Les Chasseresses
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Les Chasseresses

Les Chasseresses
„Les Chasseresses“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Im schweizerischen Kanton Wallis gehen vier Frauen zur Jagd. Sie tun das nicht beruflich, sondern erlegen Wild für den Eigengebrauch. Die Jagd ist traditionell von Männern dominiert, doch die Frauen sind Teil der Gemeinschaft. In manchen Familien geben die Älteren ihre Kenntnisse an die Jüngeren weiter. Die Frauen gehen aus Überzeugung zur Jagd und warten hoch oben in den Bergen, nächtelang und bei Wind und Wetter darauf, dass sich das Wild zeigt.

Mit dem Gewehr in die Berge

Die Schweizer Filmemacherinnen Amélie Bargetzi und Christelle Jornod haben die Jägerinnen ein Jahr lang begleitet. Die Regisseurinnen treten in ihrem Dokumentarfilm nicht selbst in Erscheinung und sie nehmen keine Statements für die Kamera auf. Was bedeutet es, auf die Jagd zu gehen? Wie viele Vorbereitungen sind nötig, bevor ein Hirsch, ein Rehbock, eine Gämse oder ein Murmeltier mit einem Schuss niedergestreckt werden können? Wenn man den einzelnen Frauen, ob sie nun mit anderen oder allein losziehen, in die Berge folgt, lernt man einiges über die Strapazen und den speziellen Reiz des Abenteuers Jagd.

Imposante Landschaftsaufnahmen mit Berggipfeln, bewaldeten Hängen, Nebelschwaden bei Tag und bei Nacht gibt es zur Genüge. Einmal weist ein Jäger einem Team die Posten zu, ein andermal geht eine Frau alleine hoch hinauf. Im Schnee, bei Regen, wenn die Nacht anbricht, durchwandern die Jägerinnen das bergige Gelände, spähen aus dem Dickicht heraus mit dem Fernglas. Auf welchen Lichtungen, auf welchem Grat lässt sich das Wild blicken? Schutzgebiete müssen umgangen, trächtige Tiere verschont werden. Eine Frau berichtet von ihrer plötzlichen Angst vor dem Schuss, ob ihr auch wirklich kein Versehen bei der Auswahl des Tieres unterlaufen ist.

Frauen sind die Ausnahme

Nach einer Jad bestehen die Männer der Gruppe darauf, der jungen Frau, die ihren ersten Rehbock erlegt hat, zur „Taufe“ sein Blut ins Gesicht zu schmieren. Ihr wäre ein Foto lieber gewesen, doch sie lässt das Ritual geschehen. Es ist einer der wenigen Momente im Film, in dem sich erahnen lässt, dass es Frauen als Außenseiterinnen in der Männerdomäne nicht ganz leicht haben. Beim Häuten und Ausweiden einer Gämse gibt es Diskussionen, ob die Frau, die das Messer führt, es auch richtig macht. Eine ältere Jägerin dankt dem Murmeltier, das sie erlegt hat, und dem Heiligen Hubertus ebenfalls. Zuhause wird dann gekocht, und das kostbare Fett des Murmeltiers in Gläschen gefüllt.

Die zumeist berufstätigen Frauen gehen offenbar zur Jagd, um die Tradition zu pflegen und weil sie sich gerne in den Bergen aufhalten. Die Stille draußen, die Einsamkeit, das Suchen, Warten und Anvisieren verschaffen ein intensives Naturerlebnis. Kurze Textzitate werden eingeblendet, wie „Ich habe ihn pfeifen hören. Er war nah.“ Man weiß nicht, von welcher Protagonistin die jeweiligen Aussagen stammen. Diese Art des dokumentarischen Filmens, die auf Informationen verzichtet, die sich nicht aus den beobachteten und aufgeschnappten Inhalten erschließen, hat sicher ihren Reiz. Doch man bleibt hier mit unbeantworteten Fragen zurück, beispielsweise auch schon, welchen Erkenntnisgewinn sich die Regisseurinnen davon versprachen, nur Frauen zu begleiten.

Credits

OT: „Les Chasseresses“
Land: Schweiz
Jahr: 2026
Regie: Amélie Bargetzi, Christelle Jornod
Buch: Amélie Bargetzi, Christelle Jornod
Musik: Sophie Conus
Kamera: Gaétan Nicolas

Bilder

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Les Chasseresses
fazit
Der Dokumentarfilm von Amélie Bargetzi und Christelle Jornod beobachtet vier Schweizerinnen, die in den Walliser Bergen auf die Jagd gehen. Sie pflegen in der Freizeit wie selbstverständlich eine ländliche Tradition, die immer noch als Männerdomäne gilt. Ihre Streifzüge in der freien Natur, die Rituale der Jagd formen sich zu einem atmosphärisch dichten Gesamteindruck. Allerdings ist über die Motivation der Frauen und ihre Beurteilung der eigenen Lage nicht viel zu erfahren, weil die Filmemacherinnen auf Interviews und Nachfragen verzichten.
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