Die Schule des Mutes – Rule Breakers
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Die Schule des Mutes – Rule Breakers

Die Schule des Mutes – Rule Breakers
„Die Schule des Mutes“ // Deutschland-Start: 29. Januar 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Die Afghanin Roya Mahboob (Nikohl Boosheri) setzt sich in ihrer Heimat für die Bildung junger Mädchen ein, genauer gesagt dafür, dass nicht nur Jungen, sondern auch Mädchen Unterricht in Computer- und Informationstechnik erhalten. Eine Bildung, die ihr selbst während ihrer Schulzeit verwehrt wurde und die sie erst an der Universität nachholte. Gemeinsam mit ihrer Schwester Elaha (Yekta Heidari) und ihrem Bruder Ali (Noorin Gulamgaus) tourt sie durch die Schulen des Landes, um die Klassenzimmer mit Computern auszustatten.

Um ihre Ziele und mehr Menschen erreichen zu können, rät der US-Technologie-Manager Samir Sinha (Ali Fazal) Roya dazu, ein Unternehmen zu gründen. Von ihrer Heimatstadt Herat aus hat Roya aber noch eine weitere Idee: Sie ruft das Afghan Girls Robotics Team ins Leben, das an internationalen Robotik-Wettbewerben teilnehmen soll. Doch Roya und die vier Mädchen des ersten Teams, Taara (Nina Hosseinzadeh), Esin (Amber Afzali), Arezo (Mariam Saraj) und Haadiya (Sara Malal Rowe), werden mit diversen Problemen familiärer, gesellschaftlicher, finanzieller und logistischer Natur konfrontiert.

Robotik-Träume

Geschichten aus dem echten Leben verkaufen sich gut – ob zwischen zwei Buchdeckeln oder als Bewegtbild. Das Etikett „based on a true story“ ist längst zu einem Markenzeichen geworden, das sich auch auf Streamingplattformen als Kategorie wiederfindet. Dass in der Vermarktung der Schule des Mutes die Authentizitäts-Karte ausgespielt wird, verwundert somit nicht. Auf dem deutschen Filmplakat ist zu lesen, dass dieses Drama auf einer „unglaublich wahren Begebenheit“ basiere und „vom zweifachen Oscargewinner Bill Guttentag“ stamme. Eine todsichere Kombination für einen Kassenschlager. Oder nicht?

Wer von Bill Guttentag trotz seines Erfolgs noch nie etwas gehört hat, befindet sich in guter Gesellschaft. Denn zum einen hat der 1958 im New Yorker Stadtteil Brooklyn geborene Regisseur die begehrten Preise nicht für Spielfilme, sondern für Dokumentarfilme erhalten. Und zum anderen liegt sein zweiter und bislang letzter Oscargewinn für Twin Towers (2002), eine Kurzdoku über zwei Brüder und deren Einsatz nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, schon mehr als 20 Jahre zurück. Als Filmemacher, der sich mit Vorliebe historisch-politische Themen vornimmt, scheint Guttentag als Regisseur für den vorliegenden Stoff indessen die Idealbesetzung zu sein. Dass er vom Dokumentarfilm kommt, merkt man seinem jüngsten Spielfilm allerdings an.

Formelhaftes Skript, steifes Schauspiel

Die Schule des Mutes ist nicht der erste Spielfilm, den der Dokumentarfilmer Guttentag gedreht hat. Richtig wohl scheint er sich mit der fiktionalen Form aber nicht zu fühlen. Oder anders formuliert: Was die von Guttentag gemeinsam mit Roya Mahboobs Schwester Elaha Mahboob und Jason Brown verfasste Handlung anbelangt, wird man den Eindruck nicht los, als habe jemand auf einem Leitfaden fürs Drehbuchschreiben fein säuberlich alle Stichpunkte abgehakt, dabei aber das Wichtigste vergessen: dass sich das Ergebnis natürlich anfühlt. Besonders die Exposition und der erste Akt sind ausgesprochen formelhaft und unnötig ungelenk geraten. Um die von Nikohl Boosheri (The Bold Type) gespielte Informatikerin, Geschäftsfrau und Aktivistin Roya Mahboob einzuführen, springt die Story in nur wenigen Minuten zwischen einer überflüssigen Rahmenhandlung und gleich drei weiteren Zeitebenen hin und her, was das Publikum mehr verwirrt, als ihm ein adäquates Bild der Protagonistin zu vermitteln.

In englischer Sprache gedreht und in den Nebenrollen unter anderem mit Phoebe Waller-Bridge (Fleabag, Indiana Jones und das Rad des Schicksals) durchaus prominent besetzt, gelingt es auch dem Ensemble nicht, den Film über sein Mittelmaß hinauszuheben. Denn viele Sequenzen, in denen entscheidende Entwicklungsschritte vermittelt werden, wenn also gemeinsam gegrübelt, gelitten und gejubelt wird, sind komplett nach Schema F inszeniert und gespielt. Die Szenen, in denen die Figuren auf ganz natürliche Art miteinander ins Gespräch kommen, sind in der Minderheit. Was überwiegt, ist Künstlichkeit: Figuren, die ihre Dialoge mehr aufsagen, als deren Worte ernst zu meinen, und die vor der Kamera emotional auf Knopfdruck agieren. Die geteilte Freude ist in diesem Fall allerdings keine doppelte Freude, sondern eine, die aufgesetzt wirkt und das Drama seltsam steif erscheinen lässt.

Credits

OT: „Rule Breakers“
Land: USA
Jahr: 2025
Regie: Bill Guttentag
Drehbuch: Elaha Mahboob, Jason Brown, Bill Guttentag
Musik: Jeff Beal
Kamera: John Pardue
Besetzung: Nikohl Boosheri, Noorin Gulamgaus, Ali Fazal, Amber Afzali, Nina Hosseinzadeh, Sara Malal Rowe, Mariam Saraj, Phoebe Waller-Bridge

Bilder

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Die Schule des Mutes – Rule Breakers
fazit
„Die Schule des Mutes“ erzählt einen entscheidenden Teil aus dem Leben der Afghanin Roya Mahboob, die sich in ihrem Heimatland für Bildung, Gleichberechtigung und Frauenrechte einsetzte, bevor sie ihm gezwungenermaßen den Rücken kehren musste. Leider gelingt es dem oscarprämierten Regisseur Bill Guttentag nicht, aus dieser wichtigen Geschichte ein mitreißendes Drama zu machen. Denn vom Drehbuch bis zum Schauspiel bleibt vieles zu formelhaft und steif.
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