Father Mother Sister Brother
© Vague Notion, Photo: Frederick Elmes

Father Mother Sister Brother

Father Mother Sister Brother
„Father Mother Sister Brother“ // Deutschland-Start: 26. Februar 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

So richtig viel Kontakt haben Jeff (Adam Driver) und Emily (Mayim Bialik) ja nicht mehr mit ihrem Vater (Tom Waits). Es ist schon eine Weile her, dass sie sich alle gesehen haben. Jetzt ist es mal wieder an der Zeit und die beiden Geschwister besuchen ihn in seinem abgelegenen Haus. Doch das Wiedersehen gestaltet sich schwierig, sie wissen nicht so recht, worüber sie reden sollen. Ähnlich geht es den Schwestern Timothea (Cate Blanchett) und Lilith (Vicky Krieps), wenn sie sich in ihrem regelmäßigen Ritual mit ihrer Mutter (Charlotte Rampling) treffen. Denn auf einen Nenner kommen sie nicht. Das Verhältnis der Zwillinge Skye (Indya Moore) und Billy (Luke Sabbat) ist dafür umso enger. Und sie brauchen auch einander, da sie gemeinsam die Pariser Wohnung ihrer kürzlich verstorbenen Eltern ausräumen müssen …

Tragikomödie um familiäre Bindungen

Wenn sich Jim Jarmusch, die wohl bekannteste Ikone des US-Indiekinos, mit einem neuen Werk zurückmeldet, ist ihm zumindest von Fans und in Arthouse-Kreisen die Aufmerksamkeit sicher. Darüber hinaus hat er jedoch weniger Ambitionen. Selbst wenn der Regisseur mit anderen Genres spielt – in dem Vampirdrama Only Lovers Left Alive (2013) und der Zombiekomödie The Dead Don’t Die (2019) arbeitete er mit Horrorfiguren –, bleibt er doch sich und seiner Art des Erzählens treu. Und das gilt dann auch für sein neuestes Werk Father Mother Sister Brother. Diesmal bewegt er sich wieder in seinem angestammten Tragikomödienbereich, umgibt sich teilweise auch mit alten Bekannten, die schon in früheren Filmen von ihm mitgespielt haben. Man kann also nicht behaupten, dass sich da jemand neu erfinden will.

Es kam daher durchaus zu Irritationen, als der Film 2025 in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde. Ein simpler Konsenskandidat, hieß es da verächtlich. Ein Werk, auf das sich alle einigen können, weil es wenig aneckt. Das stimmt einerseits schon. Wo andere Beiträge des Festivals neue Wege zu beschreiten versuchten, manchmal auch weh tun wollten, da ist Father Mother Sister Brother gefälliger und zugleich unauffälliger. Und doch würde man Jarmusch nicht gerecht werden, wenn man seine neueste Kreation darauf reduzieren wollte. Denn zu erzählen hat er einiges in den drei Geschichten. Diese sind völlig voneinander unabhängig, bauen auch nicht aufeinander auf, auch wenn es wiederkehrende Elemente gibt. Gemeinsam ist ihnen, dass es jeweils um komplizierte familiäre Bindungen geht, die der Regisseur mit Humor, aber zugleich Einfühlungsvermögen schildert.

Zwischen Entfremdung und Nähe

Die ersten beiden Episoden – betitelt als Father und Mother – sind sich dabei ähnlich. Etwas zu ähnlich. Da geht es jeweils darum, dass zwei Geschwister beim Elternteil vorbeikommen und eine unangenehme Situation entsteht, weil man sich nicht viel zu sagen hat. Auf humorvolle Weise wird dabei von Entfremdung gesprochen, von dysfunktionalen Familien, die verkrampft versuchen, einen Anschein zu wahren. Die erste der zwei Geschichten ist dabei die insgesamt gelungenere. Es gelingt hier besser, die Balance aus Alltäglichem und Besonderem zu halten, aus Komik und Tragik, wenn sich drei Menschen direkt gegenüberstehen und doch nicht einander finden. Der Abschnitt über das Mutter-Töchter-Trio ist zwar ebenfalls exzellent besetzt und gefällt zudem durch inszenatorische Spielereien. Erzählerisch tritt Father Mother Sister Brother dennoch zu schnell auf der Stelle.

Der letzte Abschnitt ist dafür wieder sehr gelungen, obwohl – oder weil – er in eine andere Richtung geht. Nicht nur, dass die beiden Geschwister tatsächlich ein gutes Verhältnis haben und es eine ganze Reihe von schönen Szenen gibt. Der Teil handelt auch von Trauer und dem Verlust geliebter Menschen. Gab es in den ersten zwei Geschichten mal mehr, mal weniger Humor nach typischer Jarmusch-Art, wird es nun melancholisch und nachdenklich. Father Mother Sister Brother geht hier stärker zu Herzen, ohne dabei manipulativ oder kitschig werden zu müssen. Wir sehen zwei Menschen, die um andere trauern. Das ist nicht viel und doch irgendwie die ganze Welt. Sicher werden einige davon gelangweilt sein, können vielleicht auch mit dieser Mischung aus Kuriosem und Banalem nichts anfangen können. Doch wer sich für das Zwischenmenschliche interessiert, für die Komplexität des Miteinanders, findet hier tatsächlich einen der schönsten Filme des letzten Jahres.

Credits

OT: „Father Mother Sister Brother“
Land: USA, Irland, Frankreich
Jahr: 2025
Regie: Jim Jarmusch
Drehbuch: Jim Jarmusch
Musik: Jim Jarmusch, Anika
Kamera: Frederick Elmes, Yorick Le Saux
Besetzung: Tom Waits, Adam Driver, Mayim Bialik, Charlotte Rampling, Cate Blanchett, Vicky Krieps, Indya Moore, Luka Sabbat

Bilder

Trailer

Filmfeste

Venedig 2025
Zurich Film Festival 2025
BFI London Film Festival 2025
International Film Festival Rotterdam 2026

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Father Mother Sister Brother
fazit
„Father Mother Sister Brother“ erzählt in drei unabhängigen Geschichten von familiären Bindungen. Dabei verbindet er Kurioses mit Banalem, ist mal tragisch, dann wieder komisch. Zwischenzeitlich tritt der Film etwas auf der Stelle. Und doch gehört er zu den schönsten Werken der letzten Zeit über die Komplexität zwischenmenschlicher Beziehungen.
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