recognition as Ser Davos in Game of Thrones, Liam Cunningham returns to a historical power structure in The Physician II.
On the occasion of the film’s release, he speaks with us about his role as a king, a cinematic reunion with a longtime colleague, and the immersive world of the latest Physician film.
Let’s get the meta questions out of the way first, because you reunited on set with Aiden Gillen after Game of Thrones. Did your shared history change your dynamic on set? Have you had a lot of scenes together?
We did share one sort of big scene together with almost all of the main cast, almost all. But what was interesting is that I don’t think we ever had a scene together in Game of Thrones, which is bizarre, over ten years. However, one of the things I did like is that on Game of Thrones I went from a knight of Ser Davos to, I finished off as a lord, and now I arrive in the position as a king.
So I’m moving up the ladder. My promotions are going well.
That is true, you nearly reached the peak. God is next then?
Yes, I think I have to play God.
Without comparing characters directly, did you feel reminded of the echoes of political mind games of Game of Thrones in The Physician 2?
Very much so. Yes, it’s one of the things that creates intrigue, where people are vying for power. And Aiden Gillen’s character is not dissimilar to his Littlefinger character. He’s manipulative, and Aiden is very, very good at that. Funnily enough, I was working with Aiden 35 years ago on stage in London. So we go back a long time, a trilogy of plays in Shepherd’s Bush, not very glamorous, above a pub. So it’s lovely, that our paths cross occasionally, and obviously with Game of Thrones being this worldwide phenomenon. It is always lovely to meet him. I think he was cast for The Physician II before me, so of course I would ring him up and say, how’s everything? Anything I need to be aware of, just so we can hit the ground running when I arrived. And I was at Aiden’s Halloween party in his house in Dublin at the end of October. So we have a lot of history, from poverty to almost success.
Sounds nice to reach some of the same career milestones together. The first movie of this project doesn’t go back quite as far as you two go, but it was also 13 years ago, and Tom told me the second one was talked about since then. When did you get approached to star in it, and what drew you to that role?
I got approached by my management in Los Angeles. I think Constantin Film had shown an interest in me for the part. I was intrigued, especially because it’s the first time I’ve worked in Germany on a full German production, with German producers, a German director, and in German studios as well. So I was really curious about that. But my priority is always the script and the story. In the past, on several occasions, I’ve been offered lead roles that might be so-called career-defining roles, or something very big, or something for a lot of money, and the story wasn’t good, and I had to say no. And believe me, I’m not averse to being paid some very nice Hollywood money.
It’s very depressing when you have to turn it down because the story’s not good enough and there’s nothing you can do to make it worthwhile. And not only that, if somebody’s going to invest that amount of money into a project and into me and want me to carry a project, and I think this is not a good story so therefore it’s not going to make money, then I don’t think I’m doing anybody a favor by accepting a job that I don’t think is going to return a profit on the people who’ve invested a lot of money in it.
That’s usually down to a bad story that people just aren’t interested in. This, on the other hand, was a really good story. It was very easy to say yes. I love the inclusivity of all the people from various religions and cultures, and all our heroes who just want to do good for the world. There’s some fantastic action in it. There’s some strange things in it, magical stuff. I think it’s a rollercoaster ride. It’s a real adventure.
I really like my character in the middle, as a small part of the story and of course our hero has a great journey.
I agree. How did you prepare for the role? Obviously, you’ve red the script, but did you watch the first movie? Did you read the novel maybe? How much of the established universe did you explore?
I generally don’t like looking back. I prefer to see the style of what I’m doing. I had a little look, just to see the style of it. But I don’t ever want to be a continuation of a story, because my character is a brand new character that appears in this. So he should stand alone in his own world, his own universe, within this script. I was a little interested in how he might be ill, how it would manifest. But the character is there to give our introduction to our hero, Rob, coming to England and coming to London, and this wonderful idea he has of helping his fellow human beings.
A decent human being that has had terrible things happen to him and his friends. That touch with humanity is what makes things really interesting. My preparedness for this role was, how do I fit in? How do I keep the story rolling? And how do I give him enough weight, enough gravity, that he’s king-like?
As the old saying goes, the king is only the king as long as the people think he’s the king. So when you’re playing a king, you never play a king. It’s everybody else in the room plays the king. You just have to sit there. Sometimes it’s an easy job.
That’s a great insight. How much creative freedom did you have in shaping the role? Was the script already very specific, or were you able to realize your full creative vision?
You sit with your director. That’s my job. When I get something, I will talk to the director and go, what’s your idea about this? My first fit is not to unbalance the director’s vision. It’s to complement and collaborate his vision. I’ve always said this, the person in the room with the best idea wins, and it’s frequently not me. So I will offer my ideas, what I think might be an interesting twist on what we’re after. I will always ask, in this case Philip, who’s a wonderful director, if I did this, does this fit in with what you have in your head? Sometimes he’d say no, and sometimes he’d say, I like it, let’s go with it. That’s part of the joy of being on a set, throwing those ideas out. Even when your director doesn’t agree with them, it gives you an indication of where you should direct your thinking. That’s joy, because then you’re both on the same journey. It only becomes problematic when the actor is going off that way and the director is going that way. That makes producers sweat.
I understand. Thank you for your time and insights!
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