Caveman
© Constantin Film

Caveman 

Caveman
„Caveman“ // Deutschland-Start: 26. Januar 2023 (Kino)

Inhalt / Kritik

Es hätte der große Tag von Bobby (Moritz Bleibtreu) sein sollen. Stattdessen kommt es zur Katastrophe: Kurz vor seinem ersten Auftritt als Comedian vor einem Publikum hat seine Frau Claudia (Laura Tonke) endgültig die Schnauze voll. Die Scheidung ist nur noch Formsache. Auf der Bühne muss er deshalb seinem Frust Luft machen und erzählt dem Publikum, wie es zu der ganzen Sache überhaupt kommen konnte. Angefangen hat es mit einer Begegnung in der Bar. Später suchten sie sich eine gemeinsame Wohnung, Tür an Tür mit Hoffmann (Wotan Wilke Möhring) bzw. Nike (Martina Hill), mit denen sie jeweils eine enge Freundschaft pflegen. Doch das mit dem harmonischen Beisammensein klappt im Laufe der Zeit immer weniger, zu unterschiedlich sind die zwei …

Adaption mit Anlauf-Schwächen

Ja, man durfte bei Caveman misstrauisch sein. Nicht nur dass der Filme mehrere Male verschoben wurde, obwohl er offensichtlich längst fertig war. Er wurde zudem der Presse nur kurz vor Kinostart gezeigt – und das auch noch mit einem Embargo. Das weckt keine besonders guten Erwartungen. Aber auch inhaltlich war Skepsis angesagt. Die deutsche Komödie basiert schließlich auf dem gleichnamigen Theaterstück von Rob Becker. Das war zwar ein großer Erfolg, mit Aufführungen in über 50 Ländern und mehr als 14 Millionen Menschen, die zu den Aufführungen gegangen sind. Aber es handelt sich eben um Geschlechterwitze Mitte der 1990er Jahre, die schon damals tief in Klischees verwurzelt waren. Wer will denn so etwas heute noch hören?

Und doch ist das Ergebnis besser als erwartet. An manchen Stellen ist der Film sogar fast schon gut. Ein Teil davon ist Regisseurin und Drehbuchautorin Laura Lackmann zu verdanken, die sich um die Adaption des Bühnenstücks kümmerte. Dass sie alternative Liebeskomödien zu erzählen versteht, hat sie vor einigen Jahren in dem charmanten Zwei im falschen Film bewiesen. Auch damals schon spielte Laura Tonke die Hauptrolle, war Teil eines etwas eigenwilligen Paares mit Hang zur Dysfunktionalität. Bei Caveman kann sich Lackmann vor allem inszenatorisch austoben. So zeigt sie sich von einer schön verspielten Weise, wenn sie immer wieder Grenzen aufhebt – gerade zwischen der Realität und Fantasien. Sie findet dafür auch eine Reihe schöner Bilder, für die allein es sich schon lohnen würde, hier einmal vorbeizuschauen.

Spielfreude auf schwachem Fundament

Der zweite Grund ist die Besetzung. So hat Lackmann eine Reihe von Schauspielern und Schauspielerinnen versammelt, die alle mit viel Spielfreude an die Arbeit gehen. Dabei finden sich zahlreiche bekannte Gesichter, selbst in kleinen Nebenrollen. Doch die Bühne gehört natürlich in erster Linie Moritz Bleibtreu und Laura Tonke. Beide bringen die notwendigen Voraussetzungen für eine gelungene Liebeskomödie mit, eine schöne Mischung aus Herz und Humor. Sie geben zusammen ein charismatisches Paar ab, dem man immer wieder gern zusieht, selbst wenn sie einen zuweilen kräftig nerven können. Denn natürlich gibt es in Caveman viele Probleme zwischen den beiden. Probleme, die aus den verschiedensten Gründen auftreten. Und manchmal auch nur, weil es die Dramaturgie so vorsieht und unbedingt ein Konflikt her muss. Schließlich braucht man den, um über die Unterschiede zwischen Mann und Frau zu sprechen.

An der Stelle wird dann auch das Problem des Films offensichtlich: Ein Großteil der Witze ist schon ziemlich altbacken. Wer heute noch Frauen als Sammler und Männer als Jäger bezeichnet, der darf sich nicht wundern, wenn das Publikum mit den Augen rollt. Klar macht sich Caveman auch über Klischees lustig. Aber sie werden zu oft eben auch bedient, die einzelnen Witze bleiben zu oft daran kleben. Wenn der Film zum Ende hin auf einmal behauptet, dass jeder Mensch einzigartig ist, dann hat das wenig mit dem zu tun, was vorher gezeigt wurde. Erkenntnisgewinn gibt es mal wieder auf Knopfdruck, weil man da fürs Ende so brauchte. Das ist schade, weil an vielen Stellen deutlich ist, wie viel besser der Film hätte sein können. So reicht es für eine nette Komödie, die hin und wieder unterhält und an manchen Stellen auch ein bisschen moderner sein möchte. Mehr als das gibt das Fundament nicht her.

Credits

OT: „Caveman“
Land: Deutschland
Jahr: 2023
Regie: Laura Lackmann
Drehbuch: Laura Lackmann
Vorlage: Rob Becker
Musik: Till Brönner, Arne Schumann, Josef Bach
Kamera: Pascal Schmit
Besetzung: Moritz Bleibtreu, Laura Tonke, Wotan Wilke Möhring, Martina Hill, Leni Riedel

Bilder

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Caveman 
fazit
Basierend auf dem erfolgreichen Bühnenstück versucht sich „Caveman“ an den Unterschieden zwischen Mann und Frau. Hin und wieder ist das amüsant. Das ist jedoch in erster Linie der Besetzung und der verspielten Inszenierung zu verdanken. Der Inhalt ist weniger einfallsreich, löst sich zu wenig von den Klischees, selbst wenn sich der Film darüber lustig machen möchte.
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