Freaky Tales
© Universal Pictures

Freaky Tales

„Freaky Tales“ // Deutschland-Start: 26. Juni 2025 (Kino)

Inhalt / Kritik

Oakland im Jahr 1987. Die Punkrock-Fans Tina (Ji-young Yoo) und Lucid (Jack Champion) wollen eigentlich nur einen schönen Abend zusammen verbringen. Doch dieser wird regelmäßig durch grölende Nazis sabotiert. Also beschließen die beiden, gemeinsam mit ihrer Community aktiv zu werden. Entice (Normani) und Barbie (Dominique Thorne) versuchen hingegen, im Rap-Business Fuß zu fassen, haben dabei aber mit der allgegenwärtigen Frauenfeindlichkeit zu kämpfen. Clint (Pedro Pascal) wiederum hat einen schweren Verlust zu verkraften, als seine Frau getötet wird. Das bestätigt ihn in seinem Wunsch, sein kriminelles Leben hinter sich zu lassen, was aber alles andere als einfach ist. Basketball-Spieler Sleepy Floyd (Jay Ellis) ereilt ein ähnlicher Schicksalsschlag, als seine Freundin vom Nazi-Anführer Travis (Angus Cloud) getötet wird – was er nicht auf sich beruhen lassen will …

Wenig massentauglicher Mix

Während der Hochphase der Marvel-Filme war es beeindruckend, welche Talente man für das Franchise gewinnen konnte. Das galt nicht nur für die Menschen vor der Kamera, wo sich absurd viele Stars tummelten. Auch bei der Wahl für die Regie ging man interessante Wege und engagierte Leute, die man zuvor eher nicht mit Comic-Filmen in Verbindung gebracht hätte. Neben Größen wie Chloé Zhao, Ryan Coogler und Scott Derrickson, die mit ganz anderen Filmen bekannt geworden waren, überraschte vor allem das Engagement von Anna Boden und Ryan Fleck. Denn die hatten sich zu dem Zeitpunkt mit Indie-Produktionen einen Namen gemacht. Aber die Wahl zahlte sich aus, Captain Marvel wurde zu einem galaktischen Blockbuster. Anstatt aber diesen Weg weiterzuverfolgen, wechselte das Duo zu Fernsehtiteln. Erst fünf Jahre nach dem kommerziellen Durchbruch folgte mit Freaky Tales ein weiterer Film, den aber kaum jemand wahrnahm.

Das liegt auch daran, dass die beiden sich hier offensichtlich nicht dafür interessieren, die große Masse anzusprechen. Mit Pedro Pascal und Ben Mendelsohn gab es zwar zwei echte Stars, mit denen man Werbung machen konnte. Der Film selbst hat aber weniger Crowdpleaser-Qualitäten. So erzählt Freaky Tales vier Geschichten, die zwar schon Anknüpfungspunkte haben, letztendlich aber überwiegend unabhängig voneinander sind. Es ist auch nicht so, dass sie thematisch einen gemeinsamen Nenner haben. So befassen sich die ersten beiden der vier Geschichten mit grob gesellschaftlichen Themen, wenn es um Rechtsradikale und Frauenfeindlichkeit geht. Die beiden anderen gehen in eine stärkere Thrillerrichtung, wenn die Partnerinnern der jeweiligen Protagonisten ermordet werden, es um Kriminalität und Rache geht.

Stimmungsvolle Zeitreise

Der Film schwankt dabei zwischen mehreren Genres und mehreren Tonalitäten, ist mal komisch, dann wieder düster, befasst sich mit Alltäglichem, um dann auf einmal völlig überzogen zu sein. Freaky Tales wandelt dabei durchaus auch den Spuren von Quentin Tarantino, wenn schwarzer Humor auf Brutalität und coole Sprüche trifft. Während man bei dem berühmten Kollegen aber immer Werke bekommt, die aus einem Guss sind, selbst wenn sie nicht mehr als Zitatesammlungen sind, ist das hier schwieriger. Es wird nie ganz klar, was Boden und Fleck, die auch gemeinsam das Drehbuch geschrieben haben, überhaupt erreichen wollen.

Das heißt dann nicht, dass das Ergebnis schlecht ist. So macht beispielsweise das Ensemble Spaß, wenn es sich in diesen Wahnsinn stürzt. Auch im Hinblick auf die Atmosphäre ist das geglückt. Das Zusammenspiel der Bilder und der 80er-Jahre-Musik macht Freaky Tales zu einem Film, dem es durchaus gelingt, entsprechende nostalgische Gefühle zu wecken. Und auch Fans von überzogenen Geschichten können auf ihre Kosten kommen, der Film, der 2024 in Sundance Weltpremiere hatte, trägt nicht ohne Grund diesen Titel. Aber das Ganze ist dann doch eher stylisch als gehaltvoll. Wer mit der Inszenierung und der Stimmung nichts anfangen kann, wird mit dem Film eher wenig glücklich werden.

Credits

OT: „Freaky Tales“
Land: USA, Kanada
Jahr: 2024
Regie: Anna Boden, Ryan Fleck
Drehbuch: Anna Boden, Ryan Fleck
Musik: Raphael Saadiq
Kamera: Jac Fitzgerald
Besetzung: Pedro Pascal, Ben Mendelsohn, Jay Ellis, Normani, Dominique Thorne, Jack Champion, Ji-young Yoo, Angus Cloud

Bilder

Trailer

Filmfeste

Sundance 2024

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Freaky Tales
fazit
„Freaky Tales“ erzählt in vier miteinander verwobenen Geschichten von Musik, Nazis und Verbrechen. Der Film ist stimmungsvoll und macht auch aufgrund der Besetzung Spaß. Es wird aber nie ganz klar, was der Film eigentlich sein und erreichen will, das ist mehr Stil als Substanz.
Leserwertung0 Bewertungen
0
6
von 10