Riding in Darkness Nattryttarna TV Fernsehen ZDFneo Mediathek DVD
© ZDF/Niklas Maupoix

Riding in Darkness

Riding in Darkness Nattryttarna TV Fernsehen ZDFneo Mediathek DVD
„Riding in Darkness“ // Deutschland-Start: 17. Januar 2023 (ZDFneo)

Inhalt / Kritik

Für die 16-jährige Molly (Saga Samuelsson) geht ein Traum in Erfüllung, als sie eine Stelle als Stallmädchen auf dem Reiterhof Heddesta erhält. Schließlich kann ihr die Familie keine wirkliche Perspektive bieten. Außerdem liebt sie Pferde und zeigt als Reiterin großes Talent. Doch je länger sie dort bleibt, umso mehr bekommt sie die dunkle Seite von Tommy (Jonas Karlsson) zu spüren, der zusammen mit Lotta (Malin Persson) den Hof betreibt. Nicht nur dass er zu Jähzorn neigt, er wird zudem immer wieder sexuell übergriffig. Zwar versucht sie, gemeinsam mit den anderen Mädchen der Situation zu entgehen und sich gegenseitig zu schützen. Aber auch zusammen sind sie machtlos gegen die Gewalt und finden keine Lösung – bis die Lage eines Tages völlig eskaliert …

Die Geschichte eines vielfachen Missbrauchs

Seit der #MeToo-Bewegung hat es eine ganze Reihe von Filmen und Serien gegeben, die dieses Thema aufgegriffen haben. Geschichten rund um sexuelle Übergriffe oder Missbrauch gibt es schließlich mehr als genug. Kürzlich etwa lief She Said im Kino, das den Fall des berüchtigten Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein aufarbeitete – der Ausgangspunkt, der weltweit Wellen schlug und die Bewegung erst in Gang setzte. Deutlich weniger bekannt ist die Geschichte von Sophie Jahn, die der ZDFneo Serie Riding in Darkness zugrundeliegt. Die lebte in den 80ern und 90ern mit ihren Eltern auf einem Pferdehof in Schweden und erlebte am eigenen Leib Gewalt durch den Vater. Sexuell missbraucht hat er sie nicht. Dafür aber eine Reihe anderer Mädchen.

Die schwedische TV-Produktion Riding in Darkness ist dabei keine direkte Umsetzung dieser Lebensgeschichte. Namen wurden geändert, manche Punkte dramaturgisch verdichtet, um sie dem Publikum besser verkaufen zu können. Die Grundlagen sind jedoch geblieben und sind geeignet, es einem entweder eiskalt den Rücken hinunterlaufen zu lassen oder einen dazu bringen vor Wut zu kochen. Dabei ist es besonders erschreckend, wie perfide Tommy vorging. So suchte er sich gezielt Mädchen aus, die ihm aufgrund ihrer Lebenssituation hilflos ausgeliefert waren. Sie stammten aus schwierigen Verhältnissen, hatten kein Zuhause mehr – und damit keine wirkliche Alternative zum Hof. Das erklärt auch, weshalb sie so schwer Hilfe von außen suchen konnten, obwohl man dies in der Situation erwarten sollte. Sie wussten einfach nicht, was sie dann machen sollten, weswegen viele versuchten, sich irgendwie zu arrangieren. Das gilt insbesondere für Frida (Amanda Jansson), die selbst Opfer ist und die beste Freundin Mollys.

Spannend und schockierend

Hinzu kommt, dass Tommy auch eine andere Seite hat. Die ist nicht nur nützlich, wenn er Außenstehende bezirzen will: Immer wieder inszeniert er sich als freundlicher Wohltäter und liebevoller Familienvater. Er manipuliert zudem gern seine Opfer und bringt sie mit seinem Charme dazu, nach seinem Willen zu agieren. Hauptdarsteller Jonas Karlsson (Quick: Die Erschaffung eines Serienkillers) ist hierbei eine sehr gute Besetzung, da es ihm gelingt, beide Seiten glaubhaft zu verkörpern: Charmeur und Monster. Überhaupt kann das Ensemble in Riding in Darkness überzeugen, zumindest innerhalb des gesteckten Rahmens. Richtig viel hat die Serie über die Figuren nicht zu sagen. Die meisten gehören entweder zu den Opfern oder denjenigen, die gern weggeschaut haben. Über Letztere erfährt man aber nur wenig. Bei Lotta gibt es ein paar kurze Momente, die ihren Lebenslauf betreffen. Beim Rest kann man lediglich spekulieren.

Aber auch wenn ein paar Punkte ein bisschen hastig – oder gar nicht – abgearbeitet werden, zu erzählen hat die Serie jede Menge. Die Geschichte nimmt dabei einen etwas anderen Verlauf, als man erwarten würde. Wo es anfangs noch danach aussieht, als gehe es hier in erster Linie um Molly, die sich gegen ihren Vergewaltiger zur Wehr setzt, rückt in der zweiten Hälfte Tommys Tochter Agnes (Tehilla Blad) in den Vordergrund. Sie ist es wohl auch, welche hier für die besagte Sophie Jahn steht, die in ihrem Buch von den Vorgängen erzählte. Das Mitgefühl des Publikums kann ihr wie auch den anderen Figuren sicher sein, Riding in Darkness zeigt sehr anschaulich, durch welche Hölle sie alle gehen müssen, obwohl vieles nicht gezeigt wird. Kalt lässt einen die Serie ziemlich sicher nicht: Sie ist gleichermaßen spannend wie schockierend und eine Erinnerung daran, wie wichtig es war, das jahrelange Schweigen zu brechen.

Credits

OT: „Nattryttarna“
Land: Schweden
Jahr: 2022
Regie: Molly Hartleb, Julia Lindström
Drehbuch: Ulf Kvensler
Musik: Sophia Ersson
Kamera: Ola Magnestam, Gabriel Mkrttchian
Besetzung: Jonas Karlsson, Hanna Ardéhn, Saga Samuelsson, Malin Persson, Amanda Jansson, Tehilla Blad, Melinda Kinnaman, Christopher Wollter, Jessica Liedberg

Bilder

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Riding in Darkness
fazit
„Riding in Darkness“ erzählt von dem Besitzer eines Pferdehofs, der junge Mädchen missbraucht und auch der Familie gegenüber gewalttätig wird. Einige Punkte werden hastig abgearbeitet oder nicht zu Ende erzählt. Bei der Figurenzeichnung gibt es ebenfalls Defizite. Dennoch ist sie Serie gleichermaßen spannend wie schockierend und hinterlässt gerade auch wegen des Hauptdarstellers Eindruck, dem die Balance aus Charmeur und Monster gelingt.
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8
von 10