
Als ein Geldtransporter von Leuten auf Motorrädern überfallen wird und dabei auch ein Wachmann getötet wird, führen DNA-Spuren am Tatort zu Lucian „Lucca“ Tudor (Doğa Gürer). Doch der ist untergetaucht. Um irgendwie an ihn heranzukommen, gibt sich Helen Dorn (Anna Loos) als Ex-Stuntfahrerin aus Übersee aus und sucht die Nähe von Luccas Bruder Mo (Hanno Koffler), der eine Motorradschule leitet. Da Dorn selbst eine exzellente Fahrerin ist, schafft sie es tatsächlich, ihm näherzukommen und Vertrauen aufzubauen. Sie wird sogar seinem Freundeskreis vorgestellt. Als dann aber Lucca zurückkommt, droht die Situation zu eskalieren …
Bloß nicht auffliegen
Was einmal geht, geht auch zweimal. Oder viele Male, wie der Fall Helen Dorn zeigt. Zwischen fünf und sechs Millionen Menschen schalten jedes Mal ein, wenn die eigensinnige Polizistin ermitteln. Und das, obwohl inzwischen der Output schon ziemlich hoch ist. Allein 2025 sind drei neue Filme an den Start gegangen. Zuletzt erzählte Schuld und Sühne davon, wie der Chef der Industrie- und Handelskammer mit einem Pfeil erschossen wurde. Verbunden war das mit einer erstaunlich ambivalenten Klimathematik. Wem das zu viel war und seine Krimis lieber ohne jegliche gesellschaftliche Themen möchte, kann es mit dem neuesten Film Adrenalin versuchen. Es ist der 24. Teil innerhalb der 2014 gestarteten ZF-Krimireihe.
Der Titel ist dabei tatsächlich Programm. So geht es ziemlich rasant los, wenn wir ein Wettrennen sehen, bei dem unsere Protagonistin nicht nur die Nase vorn hat. Was es mit dem Ganzen auf sich hat, wird erst zu einem späteren Zeitpunkt verraten. Das Publikum soll durch diese Sequenz gefesselt werden. Man sollte dadurch aber keine falschen Erwartungen entwickeln. Helen Dorn: Adrenalin ist kein Actionfilm. Dorn selbst ist zwar ebenfalls der toughe Polizistinnentyp, ohne aber à la Sarah Kohr ständig zuzuschlagen. Die Spannung in dem Film besteht eher in der Ungewissheit, ob die Tarnung auffliegen wird. Schließlich wird man in diesem Milieu eher weniger davon angetan sein, wenn eine Gesetzeshüterin sich im innersten Kreis herumtreibt – vor allem, da man selbst das mit dem Gesetz nicht so genau nimmt.
Mehr Mensch, weniger Rätsel
Ansonsten menschelt es diesmal stark. Wenn sich der Motorradlehrer und die Polizistin näherkommen, hat das natürlich primär berufliche Gründe. Dennoch blitzt auf diese Weise immer mal wieder der Mensch hinter der harten Fassade hervor. Zwar ist Dorn noch immer auf eine etwas plakative Weise cool. Aber es tut der Reihe doch ganz gut, wenn man zumindest ein bisschen versucht, auch etwas anderes über die Figur zu sagen, ohne dabei gleich wieder zu viele persönliche Geschichten zu erzwingen. Zumal Helen Dorn: Adrenalin dankenswerterweise darauf verzichtet, zu viele unnötige Konflikte einzubauen, wie es immer mal wieder bei Filmen dieser Reihe der Fall ist.
Der Fall an sich ist dabei mäßig interessant geworden. Zu rätseln gibt es diesmal relativ wenig. Das muss zwar nicht unbedingt verkehrt sein, nicht jeder Krimi muss ein klassischer Whodunit sein. Es braucht dann aber einen Ersatz. Eine Geschichte, die es sich wirklich zu erzählen lohnt. Bei Helen Dorn: Adrenalin ist das eher weniger der Fall. Eine Motorradclique, die in kriminelle Machenschaften wie Raub und Drogen verwickelt ist? Das ist nicht unbedingt Ausdruck einer größeren Kreativität. Es ist auch nicht so, als wären die Figuren spannend geworden und damit ein Grund, sich den Film anzuschauen. Das muss einen nicht zwangsläufig stören. Die Kombination aus den Motorradszenen und den besagten zwischenmenschlichen Momenten rechtfertigen zwar einen Blick. Mehr als Durchschnitt ist dieser Krimi aber nicht geworden.
OT: „Helen Dorn: Adrenalin“
Land: Deutschland
Jahr: 2025
Regie: Friedemann Fromm
Drehbuch: Friedemann Fromm
Musik: Meredi Arakelian
Kamera: Heinz Wehsling
Besetzung: Anna Loos, Ernst Stötzner, Tristan Seith, Stipe Erceg, Nagmeh Alaei, Hanno Koffler, Junis Marlon, Paula Kober, Raymond Tarabay, Doğa Gürer
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